Fauré-Requiem erzeugt Hoffnung statt Angst vor Strafe

Foto: Hümmeke
Eine hervorragende Aufführung des Fauré-Requiems durch den Hüstener Kirchenchor St. Petri erlebten Besucher des Konzerts in der örtlichen Pfarrkirche.

Hüsten..  Wenn die Herbstblätter fallen und die Früchte der Natur eingeholt werden, ist auch für viele Chöre die Zeit der Ernte. So gibt es zurzeit ein reichhaltiges musikalisches Angebot in unserer Stadt. Neben Männerchor-, Bläser-, und Orgelkonzerten sind zwei große Mozartkonzerte zu nennen, die c-Moll Messe in St. Michael Neheim und die Krönungsmesse in Liebfrauen Arnsberg am kommenden Sonntag. Am 1. November fand das Allerheiligen-Konzert des Kirchenchores St. Petri Hüsten statt.

Wogende Streicherklänge

Die erste Konzerthälfte kommt einem instrumentalen Vorspiel zum Hauptwerk des Abends gleich, dem Requiem op. 48 von Gabriel Fauré (1845-1924). Petri-Kantor Peter Volbracht hat Instrumentalwerke von Komponisten ausgesucht, die Zeitgenossen des Franzosen waren und zugleich zur Gefühlswelt eines Requiem passen. Von Fauré wird eingangs die durch eine Fülle von Bearbeitungen populär gewordene Pavane op. 50 von Mitgliedern des Sinfonieorchesters Ruhr gespielt. Mit Peter Volbracht am Pult erfüllen weiterhin wogende Streicherklänge die gut besuchte Petrikirche: Vom finnischen Komponisten Jean Sibelius entfaltet das „Andante festivo“ nordisches Kolorit mit hymnischem Pathos, und Giacomo Puccinis herbstliche „Crisantemi“ verströmen italienischen Wohllaut. Wolfgang Bitter spielt von Louis Vierne „Les Cathédrales“ in farbiger Registrierung.

Von den Requiem-Kompositionen sind zweifellos das Mozart- und das Verdi-Requiem am bekanntesten. Insbesondere die Requien von Verdi und Berlioz schildern mit höchster Dramatik das Strafgericht am Jüngsten Tag mit Androhung von Höllenqualen. Bei Fauré und später bei Duruflé ist alles anders. Fauré verzichtet auf eine theatralische Dies-Irae-Vertonung. Sein Requiem soll voller Hoffnung sein, „so sanftmütig wie ich selbst…alles, was ich an religiöser Vorstellungskraft besitze, habe ich meinem Requiem mitgegeben, das vom Glauben an die Ewigkeit beherrscht ist.“ Bei seiner Begrüßung verknüpft Pfarrer Daniel Meiworm die Gedanken an den Gräbern zu Allerheiligen auch mit den Intentionen des Requiems von Gabriel Fauré.

Tröstliches und Verklärtes

Die Aufführung wird zu einem bewegenden Ereignis. Unter dem einfühlsamen Dirigat Peter Volbrachts erhält das Werk mit seinem vorwiegend dunklen, weich strömenden Charakter etwas Tröstliches und Verklärtes. Gleich zu Beginn lassen die klangschön gesungenen Partien der Männerstimmen aufhorchen. „Woher nimmt der Chorleiter die sonst so seltenen Tenorstimmen?“, fragte man sich. Dadurch ergibt sich ein ausgewogener Gesamtklang, der durch die vorzüglichen Hörner noch an Rundung gewinnt. Auch der Jugendchor trägt dazu bei. Bei den Solopartien gibt es mit dem Bass-Bariton Thilo Dahlmann, der bereits bei der Matthäuspassion zu Gast war, ein Wiedersehen. Mit seiner großen warmen Stimme gestaltet er höchst eindrucksvoll das Hostias und Libera me. Ein Heimspiel gibt Bernadette Volbracht. Ihr lyrischer Sopran strahlt in silbriger Reinheit gleichsam himmlische Ruhe und Zuversicht aus.

Im „In Paradiso“ führt ein immerwährendes Fließen und Wiegen zu Harfenklängen geradewegs ins Paradies. Nach ergriffener Stille Applaus und Blumen. Das Publikum nimmt wieder Platz, erwartet eine Zugabe. „Bei einem Requiem nicht“, so der langjährige Vorsitzende des Kirchenchores Alois Wiegard später. Dennoch: Über eine Wiederholung des Paradieschores hätte man sich gefreut.

Blick in die Geschichte

Fauré schrieb das Requiem zwischen dem Tod seines Vaters (1885) und dem Tod der Mutter (1887). Anlässlich der Pariser Weltausstellung 1900 fand eine Aufführung vor 5000 Zuhörern statt. Ebenfalls wurde es zu seiner Beerdigung (1924) gesungen. Thilo Dahlmann zählt in seinem Fach zu den Top-Sängern Deutschlands. Auf die Frage „Kann man ihn bezahlen?“ Volbracht: „Es bestehen freundschaftliche Verbindungen.“

 
 

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