Nach Messerstich fünf Jahre Haft

Hüsten. Zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren hat gestern die Schwurgerichtskammer des Arnsberger Landgerichtes einen 49-jährigen Türken verurteilt. Nach einem gemeinsamen Trinkgelage hatte er im Streit auf einen Bekannten eingestochen (WR berichtete gestern).

Der Nachmittag endete blutig. Weil der 49-jährige Mohammed G. die Partnerin seines Trinkkumpans Jürgen D. (Namen geändert) „angrapschte“, gerieten die beiden aneinander. „Unter Kollegen teilt man alles – auch die Frau“, hatte der Türke von seinem deutschen Bekannten einen Freibrief für seine sexuellen Übergriffe erhofft.

Doch Jürgen D. zog sich unter Beschimpfungen zurück. Im Treppenhaus vor der Wohnung von Mohammed G. kam es dann erst zu einer Schlägerei. Danach holte der Türke aus seiner Küche ein Messer. „Er packte Jürgen D. an der Schulter, so dass er sich herumdrehte, sah ihn friedlich an, sagte ‘jetzt bist du tot‘ und stieß dann mit großer Wucht zu“, fasste Vorsitzender Richter Willi Edrmann das Tatgeschehen aus Sicht des Gerichtes zusammen. „Das war ein hinterhältiger Angriff“, urteilte Erdmann.

Stichkanal zeigt Wucht des Stoßes

Dass Jürgen D. an dem einen Stich hätte sterben können, machte Gerichtsmediziner Dr. Zweihoff klar. Mit der elf Zentimeter langen Klinge des Messers war ein 15 cm langer Stichkanal zugefügt worden – das lässt auf die Wucht des Stoßes schließen. Der Verletzte verlor 1,5 Liter Blut – nur die Notoperation in der Karoline rettete ihm das Leben. Zwei Zentimeter oberhalb des Stiches verläuft eine Hauptschlagader – wäre sie verletzt worden, hätte Jürgen D. wohl trotz schneller Operation nicht überlebt.

Dass dennoch der ursprüngliche Vorwurf des versuchten Totschlags fallen gelassen wurde, hatte in seinem Plädoyer Staatsanwalt Gregor Keller begründet. Der wuchtige Stich sei aus juristischer Sicht ein beendeter Totschlagsversuch. Doch: unmittelbar nach dem Stich ging Mohammed G. zurück in seine Wohnung und sagte den anderen Zechkumpanen: „Ich habe Scheiße gebaut, ruft einen Krankenwagen.“ Dies wird als so genannter „Rücktritt“ von der Tat gewertet – und hat strafmindernde Konsequenzen. Hintergrund: Der Gesetzgeber will so Täter „belohnen“, die nachdem sie ein Verbrechen begangen haben, sofort reumütig werden und dann alles unternehmen, um das Menschenleben zu retten.

So forderte Keller fünf Jahre Haft für die gefährliche Körperverletzung – bei einem Totschlag wären es vermutlich sieben und mehr Jahre gewesen. Pflichtverteidiger Martin Pohlmann plädierte auf vier Jahre Haft. Er strich heraus, dass sein Mandant sofort nach der Tat umgekehrt sei.

Das Urteil - fünf Jahre - wird Mohammed G. vermutlich nur zu zwei Dritteln in Deutschland absitzen. Danach wird er wohl in die Türkei abgeschoben.

 
 

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