Arnsberger Imker schlagen Alarm: Honigbienenbestand vor totalem Kollaps

Arnsberg..  Die Honigbienen müssten schon längst fliegen. Aber sie sitzen wegen des anhaltenden Winters ungewöhnlich lang – von Anfang November bis jetzt in den April hinein – in einer Traube im Stock fest und ernähren sich vom Futter in den Waben, das ihnen der Imker im August nach der Honigernte gegeben hat.

Die Arnsberger Imker sind besorgt. Aus zwei gravierenden Gründen: der lange Winter mit dem sich daraus ergebenden Futtermangel und - was noch viel schlimmer für die Bienenfreunde ist - das sich Abzeichnen von außergewöhnlichen hohen Verlusten an ganzen Bienenvölkern.

Nicht nur, dass die Varroamilbe, die man jedoch beherrschen kann, Sorge bereitet, vielmehr sind es die Pestizide, die in der Landwirtschaft, aber auch in Gärten eingesetzt werden. Diese Gifte wurden zum Schutz von landwirtschaftlichen Produkten wie zum Beispiel Raps und Mais vor Schädlingen entwickelt. Diese Pestizide sind wirksam. Aber nicht nur gegen die Schädlinge, sondern genau so gegen die Bienen, die diesen Raps und Mais anfliegen und dann durch das Gift umkommen.

Deshalb fordert die Umweltorganisation BUND ein Verbot der Pestizide. Und rennt damit beim Arnsberger Imkerverein offene Türen ein. Der BUND schreibt: „Bienen sind klein – ihre Bedeutung für Umwelt und Wirtschaft ist jedoch riesengroß. Denn wir sind davon abhängig, dass Honig- und Wildbienen und andere Insekten Obst und Gemüse bestäuben. Ohne sie würde es keine oder nur schlechte Ernten geben.“

Fakt aber sei, dass es den Bienen nicht gut gehe. Ein wesentlicher Grund sei das industrielle Saatgut, das heute oft mit Neonikotinoiden behandelt würde. Chemikalien, die Pflanzen vor Schädlingen schützen sollen. Doch dieses Gift schwäche auch das Immunsystem der Bienen und störe deren Orientierungsvermögen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz fordert deshalb, dass diese Gifte unverzüglich vom Markt genommen werden. Einer Forderung, der sich auch die Arnsberger Imker anschließen. Allerdings geht man beim BUND davon aus, dass das Anrennen gegen die Lobby von Landwirtschaft und Chemieindustrie wohl vergeblich sein werde.

Gartenbesitzer können helfen

Dennoch könnten echte Naturfreunde etwas tun: Sie sollten im eigenen Garten keine Pestizide einsetzen, vielmehr bienenfreundliche Blumen pflanzen oder säen. Bienen mögen z. B. Thymian, Salbei, Wicken, Fingerhut und Schneeglöckchen. Zudem sollte man einen Teil des Rasens als bunte und blütenreiche Wiese wachsen lassen und im eigenen Garten Strukturen schaffen, wie eine Trockenmauer oder/und einen Altholzstapel. Auch ein Insektenhotel als Nistplatz für Wildbienen sei hilfreich.

Mehr als die Hälfte der über 500 in Deutschland lebenden Arten von Wildbienen steht auf der roten Liste. Sie leiden wie die Honigbienen unter den Giften auf Feld, Flur und in Gärten, aber zusätzlich am Mangel an Lebensräumen in der so aufgeräumten Natur.

Drastisches Umdenken gefordert

Nun zeichnen sich bei vielen Imkern der Region große Verluste an Bienenvölkern ab. Fast jeder von ihnen hat bereits unverhältnismäßig viele Völker verloren. Die weitaus meisten durch Vergiftung mit Pestiziden: Der Imker schaut in die Bienenkästen und findet keine der eingewinterten ca. 30.000 Bienen pro Volk. Durch das von den Bienen aufgenommene vergiftete Wasser an den besprühten oder saatgutgebeizten Pflanzen verändert sich deren Hirn, so dass sie die Orientierung verlieren und nicht mehr zurück finden.

Fazit der Imker: Nur drastisches Umdenken im Umgang mit Pflanzengiften kann die Honigbiene vor dem totalen Kollaps retten. Und wie sagte schon Albert Einstein: „Stirbt die Biene, stirbt wenig später auch der Mensch.“

 
 

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