„AR – das ist ein Stück Bürgerfreiheit“

Macht sich doch nicht schlecht, das AR-Kennzeichen. Selbst an einem Oldtimer aus englischer Produktion nicht.
Macht sich doch nicht schlecht, das AR-Kennzeichen. Selbst an einem Oldtimer aus englischer Produktion nicht.
Foto: Ted Jones/WP
  • Stadt steht Begehren positiv gegenüber
  • Alt-Kennzeichen wird als identitätsstiftend und markenfördernd gesehen
  • Kreistagsbeschluss aus 2013 lehnt solches Ansinnen ab

Arnsberg..  „AR“ - das war ein identitätsstiftendes Kfz-Nummernschild. Lange vorbei: Das bundesweit bekannte Kürzel musste mit der Kommunalen Neugliederung zunächst 1974 dem „MES“ und dann 1979 dem jetzt noch gültigen „HSK“ weichen. Doch nun wird in einer von vielen Arnsbergern und in ganz Deutschland verteilten Ehemaligen in einer Petition an die Stadtverwaltung gefordert, das Kennzeichen „AR“ wieder einzuführen. Als Wahlmöglichkeit. Allerdings: Entscheidungsträger ist nicht die Stadt, sondern allein der Hochsauerlandkreis. Und der Kreistag hatte eine solche Option bereits 2012 abgelehnt. So der Stand der Dinge.

Im Arnsberger Rathaus steht man dem Ansinnen positiv gegenüber und empfiehlt, so geht aus der Vorlage für Haupt- und Finanzausschuss und Stadtrat hervor, die Verwaltung zu beauftragen, beim Hochsauerlandkreis einen neuerlichen Antrag auf Wahlmöglichkeit des Alt-Kennzeichens „AR“ zu stellen. Aus folgenden Gründen:


1. Die Wahlmöglichkeit des „alten“ Kennzeichens sei ein kleines Stück Bürgerfreiheit. Hinzu komme: Städte ständen heute im starken Wettbewerb um Unternehmen, Arbeitnehmer, Fördermittel, Verwaltungseinrichtungen, Einwohner, Touristen und nicht zuletzt um Wahrnehmung. Knappe Finanzen und steigende Qualitätsansprüche forderten die Städte dazu auf, sich als „Marke“ aufzustellen und sich attraktiv als authentisches „Produkt“ zu vermarkten.

Zielgruppen könnten so durch die „Marke Stadt“ klar angesprochen werden. Schließlich sei ein Kfz-Kennzeichen ein Symbol, „eine Stadt zu verorten. Es stiftet Identität nach innen und repräsentiert die Stadt nach außen, insbesondere auch dann, wenn die Buchstabenfolge – so wie in Arnsberg – nah am Städtenamen liegt“, heißt es in der Vorlage. Und starke Städte würden letztlich einen starken Landkreis bedeuten. Hinzu komme, dass das „AR“ für das Miteinander der Stadtteile und Dörfer der Stadt stehe und die aktuell laufende gesamtstädtische Markenbildung (Stadtmarke Arnsberg) unterstütze.
2. Angesichts der deutlich überwiegenden Meinung der Bürgerinnen und Bürger - selbst mehr als 35 Jahren nach Auslaufen - genieße „AR“ zudem noch immer einen hohen Bekanntheitsgrad. Aber auch im Hinblick auf den bundesweiten Trend - inzwischen seien deutschlandweit bereits 300 von 370 möglichen (in NRW 26) Kennzeichen wiederbelebt worden - sollte man sich um die Wiedereinführung des früheren Kennzeichens bemühen.

Dafür sprächen nicht nur der in einer Umfrage der Hochschule Heilbronn im Jahr 2010 geäußerte Bürgerwille und Marketingaspekte, sondern auch die jetzt vorliegende Petition mit 340 Unterzeichnern, die das Interesse nochmals deutlich unterstreiche.

Sollte der Rat letztlich die Petition unterstützen, die Stadtverwaltung mit einem entsprechenden Vorstoß beim Kreis beauftragen und - das wäre unabdingbare Voraussetzung - der Kreistag seinen Beschluss aus 2012 zurücknehmen, dann könnte in der Kfz-Zulassungsstelle des Kreises neben dem HSK- auch das AR-Kennzeichen ausgegeben werden.

Der Verwaltungsaufwand sei, abgesehen von einer Softwareänderung, kostenneutral. Auch ein Zwang zur Ummeldung ergebe sich nicht. Und bei der Wahlmöglichkeit des „AR“-Kennzeichens würde dies sogar Mehreinnahmen für den Kreis bedeuten, da für die Ausgabe eines Wunschkennzeichens eine gesonderte Gebühr berechnet werde.

Kreistagbeschluss ist bindend

Noch allerdings hat der mit großer Mehrheit gefasste Kreistagsbeschluss Gültigkeit, der seinerzeit die Möglichkeit, ein Alt-Kennzeichen zu wählen, verbietet. „Und daran sind wir als Kreisbehörde auch weiterhin gebunden,“ stellt deren Sprecher Martin Reuther klar. Nur der Kreistag selbst könne hier eine Änderung herbeiführen.

Der Kreistag hatte eine solchen Vorstoß vor vier Jahren abgelehnt, weil er das Kürzel „HSK“ als für den gesamten Kreis identitätsstiftend ansieht. Die Wiederzulassung von Alt-Kennzeichen würde dagegen zu einer Zerstückelung führen und andere Orte ausgrenzen. Und dass der Kreis durch die Ausgabe solcher Kennzeichen Mehreinnahmen verzeichnen könne, so Reuther, sei eine Mär: „Schon jetzt werden über 80 Prozent Wunschkennzeichen ausgegeben. Damit würde sich auf der Einnahmenseite nichts ändern.“

Ob nun aus Arnsberg einen Antrag auf Wiederzulassung des Altkennzeichens kommt, darüber werden der Haupt- und Finanzausschuss sowie abschließend der Rat der Stadt befinden. Am 20. bzw. 27. September um jeweils 17.30 Uhr im Rathaus in Neheim.

Technisch unproblematisch

Nach der Wiedereinführung des Kennzeichens MO im Kreis Moers in 2013 sind allein im ersten halben Jahr über 10.000 Zulassungen erfolgt.

In fast allen Städten konnte die Wiedereinführung der Alt-Kennzeichen aufgrund der steigenden Digitalisierung technisch unproblematisch vorgenommen werden.

Die technische Anforderung, mehrere Kennzeichen parallel zu verwalten, ist laut Stadtverwaltung bereits in den meisten Programmen angelegt.

Die Aufwendungen für die Umstellung der EDV bewegten sich meist zwischen 0 und 10.000 Euro.

Initiator der „AR“-Petition ist der Arnsberger Mustafa Yilmaz.

 
 

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