Arnsberg/Sundern. Die im Juli vom Landesbetrieb StraßenNRW auf der Hellefelder Höhe, der Landstraße 839, angebrachten „Rüttelstreifen“ sollen Motorradfahrer dazu anhalten, den Gasgriff zurückzudrehen. Doch mit diesem baulichen Eingriff sind nicht alle Motorradfahrer glücklich. Sie sehen darin eher eine Gefährdung. Wie Michael Hirndorf aus Arnsberg.
„Dass wir hier noch stehen, das ist ein Wunder.“ Michael Hirndorf ist mit seinem Motorrad auf der Hellefelder Höhe unterwegs. Mit dabei seine 14-jährige Tochter. Als er den Warnhinweis „Querrillen“ vor der neuen Rüttelstreifen-Zone sieht, nimmt er das Gas heraus und fährt mit „etwa 30, 40 km/h weiter. Wäre ich schneller, würde ich mit meiner Maschine abheben.“ Erlaubt ist deshalb hier auch nur eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Für Motorräder und alle anderen Fahrzeuge.
So weit, so gut. Doch als Hirndorf mit seinem Krad die Rüttelzone durchfährt, sieht er im Rückspiegel einen Pkw heranrasen, der auf dieser kurzen Geraden zunächst den unmittelbar hinter ihm fahrenden Wagen überholt und sich dann anschickt, auch Hirndorf abzuhängen. „Als der Pkw dann auf gleicher Höhe mit mir ist, bemerkt dessen Fahrerin die an die Rüttelstreifen anschließende scharfe Kurve, bremst abrupt und zieht auf meine Seite.“ Nur mit einem waghalsigen Manöver und schnellster Reaktion kann der 39-Jährige verhindern, „dass meine Tochter und ich im Straßengraben landen.“ Hirndorf hat inzwischen Anzeige erstattet.
Grundsätzlich sinnvoll
Grundsätzlich, sagt der Arnsberger, sei eine solche Rüttelzone durchaus angebracht. „Weil leider viele Motorradfahrer viel zu schnell unterwegs sind auf dieser kurvenreichen Strecke.“ Was er jedoch aus langjähriger Erfahrung kritisiert, ist die Anbringung dieser etwa 1,5 Zentimeter hohen Streifen aus schwarzer Kaltplastik unmittelbar vor einer scharfen Kurve.
„Denn ich befürchte, dass wir Motorradfahrer hier leicht zum Freiwild werden können.“ Zulässig sind auf diesem Streckenabschnitt 50 km/h. „Aber als Motorradfahrer kann ich eigentlich unmöglich mit dieser Geschwindigkeit in die Streifen einfahren, sondern eher deutlich langsamer.“ Im Gegensatz zum Beispiel zu einem Pkw.
Die Folge für Michael Hirndorf: „Die Fahrzeuge rücken uns so direkt auf die Pelle oder leiten unmittelbar vor der Kurve noch ein riskantes Überholmanöver ein.“ Deshalb hält es Hirndorf für ratsam, die Rüttelstreifen zu verlegen - entweder zurück in Richtung Einfahrt Kompostierwerk oder an einen anderen Abschnitt der L 839.
„Kein Handlungsbedarf“
Für den zuständigen Landesbetrieb StraßenNRW gibt es dagegen keinen Anlass zum Eingreifen. „Wir haben hier exakt nach dem Regelwerk der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen gehandelt,“ sagt Rudolf Heupel als Sprecher der StraßenNRW-Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift. Zumal ein entsprechendes Hinweisschild auf den Rüttelstreifen aufmerksam mache.
Diese Streifen waren - wie berichtet - unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Motorradfahrer, der Polizei und der zuständigen Straßenverkehrsbehörde eingerichtet worden. Mit dem Ziel, die jahrelange Häufung von Kradunfällen auf dieser Strecke zu reduzieren.
Sperrung vermeiden
Andere Eingriffe wie Markierungen und Beschilderungen hätten nicht den gewünschten Erfolg gehabt. StraßenNRW will nun mit diesen 50 Zentimeter breiten und 1,5 Zentimeter hohen Streifen, die über die gesamte Fahrbahnbreite gezogen sind, zu einem angemessen Fahrverhalten animieren. Damit soll auch eine Sperrung der Strecke für Motorräder verhindert werden. Wie am Ochsenkopf.