Arbeiten im Wasserspeicher wirbeln Coli-Bakterien auf

Das Trinkwasser in Neheim und Hüsten wird vorerst gechlort.
Das Trinkwasser in Neheim und Hüsten wird vorerst gechlort.
Foto: Lukas Schulze
Der Befund von coliformen Bakterien im Trinkwasser in Neheim und Hüsten löst umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen aus. Jetzt wird gechlort.

Neheim/Hüsten. Wie gefährlich sind coliforme Bakterien im Trinkwasser und wie konnte es zu einem Befund im Leitungsnetz für den Bereich Neheim mit allen Ortsteilen, Hüsten, Herdringen und Bruchhausen kommen? Unsere Zeitung fasst das Wichtigste zusammen.

Gibt es Grenzwerte bei coliformen Bakterien im Trinkwasser und wie hoch war der Befund in Arnsberg?

Bei E-Coli-Bakterien (z.B. aus Fäkalien) liegt der Grenzwert bei Null. Bei Indikatororganismen liegt er laut Paragraph 7 der Trinkwasserverordnung bei 100 pro Milliliter. Die Ergebnisse der letzten Proben (20. Juni.2016) sind bis auf eine Probe (2/100ml) alle bei 0/100 ml. Es handelt sich hierbei um sehr niedrige Werte. Diese niedrigen Werte weisen darauf hin, dass der Grund für die coliformen Bakterien das Ablösen von Ablagerungen aus dem Trinkwassersystem sind. Es liegt erwiesenermaßen keine Verunreinigung mit Fäkalien vor.

Wie kann es zu coliformen Bakterien im Trinkwasser kommen?

Coliforme Bakterien sind Indikatororganismen, anhand derer die Qualität des Trinkwassers festgestellt werden kann. Einwandfreies Trinkwasser ist rein, aber nicht steril, weil es aus natürlichen Gewässern gewonnen wird wie Grundwasser oder Oberflächenwasser (Flüsse, Seen und Talsperren). Die darin enthaltenen natürlichen Mikoorganismen sind harmlos und stellen für die Gesundheit keine Gefahr dar. Sie bilden in den Wasserleitungen einen natürlichen Bioschutzfilm. Wenn sich jedoch die Fließgeschwindigkeit in der Wasserleitung plötzlich erhört oder sich die Fließrichtung ändert, dann lösen sich Teile des schützenden Biofilms und die coliformen Bakterien können ins Trinkwasser übergehen.

Was war in Arnsberg möglicherweise die Ursache?

Durch Montage-und Reinigungsarbeiten im Trinkwasserspeicher wurden mit großer Sicherheit (90 Prozent) Sedimente in den Rohren aufgewirbelt, was dann coliforme Bakterien mobilisiert hat. Der Trinkwasserspeicher wurde als Ausgangsort identifiziert und außer Betrieb genommen. Er wird jetzt noch mal gereinigt und desinfiziert.

Wie funktioniert die Chlorzugabe nun rein technisch? Welche Maßnahmen sind konkret mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt worden?

Als erstes wurde die Desinfektionsanlage im Wasserwerk Möhneborgen in Betrieb genommen. Zeitgleich wurde der Trinkwasserspeicher außer Betrieb genommen. Dieser wird jetzt noch mal desinfiziert und gereinigt. Zudem wird zusätzlich noch das Rohrnetz gespült und weitere Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Im Wasserwerk Möhnebogen gibt es für solche Situationen eine Dosieranlage, die das Desinfektionsmittel in der vorgegebenen Menge in das Wasser gibt. Über das Rohrleitungsnetz wird das gechlorte Wasser verteilt.

Kann man das gechlorte Wasser bedenkenlos trinken?

Laut Stadtwerke Arnsberg kann es auch weiterhin bedenkenlos zur Zubereitung von Säuglingsnahrung genutzt werden. Das Trinkwasser wird leicht nach Chlor schmecken. Dadurch kann es sein, dass der Tee oder Kaffee nicht den gewohnten Geschmack hat. Das Wasser muss nicht abgekocht werden.

Wie lange dauert die Maßnahme?

Da die Stadtwerke einen sehr großen Teil des Trinkwassernetzes vorsorglich desinfizieren wollen, kann die Chlorung einige Wochen dauern.

Ist es schlimm, wenn man Wasser getrunken hat, bevor das Trinkwassernetz desinfiziert wurde?

Die Stadtwerke und die zuständigen Behörden verneinen das und verweisen auf einen sehr hohen Anspruch an die Qualität des Trinkwassers. Aus diesem Grund werde vorsorglich desinfiziert. Aus die Hausanlagen müssen nun nicht zusäzlich desinfiziert werden.

 
 

EURE FAVORITEN