Hinweis auf Anschläge in Arnsberger Flüchtlingsheim entdeckt

Das ist die Asylbewerberunterkunft, in der der Algerier zuletzt lebte. In seinem Zimmer fand die Polizei ein verdächtiges Notizbuch.
Das ist die Asylbewerberunterkunft, in der der Algerier zuletzt lebte. In seinem Zimmer fand die Polizei ein verdächtiges Notizbuch.
Foto: dpa
  • Handschriftliche Notiz mit dem Termin der Pariser Anschläge war bei einer Durchsuchung gefunden worden
  • Der 39-jährige Tatverdächtige aus Algerien streitet jede Mitwisserschaft von den Terroranschlägen ab
  • Der Generalbundesanwalt hat das Verfahren inzwischen an sich gezogen

Düsseldorf/Arnsberg. Der Fall eines 39-jährigen Algeriers aus Arnsberg, der die Terroranschläge von Paris angekündigt haben soll, versetzt die Ermittlungsbehörden in erhöhte Unruhe. Der Generalbundesanwalt hat das Verfahren wegen des Verdachts der Mitwisserschaft an sich gezogen, nachdem in einer Flüchtlingsunterkunft in Arnsberg Notizen über die Attentate entdeckt worden waren. Derzeit ermittelt auch das Polizeipräsidium Dortmund im Auftrag weiter.

„Ali Baba 4, 13.11. Paris“. Diese handschriftliche Notiz mit dem Termin und Ort des Anschlags war bei einer Durchsuchung im Zimmer des Verdächtigen hinter einem Schrank in einer Kladde gefunden worden. Nach Informationen der Sicherheitsbehörden steht allerdings nicht fest, ob diese Notiz vor oder erst nach den Anschlägen geschrieben wurde. Der Tatverdächtige streitet jede Beteiligung oder Mitwisserschaft von den Terroranschlägen ab.

Verdächtiger hatte Anschläge schon vor den Attentaten angekündigt

Allerdings hatte der Mann gegenüber zwei syrischen Flüchtlingen bereits vier Tage vor den Attentaten die Explosion einer Bombe in Paris vorhergesagt. Nach den Anschlägen meldeten sich die beiden Syrer beim Leiter der Flüchtlingsunterkunft, der umgehend die Polizei informierte. Der Verdächtige sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die beiden Syrer wurden aus Sicherheitsgründen in andere Flüchtlingsheime verlegt.

Nach Angaben aus Behördenkreisen fiel der Algerier durch sehr aggressives Verhalten auf und erklärte, Frankreich zu hassen. Bisher konnten die Ermittler allerdings keine Verbindungen zu terroristischen oder salafistischen Kreisen feststellen. Offenbar war der Mann im „Gemeinsamen Zentrum“ - eine Einrichtung von Polizei und Zollbeamten aus Deutschland und Frankreich – vorher unangenehm aufgefallen. Gegen den Algerier besteht ein Einreiseverbot nach Frankreich: Allerdings nicht wegen Terrorverdachts, sondern aufgrund des Ausländerrechts, sprich: illegalen Aufenthalts.

Verdächtiger laut einigen Informanten nur "ein Spinner"

Noch ist unklar, ob der Verdächtige den im Arnsberger Wohnheim gefundenen Zettel überhaupt geschrieben hat. Einzelne Informanten halten den Algerier auch offensichtlich für einen „Spinner“, wie es in Polizeikreisen hieß. Angesichts der Terrorgefahren prüft der Generalbundesanwalt aber wegen des Verdachts der Nichtanzeige geplanter Straftaten. Bei einem Zusammenhang mit Terrorismus muss der Generalbundesanwalt in jedem Fall das Verfahren übernehmen. Das NRW-Innenministerium ist damit nicht mehr zuständig.

Bei den Anschlägen in Paris waren mindestens 132 Menschen von islamistischen Terroristen getötet worden. Gleichzeitig mit dem „Fall Arnsberg“ ermittelt der Generalbundesanwalt auch ein Vorkommnis in Cuxhaven. Dort hatten sich am Abend der Attentate Zeugen bei der Polizei gemeldet mit dem Hinweis, dass ein junger Mann von den Anschlägen berichtet und seine Sympathie für den sogenannten „Islamischen Staat“ bekundet habe. Die Zeugen konnten allerdings nicht eindeutig sagen, wann genau der Mann geredet hatte – durchaus möglich, dass er von den Bombenattentaten vorher aus den Medien erfahren hatte. Trotzdem nehmen die Sicherheitsbehörden auch diesen Fall ernst.