Dieter Große-Plankermann ist ein konsequenter Radler

Niklas Preuten
Zusammen unterwegs bis zum Rathaus: Dieter Große-Plankermann (links) und Volontär Niklas Preuten.
Zusammen unterwegs bis zum Rathaus: Dieter Große-Plankermann (links) und Volontär Niklas Preuten.
Foto: WP
Bei Wind und Wetter unterwegs: Dieter Große-Plankermann fährt seit zehn Jahren mit dem Rad von Arnsberg zur Arbeit ins Rathaus.

Arnsberg.  Dieter Große-Plankermann hat seine Bio-Puten schon auf die Weide gelassen. Futter haben die Tiere gleichwohl noch keines bekommen, weil „sie erst einmal wach werden müssen“, sagt er. Im Gegensatz zum Geflügel ist der 62-Jährige bereits putzmunter und hat ausgezeichnete Laune. Es ist 6 Uhr morgens, dunkel und leise auf Arnsbergs Straßen. Dieter Große-Plankermann schaltet das Licht an seinem Fahrrad ein. Auf geht’s zur Arbeit.

Rationale Entscheidung für das Rad

Wenn andere sich noch einmal im Bett umdrehen, tritt Große-Plankermann auf der Hellefelder Straße in die Pedale. Dreimal in der Woche fährt der städtische Beamte mit dem Rad zum Rathaus und wieder zurück. Es war eine rationale Entscheidung, das Auto stehen zu lassen und stattdessen trampelnd zur Arbeit zu kommen. Vor zehn Jahren attestierte ihm sein Arzt zu hohen Blutdruck. „Er hat mich vor die Wahl gestellt: Entweder Schwimmen oder Radfahren“, erzählt Große-Plankermann.

Seitdem ist der Mann auf zwei Rädern unterwegs. Ohne Ausnahme. „Ich bin kein Schönwetterfahrer“, sagt er, als wir durch das Alte Feld am Eichholz vorbeiradeln. Wenn Schnee liegt, zieht Große-Plankermann Spikes auf seine Reifen und fährt die Kurven eben in einem größeren Bogen. Und wenn bittere Kälte am Körper hinauf kriecht, zieht er kurzerhand ein paar Lagen mehr unter seine grelle Warnweste. Einmal, erzählt Große-Plankermann, sei bei minus 18 Grad Celsius das Öl in seiner Gangschaltung eingefroren. „Zum Glück hatte ich einen angenehmen Gang eingestellt, denn damit musste ich dann zum Rathaus kommen.“

Zwei Stürze, zwei Plattfüße

Heute ist schon am frühen Morgen angenehm warm. Es wird einer der letzten heißen Tage des Jahres werden. Noch liegt auf den Feldern am Ruhrtalradweg zwischen Niedereimer und Bruchhausen aber Nebel. Zwei Stürze hat Dieter Große-Plankermann in den zehn Jahren erlebt. Einmal hatte sich sein Schnürsenkel in der Pedale verfangen, und dann blieb er mit dem Reifen in einer Schiene hängen. Auch dass er wegen Plattfüßen zweimal Kilometer lang laufen musste, hat ihm nicht die Lust am Radfahren genommen.

Dieter Große-Plankermann ist nicht der einzige Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der mit dem Rad kommt. Etwa 50 Kollegen machen bei der internen Aktion mit. Er ist allerdings derjenige mit der weitesten Anreise. „Wir fahren gemeinsam 40 000 bis 50 000 Kilometer im Jahr“, sagt Große-Plankermann. 400 neue Bäume im Arnsberger Stadtgebiet werden dafür gepflanzt.

Nicht nur die Natur profiert, auch Große-Plankermanns Gesundheit: „Mir tut das Radfahren richtig gut. Das sehe ich auch an meinen Werten.“ Wir sind am Rathaus angekommen, die letzten Meter geht es rollend in den Fahrradkeller. „Ich fühle mich fit und kann sofort mit der Arbeit beginnen“, sagt der 62-Jährige. Es ist hell geworden. Und seine Bio-Puten auf der heimischen Weide dürften auch wach sein.

Kurz-Interview mit Stadtplaner Thomas Vielhaber 

Wie steht es um das Radwegenetz in Arnsberg? Der städtische Planungschef Thomas Vielhaber gibt Antworten darauf und blickt in die Zukunft des „fahrradfreundlichen Arnsbergs“.

Seit über drei Jahren darf sich Arnsberg offiziell „fahrradfreundlich“ nennen. Dabei gibt es im Stadtgebiet viele Steigungen und drei auseinander liegende Zentren. Wie passt das zusammen?

Thomas Vielhaber: Arnsberg hat sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren gut entwickelt, wenn man die schwierige Topographie und die Ausgangssituation betrachtet. Bevor wir ab 2007 den Ruhrtalradweg mit vielen kleinen und größeren Maßnahmen in unserer Stadt aufwerten konnten, war die Streckenführung teilweise, beispielsweise entlang viel befahrener Straßen, auch nicht interessant.

Radfahren war für viele als Alltagsverkehrsmittel nur die letzte Möglichkeit, wenn es keine anderen Optionen gab. Mit dem Ruhrtalradweg ist aber plötzlich Bewegung in die Stadt gekommen.

Der Ruhrtalradweg ist bei Radurlaubern sehr beliebt. Bleibt der Alltagsverkehr zur Arbeit oder zum Einkaufen dagegen auf der Strecke?

Uns war immer wichtig, dass nicht nur etwas für Touristen, sondern auch für die Arnsberger Bürger entsteht. Die Menschen in unserer Stadt haben die neuen Angebote dann auch für sich und im Alltag angenommen. Wir haben darüber hinaus festgestellt, dass neben dem teils hochfrequentierten Ruhrtalradweg eine Alltagslinie fehlt. Deswegen arbeiten wir am Rad-Express-Weg, der Voßwinkel auf der Südseite der Ruhr mit Hüsten verbinden soll und weiter bis Arnsberg führt.

Die Wege sind im Übrigen schon komplett da, aber noch nicht in der Ausbauqualität, die wir uns vorstellen: Asphaltierung, sichere Querungssituationen und, soweit möglich, Beleuchtung. Wir werden die Linie abschnittsweise ausbauen, wir müssen sie als ernsthafte Alternative zum Auto aber auch in die Köpfe der Menschen bekommen.

Wie sieht die radelnde Zukunft in Arnsberg aus?

Bis 2025 streben wir eine Verdopplung des Radverkehrs an, dessen Anteil derzeit bei nur fünf Prozent liegt. Und der Masterplan Mobilität sieht bis 2030 sogar eine Verdreifachung vor.

Wir fragen uns dazu: Was hält die Leute ab, ihr Fahrrad zu nutzen? Eine der Antworten sind fehlende Abstellanlagen. Wir benötigen mehr abschließbare Fahrradboxen als die jeweils 14 an den Bahnhöfen in Neheim und Hüsten sowie die sieben in Oeventrop.

Zudem denken wir an Mobilitätsstationen mit Umstiegsmöglichkeiten zwischen Bahn, Bus, Rad und Auto sowie Carsharingangebote. Schließlich hoffen wir in Bezug auf den Radverkehr auch auf ein Umdenken der Menschen, denn aus meiner Sicht gelten zwei Ausreden nicht: Für die Steigungen gibt es mittlerweile E-Bikes und das Wetter ist gar nicht so schlecht, wie immer gesagt wird.