Einsatz für Freifunknetz in Arnsberg

Freies Internet in Arnsberg ist ein Anliegen von Daniel Wagner (im Display).
Freies Internet in Arnsberg ist ein Anliegen von Daniel Wagner (im Display).
Foto: WP Ted Jones
Daniel Wagner (21) engagiert sich für den Ausbau des freien Internets in seiner Heimatstadt Arnsberg. Sein Motto: Freie Bürger übernehmen Initiative.

Arnsberg.. Sein Hobby wurde zum Beruf und zu einem wichtigen Feld seines bürgerschaftlichen Engagement. Zusammen mit anderen Bürgern der Stadt setzte sich Daniel Wagner maßgeblich für die Entwicklung eines Freifunknetzes in seiner Heimatstadt Arnsberg ein. Der 21-jährige ist gelernter Fachinformatiker der Systemintegration und aktuell als Linux System Engineer tätig. Als Jung-Politiker der Piraten sitzt er zudem im Arnsberger Rat und im Kreistag.

Warum engagieren Sie sich für Freifunk-Netze?

Daniel Wagner: Freifunknetze sind in erster Linie Bürgerdatennetze, bei denen kein klassischer Provider wie beispielsweise die Telekom mit im Boot sitzt, sondern die Bürger die an dem Netz teilnehmen. Damit macht sich Freifunk unabhängig und gehört allen Teilnehmern. Das ist der Grund, weshalb ich mich für Freifunk-Netze engagiere: Sie sind unabhängig, können nicht zensiert werden und bieten Menschen Zugang zum Internet, die sich diesen nicht leisten können.

Wie lange sind Sie schon in diesem Bereich über welche Vereine engagiert?

Daniel Wagner: Hauptsächlich engagiere ich mich für die Freifunk-Netze in Arnsberg über den Freifunk Rheinland e.V.. Mein Engagement in diesem Bereich, zumindest in der Stadt Arnsberg, ist noch sehr jung. Vor gut eineinhalb Jahren haben wir die Sache angegangen und seitdem bin ich voll dabei.

Wie weit sehen Sie die Region im Vergleich auf dem Weg zu freien Netzen?

Daniel Wagner: Arnsberg hat im Vergleich zu anderen Freifunkregionen schon jetzt das größte zusammenhängende Netz in Deutschland. In nur kurzer Zeit haben wir in Arnsberg rund 100 Zugangspunkte geschaffen. Dadurch, dass die Stadt Arnsberg uns so intensiv bei unserem Engagement unterstützt, sind wir hier in Arnsberg weiter fortgeschritten als andere Städte- und Gemeinden. In vielen anderen Ländern in Europa ist es üblich, dass es an jeder Ecke freien Internetzugang gibt, nur in Deutschland ist dies aufgrund rechtlicher Regularien schwierig. Daher sind wir hier vor Ort quasi eine Vorreiterregion.

Und beim Thema Digitalisierung?

Daniel Wagner: Was die Digitalisierung der Stadt angeht, muss ich zugeben, dass wir sowohl mit dem Freifunk als auch mit der Open-Data-Initiative der Stadt erste richtige Schritte gemacht haben. Aber im Vergleich zum internationalen Wettbewerb hinken wir als Land als auch Stadt hinterher. Als positives Beispiel muss ich hier den Vorreiter in Europa Estland hervorheben. Hier kann über das Internet bequem eine Firma in unter fünf Minuten angemeldet werden, Gesundheitsakten können über das Internet eingesehen werden oder die Steuererklärung bequem über das Smartphone abgegeben werden. Ich denke da haben wir in Deutschland noch einiges zu tun.

Seit wann fasziniert Sie digitale Technik? Waren Sie schon als Kind ein Bastler?

Daniel Wagner: Ja, ich beschäftige mich schon seit meiner frühen Jugend mit Technik und Computern im Allgemeinen. Viele Programmierfähigkeiten habe ich mir selbst angeeignet. Nach der Schule habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

Computer-Freaks müssen sich oft den Vorwurf gefallen lassen, sie hätten den Menschen und das Menschliche nicht im Blick und würden zu virtuell denken! Kriegen sie das gut verknüpft?

Daniel Wagner: Als Techniker muss ich zugeben, dass man wirklich nicht komplett menschlich, sondern technisch denkt. Da hat man dann ein Brett vor dem Kopf, Betriebsblindheit. Ich denke aber, dass eine gewisse Weitsicht hilft, den Kopf frei zu bekommen, um einfach zu denken. So klappt es mit dem Verknüpfen.

Ist der Aufbau von digitaler Infrastruktur eigentlich ein Feld bürgerschaftlichen Engagements oder nicht vielmehr etwas, was Staat vorhalten sollte?

Daniel Wagner: Ja, definitiv. Eigentlich ist es Aufgabe des Staates, die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und zu realisieren. Alledings ist Deutschland bekannt dafür die Chancen der digitalen Gesellschaft zu verschlafen. Wir sehen den Sinn der Digitalisierung in vielen Bereichen: Tourismus, Wirtschaft, Freizeit. Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie wir diese einmalige Chance vergeben und bauen deshalb unser Netz selbst in Bürgerhand.

Und noch was: Welches Feld des Engagements würde sie perspektivisch noch einmal reizen?

Daniel Wagner: Es gibt viele Dinge die mich persönlich nochmal reizen würden, sowohl im digitalem Umfeld, als auch im sozialen. Allerdings lässt meine Zeit kaum noch Luft für weitere Projekte. Ich möchte die Dinge ja auch nicht halbherzig angehen, sondern wenn ich etwas mache, dann mit vollem Einsatz.

 
 

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