Neuer Kreuzweg wirkt tiefgründig

Kreuzweg
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Foto: Privat

Neheim..  Ein neuer Kreuzweg wertet die Neheimer St.-Franziskus-Kirche auf. Er lehnt sich an die Gebetsstationen des „Stacheldrahtseminars“ für kriegsgefangene deutsche Theologiestudenten in Le Coudray bei Chartres nach dem Zweiten Weltkrieg an.

Jetzt weihte Pastor Bittern den neuen Kreuzweg in der Neheimer Kirche St. Franziskus ein. Die alten Stationen einfacher Ausführung wurden mit dem Bau der Kirche vor mehr als 30 Jahren als Provisorium angebracht und zerfielen derweil merklich, so dass ein Ersatz erfolgen musste.

Die Handschrift Lothar Zenettis

Der neue Kreuzweg trägt die „Handschrift“ von Lothar Zenetti. Dieser hatte als junger Seminarist im Jahre 1946 in der Kapelle des „Stacheldrahtseminars“ mit einfachsten Mitteln einen eindrucksvollen Kreuzweg innen auf die Außenwand und auf eine Zwischenwand gemalt, die jedoch nach Auflösung des Seminars im Jahre 1947 wieder beseitigt wurde. Dadurch existieren heute nur noch vier farbige Stationen innen auf der Außenwand.

Allerdings besitzt das Franz-Stock-Komitee Schwarz-Weiß-Negative aus der damaligen Zeit. Mit Hilfe dieser Negative wurde nun der neue Kreuzweg erstellt, wobei der Neheimer Designer Rolf Krüger den Stationen ein größeres Format gab, manche Details klarer herausarbeitete und alle Stationen mit einem gleichen und wärmeren Farbton ausstattete.

Eine besondere Bedeutung besitzt der neue Kreuzweg dadurch, dass der damalige Apostolische Nuntius in Paris, Kardinal Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., bei einem Besuch im „Stacheldrahtseminar“ von der Ausdruckskraft des Kreuzweges so begeistert war, dass er dem jungen Zenetti dringend ans Herz legte, sein Talent als Maler unbedingt weiter zu pflegen und auszubauen.

Diesen Weg hat Zenetti später als Pfarrer im Raum Frankfurt, wo er auch heute lebt, nicht eingeschlagen, sondern sein Talent als Verfasser von Liedtexten, Meditationen und Gebeten entdeckt und gepflegt. So lassen sich heute seine Texte in vielen Publikationen finden, wie auch ein Blick in das „Gotteslob“ zeigt, das gerade in der katholischen Kirche Deutschlands als Neubearbeitung Verbreitung findet.

Die Kirchengemeinde St. Franziskus ist sich bewusst, dass sie jetzt einen Kreuzweg besitzt, der eine besonders tiefgründige Wirkung bei der Betrachtung erzeugt. Der Kirchenraum beherberge nun ein kulturelles Kleinod.

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