Den Nachwuchs locken

Michael Paarmann (r.) ist mit einer Berufswahl sehr zufrieden. Zwar muss er weiterhin als Buchdrucker firmieren, dennoch macht ihm seine Arbeit großen Spaß.
Michael Paarmann (r.) ist mit einer Berufswahl sehr zufrieden. Zwar muss er weiterhin als Buchdrucker firmieren, dennoch macht ihm seine Arbeit großen Spaß.
Foto: WP Ted Jones

Arnsberg. Die deutsche Wirtschaft brummt. Aber in vielen Bereichen fehlt es an Facharbeitern und sogar Auszubildenden. Wie zum Beispiel im Arnsberger Traditionsdruckhaus Becker. Hier werden schon seit langer Zeit Auszubildende für den Beruf des Buchbinders gesucht, der ab 1. August unter dem neuen Namen „Medientechnologe/in Druckverarbeitung“ firmieren wird.

„Kein Einzelfall“, sagt Unternehmenschefin Christine Becker, sondern ein Phänomen, das seit einigen Jahren in der gesamten bundesdeutschen Druckbranche zu beobachten sei. Für sie eigentlich unverständlich, biete doch dieser Beruf mit seinen vielen Facetten und den erforderlichen technischen Kenntnissen „beste Perspektiven für die persönliche Zukunft“.

Christine Becker führt dieses Desinteresse auf die für viele Jugendliche altmodische Berufsbezeichnung „Buchbinder“ zurück. „Die junge Generation beschäftigt sich mit PC und Internet und verliert dabei den Printbereich aus den Augen. Die Wirklichkeit sieht aber dagegen ganz anders aus, denn Printprodukte erfreuen sich nach wie vor eines hohen Stellenwerts. Und das wird auch so bleiben.“

Ab 1. August neue Berufsbezeichnung

Um sich hier dem neuen Sprachgebrauch auch in Sachen Berufsbezeichnung anzupassen, fällt am 1. August der Startschuss für die neuen Ausbildungsordnungen der Druckindustrie sowie der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie. Und damit entstehen auch völlig neue Berufsbezeichnungen - aus dem alt bekannten Buchbinder wird der „Medientechnologe Druckverarbeitung“. Ein Begriff, der direkt auf die technischen und feinmotorischen Anforderungen hinweisen und so die Zielgruppe, die Jugendlichen mit dem Wunsch nach einer fundierten Ausbildung, konkret ansprechen soll.

Und das man allein mit einer Namensänderung die Attraktivität eines Berufes deutlich steigern kann, weiß Christine Becker, habe man vor Jahren bei der Umbenennung von Schriftsetzer in Mediengestalter erfahren: „Auch hier war die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen schleppend. Was sich dann mit dem neuen Namen schlagartig änderte.“

Kein Job wie jeder andere

Aber es ist natürlich nicht nur den neue Name. Denn schon längst sind in den Druckereien - wie in der einst „Königlichen Hofbuchdruckerei F.W. Becker“ - modernste Technologien eingezogen. So würden bei der Ausbildung zu(m)r „Medientechnologen/in“ Kenntnisse vermittelt, mit denen man auch in anderen technischen Berufen gut Fuß fassen könne, sollte man später den Wunsch nach einem Wechsel haben.

Was aber für Michael Paarmann außer Frage steht. Der letzte bei Becker an der Grafenstraße noch als Buchbinder ausgebildete Mitarbeiter ist von seinem Beruf restlos begeistert: „Hier ist kein Tag wie der andere. Man hat immer wieder andere Aufgaben, muss vieles selbstständig organisieren, die Arbeit mit Papier macht Spaß und man hat vor allem einen hellen, sauberen Arbeitsplatz.“

Technisches Verständnis gefragt

Aber was sind die Voraussetzungen für eine Ausbildung zum jetzt Medientechnologen? „Ein Hauptschulabschluss und technisches Verständnis“, sagt Christine Becker, „aber wir nehmen auch Interessenten mit anderen Abschlüssen. Selbst, wenn der Hauptschulabschluss fehlt, hat man bei uns Chancen, denn bei der Schulbildung kann man schließlich immer nachlegen. Und wer die Liebe zur Technik hat, der bekommt das auch hin.“

 
 

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