Mit Unfallbericht geht Tragödie wieder vor Gericht

Bilder der Tragödie aus dem August 2013.
Bilder der Tragödie aus dem August 2013.
Foto: Thorsten Bottin
  • Auf das Schmerzensgeld für überlebende Tochter Maya soll weiter geklagt werden
  • Behördlicher Unfallbericht listet Pilotenfehler auf
  • Fünf Menschen starben 2013 kurz vor Landung auf Flugplatz Arnsberg-Menden

Menden/Arnsberg.. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat am Dienstag ihren Abschlussbericht zum Flugzeugunglück vom 27. August 2013 veröffentlicht. Die Experten machen Pilotenfehler aus, die letztlich zum Tod des Neheimer Piloten selbst und vier seiner Fluggäste aus der Arnsberger Unternehmer-Familie Ebel führten. Auf dem Rückflug von Langeoog hatte die Maschine ihr Ziel, den Flugplatz Arnsberg-Menden, nicht mehr erreicht und war in Wimbern auf der Ruhrwiese abgestürzt.

Drei Kinder überleben Unglück

Drei Kinder überlebten den Unfall - die damals eineinhalbjährige Maya ist nach einem erlittenen offenen Schädel-Hirn-Trauma heute stark gehandicapt.

Der letzte Funkkontakt zum Piloten

Zur Analyse der Experten gehören Flugverlauf und Funkverkehr. Um 16:56:07 Uhr meldet der Pilot: „…im Queranflug mit Motorproblemen“. Der Flugleiter fragt: „Wo bist du?“, Der Pilot antwortet um 16:56:16 Uhr: „querab ah von ah Wicked..“. Der Flugleiter will wissen: „Kannst du direkt rein?“ Dreißig Sekunden später funkt der Flugleiter den Piloten erneut an, erhält aber wieder keine Antwort. Um 16:56:50 Uhr wurde westlich des Flugplatzes das letzte Radarziel mit einer Höhenangabe von 800 Fuß aufgezeichnet. Das Flugzeug kollidierte dann mit Bäumen und zerschellte auf einer Wiese.

BFU erkennt Fehler des Piloten

Laut BFU-Abschlussbericht hatten Zeugen am Flugplatz Langeoog das Flugzeug beobachtet und ausgesagt, dass der Pilot vor dem Abflug mehrere Anlassversuche benötigt hatte, bis das Triebwerk des Flugzeuges lief. Diese Aussage wird im Bericht nicht kommentiert. Der Flugunfall ist laut BFU darauf zurückzuführen, „dass der Pilot: das Flugzeug beim Betanken nicht mit für die Gesamtflugstrecke ausreichender Kraftstoffreserve versah;
vor dem Start in Langeoog die vorhandene Kraftstoffmenge nicht hinreichend genau überprüfte;
während des Fluges den Kraftstoffverbrauch/-vorrat unzureichend überwachte und den Flug bis zum Triebwerkausfall aufgrund von Kraftstoffmangel fortsetzte; nach dem Triebwerksausfall trotz erreichbarer, geeigneter Notlandegelände versuchte, den Zielflugplatz noch zu erreichen;
die Hindernisfreiheit bzw. Höhe falsch einschätzte und es zu einer Kollision kam.“

975 Stunden Flugerfahrung

Dem Piloten war wenige Wochen vor dem Unglück am 13. Juni 2013 das medizinisches Tauglichkeitszeugnis Klasse 1 ausgestellt worden. Er hatte eine Gesamtflugerfahrung von etwa 975 Stunden.

Klagen gegen Sohn des Piloten

Die Familie der beim Unglück verstorbenen Passagiere klagte und klagt gegen den Sohn des ebenfalls verunglückten Piloten (59).

„Die Ergebnisse des Flugunfallberichtes sind für uns nichts Neues“, sagt Rechtsanwalt Wolfgang Lürbke. Die Familie der verunglückten Passagiere hatte immer einen Pilotenfehler unterstellt. „Wir sehen da viele vermeidbare Nachlässigkeiten, für die am Ende fünf Menschen unnötig sterben mussten“, so Lürbke.

Vergleiche in mehreren Fällen

Der Unternehmer Thomas Ebel verlor beim Unglück seine Frau (34), seinen Sohn (5), seine Mutter (72) und seinen Neffen (15). Ein damals vierjähriger Sohn, eine Nichte (7) und die damals 16 Monate alte Tochter Maya überlebten.

Bestattungskosten hat der Sohn des verstorbenen Piloten als beklagter Erbe bereits nach gerichtlicher Klärung übernommen. Zu Vergleichen kam es bei Schmerzensgeldforderungen von 15 000 Euro für die überlebenden Passagiere (außer Maya) und 10 000 Euro die verstorbenen Familienmitglieder.

Für Maya wird weiter geklagt

Das Schmerzensgeldverfahren für Maya wurde vom Landgericht Arnsberg in Absprache mit beiden Parteien zurückgestellt, bis der Abschlussbericht der Flugunfalluntersuchung vorliegt. „Nun wird es weiter gehen“, sagt Ebel-Anwalt Wolfgang Lürbke. Im Raum stehen Summen bis zu einer halben Million Euro.

Geklagt wird auf den Anspruch bis Klageerhebung. Im Detail heißt das: Auch nach einem Urteil könnte es weitere Klagen geben, die sich auf die künftigen „Schmerzen“ und Beeinträchtigungen durch nötige Operationen und Therapien des Mädchens beziehen. „So etwas kriegen wir nicht verglichen“, so Lürbke. Körperliche Einschränkungen und Lähmungen werden Maya immer begleiten. Kognitive Langzeitschäden sind heute noch nicht absehbar.

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