Lederne Brücke erstmals in Szene gesetzt

Detlef Schlüchtermann
Arnsberger Sage von der ledernen Brücke
Arnsberger Sage von der ledernen Brücke
Foto: Jochem Ottersbach

Arnsberg. Historische Themen und modernste Computertechnik - zwei ganz große Vorlieben von WR-Mitarbeiter Jochem Ottersbach. Im vergangenen Jahr begeisterte der pensionierte Berufsschullehrer mit seinen digitalen Bildmontagen vom Arnsberger Schloss, das er in zahlreichen Fotomontagen wiederaufleben ließ und unter Alt-Arnsbergern eine Diskussion über die Schönheit dieses Prachtbaus auslöste.

Im Sommer konnten die Arnsberger dann alle Bilder in einer kleinen Ausstellung am Steinweg bewundern. Nach dem Schlossberg hat Jochem Ottersbach seit Mitte vergangenen Jahres seine Liebe zum „Kurfürstlichen Thiergarten“ entdeckt. Hier hatte Förster Wolfram Blanke seit Jahren historische Schätze ausgegraben und diese mit Unterstützung vieler Organisatoren einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit Juni ist der Kurfürstliche Thiergarten auch eine offizielle Wanderroute, die immer mehrWanderer und Spaziergänger anlockt, die, meist mit der Erlebnis-Wanderbroschüre in der Hand auf geschichtliche Spurensuche gehen.

Mit dem Wanderweg wurde auch die Ruine der alten Rüdenburg aus einem gewissen Dornröschenschlaf erweckt. Und hier hat Ottersbach etwas ganz Besonderes entdeckt. Dazu sagt er: „Streift man in der wild romantischen Natur des Berges zwischen den uralten Grundmauerresten umher, schweift die Fantasie schnell ins Mittelalter ab. Gelangt man schließlich an die Stelle, von der aus man einen grandiosen Ausblick auf den gegenüber liegenden Arnsberger Schlossberg genießen kann, erinnert sich wohl manch einer an die Sage von der ledernen Brücke, die damals das weite Tal der Ruhr von der alten Burg zum Schloss hin überspannt haben soll. “

Folgendes hat der Volksmund dazu überliefert: Zu Beginn des 13. Jahrhunderts begegnete Konrad von Rüdenburg nachts auf dem Heimritt zu seiner Burg einer unheimlichen, schwarz gekleideten Gestalt, die sich offensichtlich verirrt hatte. Nicht wissend, dass der leibhaftige Teufel vor ihm stand, lud Konrad ihn auf seine Burg ein.

Im Teufelssiepen den Leibhaftigen getroffen

Ottersbach schreibt dazu: „Als heutiger Wald- und Stadtführer ist sich Henning Fette sicher, dass diese Begegnung in einer wild-romantischen Talmulde des späteren Thiergartens stattgefunden haben muss, die deshalb den Namen Teufelssiepen trägt.“

Auf der Burg wurde der Gast mit einem Gelage auserlesener Weine und köstlicher Speisen bewirtet, das er am Ende von einem fürchterlichen Unwetter mit Blitz und Donner begleitet mit den Worten verließ: „Deine Gastfreundschaft wird sogar in der Hölle hoch geachtet.“ Somit war klar, wen man bewirtet hatte. Einige Zeit später rüstete sich der Ritter von Hachen, um mit seinen Mannen die Rüdenburg zu überfallen und zu zerstören.

Er wollte Rache nehmen, weil Agnes, Konrads schöne Tochter, sein Liebeswerben verschmäht und ihr Herz dem Arnsberger Grafen Gottfried im fernen Schloss auf der anderen Ruhrseite geschenkt hatte. Um seiner Tochter die Schmach, in die Hände der Angreifer zu fallen, zu ersparen, ist Konrad entschlossen sie zu töten. Als er gerade den Dolch zückt, hört man seltsame laute Geräusche wie Hämmern, Rumpeln und Klopfen. Eine lederne Brücke spannte sich plötzlich von der Rüdenburg bis weit hin über das Ruhrtal zum Arnsberger Schloss.

Sie war das Werk des Teufels, um als Dank für die genossene Gastfreundschaft den Rüdenbergern die Flucht zu ermöglichen. Als auch die Verfolger auf die Brücke stürmten, brach sie krachend zusammen, so dass die Feinde vernichtend in die Ruhr stürzten.

Soweit die Sage. Damit man sich auch eine bildliche Vorstellung von dieser Brücke und den damaligen Ereignissen machen kann, fertigte Jochem Ottersbach die oben abgebildete Darstellung an, die wahrscheinlich derzeit die einzige ist, die die lederne Brücke bildhaft in Szene setzt.

Sie entstand, indem zunächst die Landschaft mit Burg und Schloss von Hand gemalt und dann eingescannt digitalisiert wurden. Jochem Ottersbach: „Dadurch war es möglich, sie mit Hilfe von Bildbearbeitungssoftware mit diversen fotografischen Elementen anzureichern und teilweise stimmungsvoll zu verfremden. So könnte es vor etwa 800 Jahren gewesen sein.“