In Arnsberg pressen Mülltonnen den Abfall mit Sonnenenergie

Auch auf dem Alt-Arnsberger Neumarkt stehen zwei „Big Bellys“. Jasmin testet den schlauen Eimer.
Auch auf dem Alt-Arnsberger Neumarkt stehen zwei „Big Bellys“. Jasmin testet den schlauen Eimer.
Foto: WP Ted Jones
Arnsbergs Müll ist im 21. Jahrhundert angekommen: Seit Kurzem stehen 14 Mülltonnen im Stadtgebiet, die gleichzeitig eine stille Müllpresse ist. Das direkte Müllpressen schafft Platz und wird mit Sonnenenergie betrieben.

Arnsberg.. „Er“ ist kaum größer als ein Kühlschrank, er meldet sich von selbst, sobald er fast voll ist, er kann jede Menge Müll schlucken, er lässt sich zu günstigen Konditionen leasen, er arbeitet mit Sonnenenergie - kurz gesagt, er ist die Mülltonne des 21. Jahrhunderts. Gleich 14 Exem­plare versehen seit Kurzem überall im Stadtgebiet ihren Dienst.

160 Liter Fassungsvermögen

„Er“ heißt übrigens „Big Belly Solar“ - und das sagt schon eine ganze Menge über den futuristischen Papierkorb aus: „Big“ ist „Bellys“ ­Fassungsvermögen, denn sein Innenleben bildet eine kompakte, geräuschlose Müllpresse, die für große Mengen Abfall ausgelegt ist. Genauer gesagt, für ein Fassungsvermögen von 160 Litern komprimierten Abfalls. Ein „normaler“ Papierkorb fasst nur etwa 40 Liter Müll. „Solar“ weist auf „Bellys“ Solarmodul hin: Seine Presse wird mit Sonnenenergie betrieben - stromsparend, umweltfreundlich, effizient: Mit nur einer Stunde Sonnenlicht presst er bis zu vier Wochen lang. Und es kommt noch besser: Ist „Big Belly“ gut gefüllt, gibt der Papierkorb per Funk ein Signal an die Müllabfuhrzentrale: „Bitte, leert mich!“

Mit der Einführung des schlauen Schluckers reiht sich die Stadt Arnsberg in eine illustre städtische Gesellschaft ein: „Bellys“ finden sich u.a. in der britischen Vorzeige-Stadt Bath, in den UNESCO-Weltkulturerbe-Städten Straßburg und Salzburg, in deutschen Großstädten wie Hamburg, Düsseldorf und Dresden, außerdem in Metropolen in 30 Ländern weltweit. Erfunden haben’s - nein, nicht die Schweizer, sondern die US-Amerikaner. Genauer gesagt, Jim Poss, ein Unternehmer aus Needham, Massachusetts.

Finanzierung per Leasingvertrag

Und was kostet der „Spaß“? Gar nicht so viel, wie manch kritischer Bürger befürchten mag: Die cleveren Eimer sind nämlich zunächst auf Leasing-Basis finanziert worden, aus dem Budget der städtischen Abfallwirtschaft. Laut Hersteller kostet das etwa 80 Euro pro Tonne im Monat. Derzeit läuft die „Erprobungsphase“, das heißt, es wird beobachtet, wie die „Bellys“ genutzt und angenommen werden. „In Neheim beispielsweise wird der Big Belly Solar sehr rege genutzt, wie man jetzt schon sieht“, so Stadtsprecherin Stephanie Schnura auf Anfrage unserer Zeitung. „Und die Entsorger brauchen statt wie bisher nahezu täglich nur einmal alle sieben Tage anrücken“, erklärt Rainer Schörnich am Beispiel des „Bellys“, der am Neheimer Busbahnhof steht. Dies zeige, dass die Eimer sehr viel Sinn machen, da viel Arbeitseinsatz gespart und zugleich die Umwelt geschont wird, so der Leiter der Technischen Dienste der Stadt Arnsberg weiter.

Die Chancen stehen also nicht schlecht, das „Big Belly“ - was auf Deutsch übrigens (frei übersetzt) „dicker Bauch” heißt - schon bald Zuwachs bekommen könnte. In US-Großstädten wie New York, Boston oder Philadelphia gibt es schon hunderte „dicker Bäuche“...

Die Finanzierung könnte auch über Sponsoring laufen, denn die Außenflächen des Big Belly sind so konzipiert, dass sich gut Plakate oder sonstige Werbung anbringen lassen.

„Big Bellys“ finden sich an folgenden Standorten: Neheim, Busbahnhof (1 System), Marktplatte/Fußgängerzone (7); Hüsten, Markt (1); Arnsberg, Gutenbergplatz (1), Neumarkt (2), Europaplatz (1); Oeventrop, Kirchstraße (1).

Die Big Belly Solar-Systeme werden in New England (USA) produziert, kosten in der Anschaffung rund 4000 US-Dollar das Stück. Die Aufstellung in Deutschland läuft über die Hamburger Firma „German Eco Tec“.

 
 

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