Ein Virtuose und Energiebündel

Das Jörg-Hegemann-Trio versetzt sein Publikum in der Arnsberger Kulturschmiede in wahre Begeisterung.
Das Jörg-Hegemann-Trio versetzt sein Publikum in der Arnsberger Kulturschmiede in wahre Begeisterung.
Foto: WP
Jörg Hegemann spielt mit seinem Trio ein furioses Konzert in der Arnsberger Kulturschmiede

Arnsberg..  Ein Meister eines speziellen musikalischen Genres trat zum wiederholten Mal in der Kulturschmiede auf. Als Gast des Arnsberger Jazzclubs brachte der international bekannte Interpret des klassischen Boogie Woogie, Jörg Hegemann, auch diesmal den Saal zum Kochen. Jan Freund am Schlagzeug und Ivo Kassel am Kontrabass unterstützten ihn dabei.

Unverzüglich versetzte das Trio mit der kräftig-bluesigen, modulationsreichen Musik und den ausgeprägten rollenden Bässen die Leute in Stimmung. Am Piano zeigte sich Hegemann als virtuoses, mit dem rechten Fuß den Takt schlagendes Energiebündel, das mit flinken Fingern dem Instrument die ganze Palette an Melodischem und Rhythmischem dieser lebhaften Musik entlockte.

Mal äußerst konzentriert mit dem Anschein, ins Instrument hineinkriechen zu wollen, mal locker-lässig, sich ab und zu einen schelmischen Seitenblick ins Publikum gönnend, zeigte er, wie sehr er sich mit Leib und Seele seiner Musik hingab.

Konzentration, Hingabe und Freude

Beim dritten Stück, „Hot House Boogie“, explodierte das Konzert förmlich. Der Meister tobte auf seinem Schemel, das rechte Bein ratterte, den Takt des rasenden Stückes angebend, wie ein Maschinengewehr auf dem Bühnenboden und die Hände schlugen frenetisch auf das Klavier ein.

Da die Finger dabei blitzschnell immer die richtigen Tasten trafen, ging das Instrument nicht in die Knie, sondern antwortete mit einer rasanten, akkuraten Klangfülle auf höchstem Niveau, wie sie vielleicht nur dieser Art der Musik innewohnt. Das Publikum raste, trampelte, pfiff und johlte. In Hegemanns Gesicht stritten sich Anstrengung, Konzentration und Hingabe, aber auch offensichtliche Freude am eigenen Spiel.

Nachdem der Schweiß mit dem stets bereit liegenden Handtuch abgewischt war, fegte dieses Konzertgewitter mit ähnlich ekstatischen Stücken oder Passagen im Wechsel mit ruhigeren und auch besinnlichem Blues wie „Suwannee River“ oder „Lady Be Good“ durch die voll besetzte Kulturschmiede.

Zwischendurch begeisterte Igor Kassel mit harmonisch brummigen Solo-Tonsequenzen, die er seinem Kontrabass entlockte. Auch Jan Freund, der sonst gelassen und souverän an seinem Schlagzeug arbeitet, legte im letzten Stück ein Solo hin, dass es nur so krachte und dem begeisterten Publikum in Mark und Bein fuhr.

Immer wieder erzählte Jörg Hegemann Etliches über die Geschichte seiner Boogie-Woogie-Musik und über sein großes Vorbild Albert Ammons. So erfuhr man, dass die Wiege dieser Musik in Bordellen in New Orleans stand, wo Klavierspieler vor dem Vorhang das musikalisch begleiteten, was dahinter vor sich ging. „Besser kann man Musik mit dem Leben nicht verknüpfen.“

 
 

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