Radfahrer verunglückt am Viadukt

Manfred Schäfer von der Stadt Arnsberg an den mit Gummidichtungen gesicherten Spurrillen an der Bahntrassenquerung unter dem Arnsberger Viadukt.
Manfred Schäfer von der Stadt Arnsberg an den mit Gummidichtungen gesicherten Spurrillen an der Bahntrassenquerung unter dem Arnsberger Viadukt.
Foto: WP Ted Jones

Arnsberg..  Ein 62-jähriger Radfahrer aus Dortmund hat sich bei einem Unfall auf dem Ruhrtalradweg direkt unter dem Arnsberger Viadukt einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Er sei, so Augenzeuge Dieter Fait, wohl aufgrund von beschädigten Spurrillendichtungsprofilen an den Bahngleisen zu Fall gekommen. Für die Stadt dagegen ist dieser Radweg-Engpass in Verlängerung des Arnsberger Burgwegs seit 2009 kein Gefahrenpunkt mehr. In diesem Jahr nämlich habe man die Dichtungsprofile installiert.

„Natürlich ist das Unglück sehr bedauerlich,“ sagt Manfred Schäfer, in der Stadtverwaltung zuständig für Radwege und Radverkehr. „Aber was sollen wir hier anderes machen?“ Denn eine weitere Möglichkeit als die genannten Spurrillendichtungsprofile gebe es nicht. „Und die Dichtungen sind sogar erst in 2013 auf unsere Initiative hin erneuert worden. Für einen vierstelligen Betrag.“ Wegen der neuerlichen Schäden werde man jetzt Kontakt mit der RLG aufnehmen und fragen, „ob die vorhandenen Schwachstellen ausbessert werden können“.

Seit 2009 keine Unfälle gemeldet

Seit 2009, erläutert Manfred Schäfer, habe es in der Stadtverwaltung keinerlei Anfragen und Hinweise auf Fahrradunfälle in diesem Bereich mehr gegeben. „Vor 2009 war das allerdings anders. Da haben wir u.a. regelmäßig Anfragen vom Verkehrsverein bekommen. Mit der Bitte, hier für Abhilfe zu sorgen. Weil immer wieder Fahrradfahrer mit ihren Rädern in die Spurrillen zwischen den Gleisbändern am Übergang geraten und gestürzt sind.“ Die Hinweisschilder und zeitweilige gelbe Bodenmarkierung seien als Warnungen leider nicht beachtet worden.

Deshalb habe die Stadt schließlich 2009 über 40.000 Euro in die Hand genommen, um eben diese Querung von Radweg und Eisenbahn durch die Dichtungsprofile abzusichern. Die RLG habe weitere 7000 Euro zugeschossen. Öffentliche Fördermittel habe es nicht gegeben. „Seit dieser Zeit herrscht Ruhe, sind uns keine Unfälle mehr gemeldet worden.“ Jedoch, schränkt der Radwegexperte ein, dürfe man diese Abdichtungen nicht als Allheilmittel ansehen. „Passieren kann immer etwas.“

Deshalb verweist Manfred Schäfer auf die vorhandene Beschilderung, die die Radfahrer an dieser Stelle auffordert, abzusteigen und das Rad über die Querung zu schieben. Woran sich - wie man jetzt beim Treffen vor Ort feststellen konnte - kaum jemand hält. Durch diese Schilder aber, so Schäfer, sei die Stadt außerhalb jeglicher Haftung. Jedoch werde man nun prüfen, ob man eben diese Warnhinweise künftig besser positionieren könne, um deren Erkennbarkeit noch zu erhöhen.

„Mir fehlt ein deutlicher Hinweis“

Womit ein Anliegen des Dortmunder Radtouristen und Unfallzeugen Dieter Fait schon erfüllt würde: „Mir fehlt an dieser unübersichtlichen Engstelle ein eindeutiger Hinweis auf diesen Gefahrenpunkt, besonders für Ortsfremde.“ Dabei, so Fait weiter, gehe es ihm und seinen Dortmunder Radfreunden jetzt nicht um Schuldzuweisungen, sondern allein darum, die Situation am Viadukt zu entschärfen. „Auch wenn natürlich immer ein gewisses Risiko bleibt.“

Denn der Unfall sei für die gesamte Radtouristen-Gruppe schon ein großer Schock gewesen. „Schließlich hat unser Freund einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch erlitten: Der Bruch geht nicht nur durch den Hals, sondern auch durch die Gelenkkugel.“ Der 62-Jährige sei sofort im Dortmunder Krankenhaus „Bergmannsheil“ operiert worden, wo er sich noch immer befinde.

Möglicherweise aber zeichnet sich eine grundsätzliche Bereinigung der misslichen Situation ab - durch den geplanten Radschnellweg (wir berichteten), zu dem auch der Abschnitt Jägerbrücke bis Hammerweideweg zählen wird. Denn diese Schnellverbindung zwischen Arnsberg und Neheim soll, so Schäfer, parallel zu den Bahngleisen geführt werden. „Damit würde die Querung entfallen.“

Fahrradfahrer müssen absteigen

Allerdings wird bis dahin wohl noch viel Wasser die Ruhr hinunterfließen, darf doch deren Durchflussquerschnitt nicht verändert werden. Eine Möglichkeit für den Schnellradweg wäre daher an dieser Stelle eine Balkonlösung - wie gegenüber an der Hüstener Straße. Schäfer: „Von der technischen Seite her kann man natürlich alles machen, aber letztlich entscheidet das Geld.“

Bis dahin empfiehlt Manfred Schäfer allen Fahrradfahrern: „Fahren Sie an diese Bahnquerung langsam heran und steigen Sie ab.“ Zudem werde man weiterhin dafür Sorge tragen, dass schadhafte Spurrillendichtungen immer wieder nachgearbeitet werden. „Aber jeder sollte wissen: 100-prozentige Sicherheit kann man nirgendwo schaffen.“

Info

Das Anbringen der Spurrillendichtungsprofile an Bahnübergängen ist s ehr aufwändig und damit entsprechend teuer.

Unter anderem müssen die Gleise neu vermessen werden.

Die erforderlichen Arbeiten müssen von einer Fachfirma übernommen werden. Das gilt auch für Ausbesserungen.

Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes zum Beispiel dürfen hier nicht tätig werden.

Wichtig für Radfahrer: Bei Nässe ist das Queren der Gleise nicht ungefährlich.

Erst vor zwei Wochen ist bei Regen am Viadukt das Fahrrad einer Frau weggerutscht und sie kam zu Fall. Folge: S chulterbruch.

Deshalb: Grundsätzlich dem Hinweisschild folgen und absteigen.

 
 

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