Ein Schwergewicht der Narretei

Der „Arnsberger Stecklespringer“ mit seinem Erschaffer Arno Mester.
Der „Arnsberger Stecklespringer“ mit seinem Erschaffer Arno Mester.
Foto: Ted Jones

Arnsberg..  Er hat sich längst einen Namen in der Szene gemacht - weit über Arnsberg hinaus: Betonkünstler Arno Mester. Seine markanten, nicht gerade kleinen und immer schwergewichtigen Werke erfreuen sich hoher Wertschätzung. Sogar im schwäbischen Mundelfingen: Dort wird heute mitten auf dem Marktplatz eine Mester-Skulptur aufgestellt und der Öffentlichkeit übergeben. Ein „Stecklespringer“ - Traditionsfigur der örtlichen Fasnacht.

Rund 150 Arbeitsstunden - „deutlich mehr als üblich“ - hat Arno Mester in die mannshohe Figur investiert. Und dabei sogar nach langen Jahren eine persönliche Premiere „gefeiert“: Erstmals verlässt eine farbige Skulptur seine am Dammberg bei Uentrop gelegene Werkstatt. Der hohe Arbeitsaufwand, erklärt der Fachmann, liege im speziellen Outfit des „Stecklespringers“, der seit 1953 in der Mundelfinger Fasnacht in starker Zahl sein Unwesen treibt. „Denn das Kostüm zieren 900 aufgenähte Holzsteckles, die beim Springen wie verrückt klappern und einen großen Lärm erzeugen.“

Und auch diese Holzsteckles - für Nicht-Schwaben: kleine Holzstäbchen - sollten natürlich die originalgetreue Skulptur schmücken. Also musste Mester mal etwas anderes als Beton in die Hände nehmen und aus imprägnierten Buchenholz 900 dieser kleines Stäbchen anfertigen. „Eine Wahnsinnsarbeit.“ Zwar springt die Betonfigur nicht durch die Straßen, aber alles muss der Tradition entsprechen. Gerade in der Fasnacht.

Aber auch die Figur des „Stecklespringers“ verlangte dem Arnsberger Künstler einiges ab. Stehen die von ihm gefertigten Figuren stets mit beiden Beinen im Leben, wollte der Auftraggeber - der traditionsverbundene Narrenverein „Kehrwieder“ - natürlich einen richtigen Fasnachtsspringer. Und so steht die Skulptur nun wunschgemäß auf den Zehenspitzen - fertig zum nächsten Sprung.

Aber weil eine solch mächtige Betonfigur mit rund 130 Kilo einiges auf die Waage bringt, musste Arno Mester eigens ein starkes Innengerüst aus Eisen anfertigen. „Denn sonst hätte die Fußspitze das Gewicht nicht tragen können.“ Bei großer Zierlichkeit schwächelt eben selbst Beton. So weit, so gut.

Aber nun zu Arno Mesters Farb-Premiere, die ihm nicht so ganz leicht gefallen ist, weil seine Figuren bislang immer nur in schlichtem Betongrau gehalten sind. „Das finde ich persönlich auch viel schöner. Zumal Farben schnell verwittern und stumpf werden.“ Aber darauf wollten sich die Verantwortlichen von „Kehrwieder“ absolut nicht einlassen, dafür ist die Fasnacht eine zu ernste Angelegenheit. „Sie bestanden darauf, dass die Skulptur mit dem rot-weißen Traditionskostüm gekleidet ist.“ Da musste dann Mesters Ehefrau Petra Kaiser ran. Und die bemalte die Figur derart gekonnt, dass man beim Betrachten zunächst den Eindruck hat, dass der schwere Betonkörper tatsächlich in echtes Narren-Tuch gekleidet ist.

Skulptur ziert Marktplatz

Am Montag nun verließ der stabile Stecklespringer das dem rheinisch-westfälischen Karneval frönende Arnsberg in Richtung des alemannisch-närrischen Mundelfingen. Dort wird er heute auf dem großen Natursteinbrunnen des mittelalterlichen Marktplatzes im Herzen der 10.000 Einwohner-Stadt aufgestellt - für die Ewigkeit. Und damit das Mundelfinger Rathaus angesichts der schmucken Figur nicht abfällt, hat der Gemeinderat den Neuanstrich der Blendläden durchgedrückt. Im Schwabenland muss ja alles seine Ordnung haben.

Info

Der „Stecklesspringer“ hat eine kuriose Geschichte:

Die Mundelfinger gelten als glückliches Völkchen und werden deshalb von ihren Nachbarn beneidet.

Die Nachbarstädte haben deshalb immer versucht, den Mundelfingern ein „Steckle“ zu stellen, damit sie auf die Nase fallen.

Doch die sind immer über den Steckle gesprungen.

Dies hat der Narrenverein dann in der Fasnachtsfigur „Stecklespringer“ verewigt.

Info zum Künstler: www.arno-mester-betonskulpturen.de

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