Multikulturelle Utopien geweckt

„Utopia“ - das Theater der jungen Menschen begeistert.
„Utopia“ - das Theater der jungen Menschen begeistert.
Foto: Jochem Ottersbach
  • Das Teatron Theater gibt jungen Menschen eine Stimme
  • „Utopia“-Premiere begeistert das Publikum
  • Junge Schauspieler geben ihre innersten Gedanken künstlerisch preis

Arnsberg.  Vor einem Jahr haben sich die „Jungen Wilden“ des Teatron-Theaters empört. Jetzt sind sie wieder auf der Bühne der Kulturschmiede und entwickeln in der Premiere des neuen Stückes „Utopia“ ihre ganz persönlichen Zukunftsvisionen und Lebensperspektiven. Die größtenteils neue Besetzung mit 14 jugendlichen Mädchen und Jungen vertreten ihre Utopien mit einer ungeheuren schauspielerischen Wucht und Dynamik sehr eindringlich in ständiger Aktivität. Dass die meisten von ihnen ausländischer, nämlich syrischer, palästinensischer, kurdischer und marokkanischer Herkunft sind, verleiht dem Spiel nicht nur eine besonders bunte multikulturelle Note, sondern auch angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation eine beeindruckende Aktualität.

Lebendiges Bühnenbild

Alle Darstellerinnen und Darsteller sind ständig im Bühnengeschehen präsent wie ein lebendiges Bühnenbild, auch wenn aufrüttelnde individuell geprägte Monologe die Szene beherrschen.

Utopien, geprägt von persönlichen Lebenssituationen und Erfahrungen, von Herkunft, Kultur und Religion, von Zwängen und Selbstvertrauen dringen auf die Zuschauer ein. Gespielte Gespräche zwischen verschiedenen Gruppen verdeutlichen den oft vorurteilsbeladenen Umgang mit kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Eigenheiten.

Blick unter das Kopftuch

Ein Junge aus Damaskus und ein Mädchen aus dem Sauerland stoßen als Paar auf gegensätzliche, herkunftsbedingte Umgangsformen hinsichtlich Alkohol, Kleidung, Freizügigkeit und religiöser Riten. Ein anderes deutsches Mädchen erfährt, dass unter dem Kopftuch ihrer kurdischen Freundin hübsche lange schwarze Haare und Ohrringe verborgen sind und dass sie eine selbstbewusste, moderne junge Frau mit modischem Geschmack vor sich hat. Ergriffen hört man, warum ein junger Mann seine Bürgerkriegsheimat verlassen hat, von damit verbundenen Todesängsten und dem Glauben an die Demokratie in seiner neuen Heimat. Melancholische Lieder werden in arabischer Sprache gesungen und man sieht, wie sich einzelne Zuschauer Tränen aus den Augen wischen, die wohl dieselben nationalen Wurzeln haben.

Die Bekenntnisse von Träumen, Schicksalen, Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit springen als Spotlichter aus einem schillernden Bühnengeschehen mit teils sehr anmutigen Tanz-, Gesangs-, Rap- und Musikszenen, aber auch mit hektischen Bewegungsabläufen und plötzlichen, laut artikulierenden Zusammenrottungen: „Wir müssen was tun!“ Aus den individuell geprägten Einzelschicksalen erwachsen spontan schauspielerische Gemeinschaftsaktionen, denn nur dadurch können die unterschiedlichen Utopien in der Vision einer neuen Welt der jungen Menschen Wirklichkeit werden.

Zuschauer begeistert

Regisseur Yehuda Almagor und Dramaturgin Ulla Almagor haben es wieder geschafft, Jugendliche verschiedener Herkunft mit viel Einfühlungsvermögen zu motivieren, ihr Innerstes zu öffnen und daraus mit ihnen zusammen das Theaterstück zu formen. In den folgenden Proben brachten sie ihre Laiendarsteller von fast Null auf ein professionelles Niveau, um eine Aufführung zu inszenieren, deren schicksalhafte Authentizität und die jugendliche, unverkrampfte Lebensfreude die Zuschauer anrührt.

Als am Ende mit einem gemeinsamen Lied die elektrisierende Spannung abgebaut wird, ist das Publikum nicht mehr zu halten: stehend klatschen, johlen und pfeifen die Zuschauer der restlos ausverkauften Premiere.

 
 

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