„Pflücken erlaubt statt Betreten verboten“Sozialleben, verbunden mit Ökologie und Wirtschaft

Urbaner Gartenbau ist im 30.000-Einwohner-Städtchen Andernach am Rhein seit drei Jahren ein Erfolgsmodell.
Urbaner Gartenbau ist im 30.000-Einwohner-Städtchen Andernach am Rhein seit drei Jahren ein Erfolgsmodell.
Foto: WP

Arnsberg.  Essbare Stadt Arnsberg? „Warum nicht?“, fragen die heimischen Piraten mit Blick auf ein erfolgreiches Projekt der Stadt Andernach (30.000 Einwohner) in Rheinland-Pfalz. Dort boomt „urbane Landwirtschaft“. Die Idee ist ebenso simpel wie effektiv: Seit drei Jahren bepflanzt die Stadt Andernach viele ihrer Grünflächen nicht mehr mit klassischen Zierpflanzen, sondern nutzt das öffentliche Grün für den Anbau von Obst, Gemüse und Wildblumen. Die Essbare Stadt Andernach bietet ihren Bürgern so eine ganz neue Nutzung des öffentlichen Raums: Es wird nicht mehr nur gespielt, gejoggt oder gewandert – jetzt wird auch das Abendessen gepflückt. Städtisches Grün nicht nur fürs Auge, sondern auch für den Magen. Ob Tomaten, Bohnen, Lauch, Mangold, Kürbisse oder Zucchini: „Pflücken erlaubt statt Betreten verboten“ lautet das Motto dort.

Für Arnsbergs Piraten eine echte Alternative, denn: „Immer mehr Grünanlagen in Arnsberg verwildern aufgrund der klammen finanziellen Lage der Stadt“, so die Piraten. Warum also nicht diese Gartenflächen ab kommender Saison nach dem Prinzip des urbanen Gartenbaus bepflanzen? Was in Andernach funktioniert, bringe auch für Arnsberg eine Verbesserung des Stadtbildes. Wie das Ganze vor Ort funktionieren soll, schildert Piraten-Sprecher Daniel Wagner wie folgt:

„Langzeit-Arbeitslose kümmern sich um die (Nutz)gärten und gehen so seit Langem wieder einer Beschäftigung nach, die Stadtkasse wird entlastet, da das Saatgut jährlich nur einmal gepflanzt werden muss, und Bürgerinnen und Bürger können eine höhere Akzeptanz zu ihrer Stadt aufbauen.“

Idee für Verwaltung nicht ganz neu

Der Arnsberger Verwaltung ist diese Art von Idee nicht ganz neu: „Während der Aktion ‘Grüner Daumen’ waren Bürger Ende 2012 ausdrücklich aufgerufen, Ideen zur weiteren Bepflanzung und damit Aufwertung des öffentlichen Raumes einzureichen“, heißt es auf Anfrage aus dem Rathaus. Grundgedanke: Bürger und Stadt begrünen gemeinsam, z.B. durch Pflanzen von Blumen oder essbaren Gewächsen wie Tomaten. Wie berichtet, wurden sechs von 21 eingereichten Vorschlägen ausgezeichnet und umgesetzt. Leider war, trotz intensiver Bewerbung des Projektes, das Interesse der Bürger insgesamt eher gering, bilanziert Stadtsprecherin Stefanie Schnura. Wer Ideen zur Bepflanzung öffentlicher Flächen hat, könne diese jederzeit dem Grünflächenamt ( 02932-964138) mitteilen. Dort werde dann eine Realisierung geprüft.

Urbane Landwirtschaft ist die Nutzung von Land in Ballungsräumen zum Anbau von Lebensmitteln. Die Nutzung erfolgt in der Regel für den Eigenbedarf und ist eng mit dem Sozialleben, den ökologischen und wirtschaftlichen Kreisläufen der Stadt verbunden.

Andernach ist eine Industriestadt am Rhein im Kreis Mayen-Koblenz. Am Rande der Innenstadt, im Stadtgraben an den Ruinen von Burg und Stadtmauer, liegt der räumliche Schwerpunkt öffentlicher Beete, weitere Info: www.speiseraeume.de

 
 

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