Bedeutendster DDR-Künstler Fritz Cremer wurde in Arnsberg geboren

Ein umstrittener Sohn der Stadt Arnsberg: DDR-Künstler Fritz Cremer wurde im Sauerland geboren.
Ein umstrittener Sohn der Stadt Arnsberg: DDR-Künstler Fritz Cremer wurde im Sauerland geboren.
Foto: unbekannt
Es sind nur wenige Spuren in Arnsberg, die an einen berühmten, aber auch zu Lebzeiten sehr umstrittenen Sohn der Stadt erinnern. Die Rede ist vom Bildhauer, Grafiker und Zeichner Fritz Cremer, einem der bedeutendsten Künstler in der Deutschen Demokratischen Republik (1949 bis 1989). Für die Führung der DDR galt er sogar als der wichtigste Vertreter seines Metiers.

Arnsberg.. Fritz Cremer wurde am 22. Oktober 1906 in Arnsberg als Sohn des Polsterers und Dekorateurs Albert Cremer, der 1907 starb, geboren. Fritz Cremer lebte fast eineinhalb Jahre im Haus Ruhrstraße 5 am heutigen Kreisverkehr mit der Europablume. Eine Tafel oder Hinweisschild sucht man hier allerdings vergeblich. Dafür ist aber auf Vorschlag der Arnsberger Sozialdemokraten eine Straße im Neubaugebiet Jägerkaserne nach Fritz Cremer benannt worden. Bevor es allerdings soweit war, wurde heftigst in den politischen Gremien darüber gestritten, erinnert sich der heute 78-jährige Ferdi Franke, früherer SPD-Ortsvereinsvorsitzender.

Obwohl Dr. Günter Cronau, ehemaliger CDU-Stadtdirektor in Arnsberg, später zum Freund der Familie Cremer in Ostberlin avancierte, waren es die Sozialdemokraten, die im Jahre 1985 den Kontakt zum berühmten Sohn der Stadt, der freiwillig und aus kommunistischer Überzeugung in die DDR übergesiedelt war, aufgenommen hatten. Günter Wulf, ehemaliger Lokalchef der Westfälischen Rundschau war es, der Ferdi Franke darauf hinwies, dass Cremer aus der Ruhrstadt stammt. Und dann begannen Frankes Recherchen, die ihn über einen Schwager in Halle auch mehrfach in die DDR führten. Doch direkten Kontakt zu Fritz Cremer gab’s nicht, aber über den Schwager erfuhr Ferdi Franke von einer von Cremer gestalteten Mappe von Grafiken mit dem Titel: „Für Mutter Coppi und die Anderen, Alle!“

134 Mark der Preis pro Mappe mit Grafiken von Cremer

Der Preis pro Mappe: 134 Mark Deutscher Notenbank. Franke orderte bei seinem Schwager Zeiten insgesamt drei Exemplare und warb erneut um eine Einreisegenehmigung. Arnsbergs Bürgermeister, zu jener Zeit war dies Alex Paust, war in die Vorhaben eingeweiht. Als die Mappen sicher nach Arnsberg transportiert werden konnten, ging eine an die damalige VHS, eine an Bürgermeister Paust, der sie später Stadtdirektor Dr. Cronau zur Verfügung stellte und die dritte verblieb im Besitz von Ferdi Franke.

Und mit dieser von Ferdi Franke aus der DDR nach Arnsberg transportierten Mappe mit dem Titel „Für Mutter Coppi und die Anderen, Alle!“ wurde dann auch im Oktober 1988 eine Ausstellung im Kulturzentrum am Berliner Platz in Hüsten eröffnet. Die erste offizielle Würdigung von Fritz Cremer in seiner Geburtsstadt.

Präsentation von der damaligen CDU hart bekämpft

Und wie sich Ferdi Franke heute erinnert, wurde diese Präsentation von der damaligen CDU in der Stadt arg bekämpft. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien. Allerdings litt auch die Ausstellung unter Publikumsmangel. Aus diesem Grund organisierte die VHS unter ihrem damaligen Leiter Dr. Herring im Juni 1989 eine weitere Ausstellung zum selben Thema in der Sparkasse Arnsberg an der Clemens-August-Straße, die auf reges Interesse der Bevölkerung stieß. Fritz Cremer hatte in Ost-Berlin von den Arnsberger Aktivitäten erfahren und in einem Brief seiner Freude darüber Ausdruck verliehen. Der Grundstein war gelegt, weitere Kontakte in die Hauptstadt der DDR anzuleiern.

Ausstellung im Sauerland-Museum nach Wiedervereinigung

So gelang es auch Arnsberg als erste Stadt nach der Wiedervereinigung, Fritz Cremer eine große Ausstellung zu widmen. Bronzen und Arbeiten auf Papier wurden am 22. Oktober 1991 zum 85. Geburtstag des berühmten Bildhauers im Sauerland-Museum ausgestellt. Fritz Cremer, der von der Stadt eingeladen war, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Eröffnung kommen. Seine Frau Christina und Tochter Katarina waren aber nach Arnsberg gereist. Aus diesem Kontakt entwickelte sich dann auch eine Freundschaft der Familien des damaligen Arnsberger Stadtdirektors Dr. Cronau und Cremer. Eine weitere Präsentation von bedeutenden Werken zeigte dann das Sauerlandmuseum noch einmal im Jahre 1996, drei Jahre nach dem Tod Fritz Cremers.

Nur einige Skulpturen im öffentlichen Raum

Wie eingangs erwähnt erinnert heute nicht mehr viel an den Künstler in Arnsberg. Wer sucht, findet aber einige Skulpturen. Dazu gehört die Büste „Sterbender Soldat, die im Foyer des Sauerlandmuseums zu sehen ist. Zum anderen existiert die Skulptur „Chile - schmales Blütenblatt“, eine Stiftung des Arnsberger Unternehmers Otto Puschner. Diese ist im Bürgersaal des Alten Rathauses zu finden. Die Skulptur „Stehender Akt“ ist im Flur des Arnsberger VHS-Gebäudes zu sehen und die Skulptur „Anklagende“, ein Erwerb der Firma BJB anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens steht im Brökelmanns Park. Ansonsten erinnert nicht mehr viel an Fritz Cremer.

 
 

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