Museumserweiterung: Diskussion mit Kirchturmdenken

So soll sie aussehen, die Erweiterung des Sauerlandmuseums.
So soll sie aussehen, die Erweiterung des Sauerlandmuseums.
Foto: WP

Arnsberg..  Wenn man in die Glaskugel schauen oder Karten legen könnte, wäre man klüger. Was den Ausgang der entscheidenden Kreistagssitzung zur Erweiterung des Sauerlandmuseums betrifft. Zwar kann man nach dem ergebnislosen Ende des Kreiskulturausschusses nach viereinhalbstündigem Sitzungsmarathon (wie berichtet) durchaus von einer Mehrheit für das Projekt ausgehen, doch wenn man Karten neu mischt, weiß man nie, was letztlich im Stock liegt.

Denn deutlich wurde: Die Grünen - auch deren Arnsberger Vertreterinnen - und Teile der Mehrheitsfraktion CDU - nämlich deren Mitglieder aus dem Ostkreis - werden wohl der Erweiterung im Zuge der Regionale 2013 nicht zustimmen.

Die Zeit drängt

Die FDP, wird hinter den Ku­lissen gemunkelt, ist gespalten, und die SPD wohl mehrheitlich dafür. Nun will der Kreiskulturausschuss das Thema erneut am 13. Juni beraten. Dann aber drängt die Zeit: Acht Tage später tritt der Kreistag zur finalen Museums-Sitzung zusammen.

Zwar wurde Donnerstag in der Sondersitzung - dabei zahlreiche Kreistagsmitglieder aller Fraktionen - das Konzept für die Erweiterung mehrheitlich begrüßt, doch wurde es auch immer wieder in Frage gestellt. U.a. aus Kostengründen. Aber auch Kirchturmdenken war erkennbar. Wie bei Martin Schnorbus (CDU Winterberg), der Konzept und Qualität des Museums überhaupt anzweifelte und u.a. von „Sammelsurium“ statt von Sammlung sprach. Er mochte auch die Qualitätsverbesserung für Sauerland und Tourismus nicht erkennen.

Sascha Walenta: „Beschämend“

Was Sascha Walenta (CDU Arnsberg) erstmals auf die Palme brachte. „Schließlich stimmen wir auch stets dafür, den Tourismus in Winterberg anzukurbeln. Da kann kann man jetzt eine ausgewogenere Betrachtungsweise erwarten.“ Zur Information: Die mit enormem Aufwand an Steuergeldern 1977 in Winterberg eröffnete Bobbahn wird noch immer jährlich vom Kreis unterstützt - in 2013 mit 358 000 Euro.

Grünen-Vertreter Antonius Vollmer (Meschede) argumentierte u.a. mit dem seiner Ansicht nach niedrigen Bekanntheitsgrad des Museums, der eine solche Investition nicht erlaube: So hätten nur 10 Prozent seiner Bekannten jemals etwas von dieser Einrichtung gehört. Was Walenta zum zweiten Mal die Röte ins Gesicht trieb: „Dann machen Sie sich lieber Sorgen um ihren Bekanntenkreis statt um das Museum.“

Walenta unterstrich die große Bedeutung des Projekts für das Image von Kreis und Stadt. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. „Ein solches kulturelles und Bildungsangebot fehlt für junge Leute.“ Von den investorischen und touristischen Impulsen für Stadt und Kreis ganz zu schweigen. Daher sei für ihn völlig unverständlich, dass Arnsberger Bürgervertreter dagegen votieren: „Beschämend.“

Eine Lanze für die Erweiterung brach neben u.a. Landrat Dr. Karl Schneider („Eine solche Chance kommt lange, lange Jahre nicht wieder“) der Mescheder Dieter Wurm: „Wir müssen endlich lernen, über die städtischen Tellerränder hinaus regional zu denken. Dieses Projekt ist eine Option für die Zukunft“.

 
 

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