„Anfang auf niedrigstem Niveau“

Zwei Markierungen auf dem Asphalt, zwei Park-Schilder: Das ist die ganze Ausstattung des Wohnmobil-Stellplatzes am Solepark in Hüsten.
Zwei Markierungen auf dem Asphalt, zwei Park-Schilder: Das ist die ganze Ausstattung des Wohnmobil-Stellplatzes am Solepark in Hüsten.
Foto: WR
Der Wohnmobil-Markt boomt. Auch in Arnsberg hat man diesen Trend erkannt. Seit knapp vier Wochen gibt es in Hüsten und Arnsberg Übernachtungsplätze für Reisemobile.

Arnsberg/Hüsten.  Der Markt für Wohnmobile in Deutschland boomt. Was hat die Stadt Arnsberg diesen zumeist älteren, finanzkräftigen Touristen zu bieten? Zwei kärglich ausgestattete Parkplätze in Arnsberg und Hüsten ohne Strom, Wasser, Entsorgungsmöglichkeiten, auf denen Besucher mit Reisemobil kostenlos übernachten dürfen. Platz ist dort für jeweils vier Fahrzeuge. Seit knapp vier Wochen sind die Schilder aufgestellt, geworben wurde bisher nicht dafür, der Internetauftritt ist in Vorbereitung.

„Es ist ein kleiner Anfang“, gesteht Dirk Hoffmann von der Wirtschaftsförderung der Stadt. Lange schon wird in Arnsberg über Möglichkeiten für Wohnmobil-Plätze diskutiert. „Die erste Anfrage ist 1994 eingegangen“, so Hoffmann. Dabei weiß man im Hause sehr wohl: „Das ist eine wirtschaftlich interessante Zielgruppe.“ Meist jenseits der 50, nicht mittellos, unterwegs auch recht konsumfreudig - so werden die Wohnmobilisten von heute gesehen. „Davon können die Geschäfte und Restaurants profitieren“, glaubt auch Dirk Hoffmann.

Kein Strom, kein Wasser

In Arnsberg hat man nun Nägeln mit Köpfen gemacht: Ein Platz in der Straße An der Schlacht hinter dem Lidl-Markt wurde geschaffen. In Hüsten wurde ein Teilbereich des Parkplatzes Große Wiese umgewidmet: „Direkt neben dem Solepark und den Sportanlagen“, erklärt Hoffmann. Gerade für die Zielgruppe könne das interessant sein: „Man kann an der Saline die gute Luft genießen, ins NASS gehen.“

Beide Plätze wurden „auf niedrigstem Niveau“ angelegt, räumt Hoffmann ein: „Wir fangen erst mal klein an.“ Gedacht seien die Übernachtungsmöglichkeiten für Stippvisiten: „Abends hinstellen, über Nacht bleiben, morgens einkaufen und weiterfahren.“ Immerhin: Kostenlos ist die Übernachtung auf diesen beiden mit Schildern gekennzeichneten Plätzen.

Wofür sollte ein Wohnmobilist auch bezahlen? Der Untergrund ist in Hüsten asphaltiert, in Arnsberg mit Schotter befestigt, damit die schweren Fahrzeuge auch bei Regen nicht im Sumpf steckenbleiben. Aber: Es gibt keinen Strom, kein Wasser, keine Entsorgungsmöglichkeiten für Abwasser und den Inhalt der Chemie-Toilette. Von sanitären Anlagen ganz zu schweigen.

Schützen bauen Reisemobilhafen

Bei der Standortwahl habe man darauf geachtet, dass „Freizeit- und Versorgungsmöglichkeiten in der Nähe sind“, betont der Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung. In Arnsberg ist der Stellplatz wenige Schritte vom Supermarkt entfernt. Ein „Info-Point“ zeige die „Highlights von Arnsberg“, weise auf die Sehenswürdigkeiten und Restaurants hin. Wer auf dem Ruhrtal-Radweg fahren möchte, hat nur wenige Meter Anfahrt vom Wohnmobil-Stellplatz aus.

So karge Ausstattung von Wohnmobil-Plätzen sei „bundesweit keineswegs eine Seltenheit“, so Hoffmann. „Ein Reisemobilhafen wäre das Ideale“, weiß der Wirtschaftsförderer. Viel geboten werden müsste dafür gar nicht. Beispiel Köln: Direkt am Rhein lockt ein asphaltierter Platz . 8 Euro kostet ein Parkschein für 24 Stunden. Strom gibt es gegen Bares: 4 Euro pro Kilowattstunde müssen in den Münzautomaten eingeworfen werden.

Professioneller geht man das Thema Wohnmobil in Neheim an: Auf Initiative der Schützenbruderschaft St. Johannes Baptist entstehen auf dem Parkplatz am alten Schützen- und Keglerzentrum in der Jahn-Allee sechs Stellplätze. „Wir sind noch nicht ganz fertig“, sagt Matthias Mayer, der als Betreiber der Gaststätte 1220 Schwiedinghauser mit im Boot ist. Im Frühjahr 2013 soll dieser Platz eröffnet werden. Das Lokal vor Ort fungiert als Anlaufstelle: „Wir kassieren das Geld. Die Leute können hier duschen oder zur Toilette gehen“, so Mayer. 8 bis 10 Euro soll eine Übernachtung dort kosten.

„Deutlich steigende Nachfrage“

Karin Hahn vom Arnsberger Verkehrsverein weiß um „seit vielen Jahren deutlich steigende Nachfrage“ - und um das „durchaus ausgabefreudige Publikum“. Auch wegen des Ruhrtal-Radweges kommen Anfragen von Touristen, die mit dem Wohnmobil anreisen, sich einzelne Etappen vornehmen und weiterfahren. Sie glaubt: „Wenn ein entsprechendes Angebot vorhanden ist, wird das noch mehr werden.“ Der „kleine Anfang“ in Arnsberg und Hüsten, sagt sie, sei „immerhin schon mal etwas“.

 
 

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