Kinesiologie will bei Problemen eine Methode zur Selbsthilfe im Alltag sein

Martin Haselhorst
Kinesiologe Holger Feuring
Kinesiologe Holger Feuring
Foto: WP

Neheim.  Jetzt liege ich auf der Couch. Nicht beim Psychologen, aber irgendwie auch doch. Bei einer kinesiologischen Sitzung geht es in die Tiefe von Körper, Geist und Seele. Ein durch und durch ganzheitlicher Ansatz als Ergänzung zur Schulmedizin. Der 48-jährige Holger Feuring praktiziert als Kinesiologe in Neheim. Von seiner „Medizin“ spricht er als eine „wunderbare Möglichkeit, Menschen mit wenigen Schritten unterstützen zu können“.

Den Arzt will und kann er nicht ersetzen. Krankheiten und Symptome, das weiß auch Holger Feuring, müssen schulmedizinisch untersucht werden. Bei der Ursachensuche aber springt der Kinesiologe wieder ein. „Viele Probleme der Gegenwart beruhen auf emotionalem, nicht verarbeiteten Stress in der Vergangenheit“, sagt Feuring. Wo genau die Wurzel des Übels liegt, will er herausfinden.

Ein „Versteher-Typ“

Holger Feuring spricht ruhig und bedächtig - wie so ein klassischer „Versteher“-Typ. Gelernt ist gelernt: Der einstige Heimtextilienverkäufer im Familienbetrieb las ein Buch über die „Macht des Unterbewussten“, zwitschte sein Leben um, ließ sich zum Mental- und Kindermentaltrainer, Kinesiologen und psychologischen Berater ausbilden.

Er fragt, aber fragt nicht aus. Er will wissen, ist aber nicht neugierig. Und schon liegst du da auf der Liege und machst dir Gedanken, ob es etwas gibt, was dich bedrückt. Schon vor der eigentlichen Untersuchung ist damit ein Ziel erreicht. „Vielen Menschen fehlt es doch heute total, einfach mal einen Moment zur Ruhe zu kommen“, sagt der Neheimer.

Ich bin zur Ruhe gekommen und fühle mich entspannt. Denke ich zumindest. Ich habe meine Meridiane vergessen. Oder besser gesagt: Ich habe nicht gewusst, dass ich diese Energieströme im Körper habe. Über Muskeltests findet der Kinesiologe heraus, wo Blockaden sitzen und zieht daraus dann Rückschlüsse auf den Zustand von Organen, anderen Körperstrukturen und einer womöglich fehlenden Balance.

Auch ich habe offenbar diese Blockaden. Muss nicht schlimm sein, aber Holger Feuring spürt sie auf. Er greift zu meiner Hand, gibt mir kurze Bewegungsanweisung, dreht und wendet meinen Greifer mit sanftem Druck und merkt an meinen aktiven und passiven Muskelreaktionen, dass irgendwo etwas klemmt. Müsste man wohl mal tiefer auf den Grund gehen, wenn es nicht nur ein Vorführtest gewesen wäre. Ich kann damit leben. Holger Feuring aber ist auch psychologisch geschult genug, um zu wissen, wem er was wie und wann sagen und erklären muss und darf.

Die Kinesiologie will nachhaltig wirken und eine Methode zur Selbsthilfe im Alltag sein. Im Verlauf ihrer Geschichte hat die in den 60er-Jahren in den USA entwickelte Kinesiologie viele Methoden herausgearbeitet. Holger Feuring legt bei allen Fortschritten und Annäherungen an die Schulmediziner aber Wert darauf, dass kinesiologische Tests andere klinische oder Laboruntersuchungen nicht ersetzen, sondern immer nur ergänzen können.

Offene Einstellung ist nötig

Wer zum Kinesiologen geht, muss sich öffnen wollen und dem Verfahren vertrauen. Voreinstellungen sind für alle Beteiligten wenig hilfreich - weder auf der Seite des Testenden noch des Getesteten. Dazu ist Vertrauen wichtig.

Die Wirkungs- und Zielfelder der Kinesiologen sind vielfältig. Sie reichen von Lernförderung, Stressbewältigung und Selbstausdruck über Persönlichkeitsbildung, Körpersensibilisierung und emotionale Ausgeglichenheit bis hin zu Konfliktbewältigung, Ernährungsverhalten, gesunde Lebensführung und dem allgemeinen Lebensglück.

Leitsätze statt Pillen

Mit nach Hause nehmen die Patienten eines Kinesiologen in der Regel keine Pillen. Wichtiger sind Leitsätze - die sich aus den Muskeltests ergebenden Affirmationen zum energetischen Ausgleich von Meridianen und Emotionen. Statt der Packung Paracetamol in der Nachtkonsole kann auch der Zettel an der Pinnwand in der Küche die Lösung sein. „Ich glaube und vertraue auf meine Zukunft“, kann darauf stehen. Vielleicht aber auch „Ich bin wertvoll“ oder „Ich bin leicht und beschwingt“.

So springe ich auch von meiner „Couch“. Auf dem Heimweg fällt mir auf, dass ich gründlich über mich nachgedacht habe - mehr als sonst...