Buckelige Landschaftspfleger erobern Sundern

Zwergzebus werden seit Mai in Linnepe gezüchtet.
Zwergzebus werden seit Mai in Linnepe gezüchtet.
Foto: WP

Sundern-Linnepe.  Unterwegs auf der Kreisstraße 6 in Richtung Alten­hellefeld – der Blick schweift kurz nach links, wo auf einer Weide am Hang eine Herde Rinder steht. Der auffällige Buckel „im Genick“ der friedlich grasenden Tiere verrät – hier bin ich richtig: Auf dem Hof Grevensteiner Straße 22 sind seit Mai dieses Jahres reinrassige ceylonesische Zwergzebus daheim.

Warum es diese in Deutschland äußerst selten anzutreffenden, außergewöhnlichen „Rindviecher“ ausgerechnet nach Sundern verschlagen hat, erfahre ich wenig später im Gespräch mit Assimina Christopoulou und Michael Ehrkamp, den neuen Pächtern des ­Anwesens am Linneper Kreuz.

Das Klima habe den Ausschlag gegeben, berichtet die Züchterin. In Aitrach im Kreis Ravensburg waren die Kälteperioden oft zu lang – nicht gut für ihre Lieblinge, deren Aufzucht und Hege sie sich verschrieben hat. Und darum siedelte der „Gutshof Original“ – so der patentgeschützte Name des Betriebs – kurzerhand ins Sauerland um. In Sundern, gar nicht weit von ihrer oberbergischen Heimat entfernt – Assimina Christopoulou wuchs in Bergneustadt auf – sind die Bedingungen für die Zebu-Zucht optimal.

Doch wie kommt man darauf, solche Exoten zu züchten? Gerade einmal 500 dieser Rinder sind in der Bundesrepublik beheimatet.

Vor gut 15 Jahren, damals betrieb das Paar noch eine Pferdezucht, hörten Assimina und Michael erstmals von den aus Sri Lanka stammenden Zebus, die sich angeblich gut zur „Landschaftspflege“ eignen sollten, sprich, zertrampelte Weideflächen wieder in Schuss bringen.

Vom „Zwergzebu-Pionier“ Markus von Blücher, der Tiere aus einigen deutschen Zoos gekauft ­hatte, erfuhren sie mehr – und waren begeistert. Im ganzen Land kauften sie die besten ceylonesischen Zwergzebus auf, starteten 2001 ihre eigene Zucht – mit 23 Kühen und drei Zuchtbullen. Die Herde wuchs zwischenzeitlich auf über 100 Rinder.

Vor dem Umzug verkauften die Landwirtin und ihr Partner, übrigens gelernter Metzger, die Hälfte ihrer Tiere. Etwa 60 verbleibende – der Hauptstamm – sind mit nach Sundern gekommen. Hier soll die Herde wieder wachsen, was ihre Besitzer vor keinerlei Probleme stellt, denn die Rasse gilt als äußerst pflegeleicht. „Eine Person kann 150 Tiere gut allein versorgen“, klärt Assimina über einen der vielen Vorteile ihrer Schützlinge auf. Deren landschaftspflegerische Stärken – sie verdichten den Weideboden nicht, sondern lockern ihn auf, vertilgen außerdem Unkraut – sollen schon bald auf der Altenhellefelder Wacholderheide zum Tragen kommen. Und außerdem liefern die Tiere – bei reinrassiger Zucht (Kreuzung mit anderen Rassen gilt als Sakrileg) – ausgezeichnetes Fleisch.

Zwergzebu-Buckelbutterschinken

Dafür zuständig ist Michael Ehrkamp, der allerdings geduldig sein muss – bis zur Schlachtreife dauert es locker drei Jahre, unters Messer kommen außerdem nur männliche Tiere. Absolute Spezialität: Zwergzebu-Buckelbutterschinken; für ein Kilo blättern Spitzenköche weit über tausend Euro hin. Natürlich gibt es auch günstigere Stücke, aber auch dabei gilt – Qualität hat ihren Preis. Heimische Gastronomen sind schon hellhörig geworden...

Doch bis es am Linneper Kreuz das erste Zwergzebufleisch zu kaufen gibt, wird es wohl Frühjahr 2017. Große Mengen dürften es auch dann nicht werden, denn Assimina liebt ihre Tiere heiß und innig, ruft jedes beim Namen, gönnt ihnen ausgiebige Streicheleinheiten...

 
 

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