Anstieg hat vielschichtige Gründe

Rettungsdienst. Die ansteigenden Einsatzzahlen im ärztlichen Rettungsdienst sind ein bundesweites Phänomen, dass seit vielen Jahren überall in Deutschland konstant nachweisbar ist – auch in Regionen, die (noch) keine Reform des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes erlebt haben. Vielschichtige Gründe für einen Anstieg sind zu benennen. Mit Nachdruck muss die Behauptung zurückgewiesen werden, der „kassenärztliche Bereitschaftsdienst“ funktioniere nicht. Wer dies publiziert, lenkt vom eigentlichen Thema nach dem St.-Florian-Prinzip ab.

Gewiss ist eine höhere Bereitschaft der immer älter werdenden Bevölkerung auszumachen, die Rettungsmittel des HSK (unter 112) anzufordern, und zwar auch bei nicht dringlichen Notfällen. Einerseits wird die Öffentlichkeit zum „sofortigen Aufsuchen“ des nächstliegenden Krankenhauses bzw. Alarmierung der Rettungskette bei lebensbedrohlichen Erkrankungen aufgefordert (...), andererseits bleibt jedoch Fakt, dass das Gros aller akuten Brustschmerzen eben nicht auf (drohenden) Herzinfarkt zurückzuführen ist, wie sich meist erst später herausstellt. Ähnliches gilt für Kopfschmerzen oder Gefühlsstörungen in den Extremitäten in Bezug auf zerebrale Durchblutungsstörungen/Schlaganfälle. Dennoch ist es nicht ehrenhaft, solche Fälle später als „unbegründet“ und als Angelegenheit des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes abzuqualifizieren und den Vertragsärzten bzw. deren KV in die Schuhe zu schieben.


Keinesfalls unterlässt die KVWL Ihre Informationspflicht hinsichtlich der Veröffentlichung der Bereitschaftsdienst-Nummer 116 117. In jeder Ausgabe auch Ihrer Tageszeitung - wie ebenso in den Anzeigeblättern - wird diese Nummer an stets gleicher Stelle veröffentlicht! (...). Der von der KVWL auf Kosten der niedergelassenen Ärzte bezahlte ärztliche Bereitschaftsdienst (Rufnummer 116117) wird vorgehalten, um eine Überbrückung von denjenigen Krankenbehandlungen zu ermöglichen, die unter der Woche und zu üblichen Sprechstundenzeiten ambulant von den Haus- oder Fachärzten versorgt würden. Hochakute und (potenziell) lebensbedrohliche Erkrankungen bzw. ernsthafte Unfälle gehören mit der Hilfe des Rettungsdienstes (Rufnummer 112) ans Krankenhaus

Es ruft Widerspruch hervor, wenn von leitenden Kräften des Rettungsdienstes die wesentliche Ursache ansteigender Einsätze unter der Nummer 112 in die Verantwortung der KV geschoben wird, nur weil angeblich die Nummer 116117 unbekannt sei. Offensichtlich fehlt in den Leitstellen des öffentlichen Rettungsdienstes die ernsthafte Bereitschaft, dieses (unterstellte) Informationsdefizit der Bevölkerung schon am Telefon aufzuklären und auf die in Marsberg, Brilon, Winterberg, Bad Fredeburg, Sundern, Warstein und Arnsberg-Hüsten eingerichteten Notfallpraxen der KVWL oder den zentralen Fahrdienst unter 116117 zu verweisen.

Sofern erfahrene Leitstellendisponenten feststellen, dass es sich um nicht (!) dringliche medizinische Erkrankungen handelt, darf ein Transport in ein Krankenhaus abgelehnt und auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst verwiesen werden. Nur so kann eine Fehlversorgung mit hohen wie unnötigen Folgekosten vermieden werden. (...) Insofern lässt es sich mit dem angeblichen Systemfehler bei der KVWL gut leben, da somit der Rettungsdienst außerhalb jeglicher Budgetrisiken komfortabel ausgestattet und mit Geld der Versicherten – nicht dem Geld der Krankenkassen - refinanziert wird.

 
 

EURE FAVORITEN