An das Leben im Alter denken die Teenager meistens nicht

Schulprojekt "Wir schenken euch Zeit", Realschule Neheim
Schulprojekt "Wir schenken euch Zeit", Realschule Neheim
Foto: WP
Der SkF hatte die Idee, Schüler und Schülerinnen der Realschule Neheim schenken jetzt Senioren von ihrer Zeit.

Neheim.  Woran Teenager meist zuletzt denken, ist die eigene ferne Zukunft, das Leben im Alter. Da das Altwerden in der Familie auch im ländlichen Raum heute nicht mehr die Regel ist, ist der Kontakt zu alten Menschen für viele von ihnen nicht selbstverständlich. Bei Jessica Duflot (14), Tanja Kostiuchenko (15), Lush Cetaj (14), Leonie Gördes (14) und Marina Keßler (14) ist das anders. Die Neheimer Realschüler/innen verbringen im Rahmen des Projektes „Wir schenken euch Zeit“ jeden Mittwoch nach Schulschluss ihre Freizeit mit Senioren in der benachbarten Wohnanlage „Altes Wasserwerk“ im Binnerfeld.

Initiative kam vom SkF

Initiiert wurde das neue Projekt von den SkF-Mitarbeiterinnen Anette Lackmann und Michaela Garthe-Walloth, die in jedem Schulhalbjahr andere Aktivitäten mit den Neheimer Realschüler/innen durchführen. Seit Februar besuchen die fünf Achtklässler regelmäßig Senioren, um mit ihnen zu reden, spazieren zu gehen oder Gesellschaftsspiele zu spielen. „Es ist schade, dass heutzutage junge und alte Menschen nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen. Das Projekt soll den Austausch zwischen Jung und Alt fördern – zum beiderseitigen Nutzen“, erklärt Michaela Garthe-Walloth die Idee.

Beim Besuch unserer Zeitung an diesem Mittwoch spielen Lush, Leonie und Marina mit zwei Senioren Karten. Währenddessen diskutieren Jessica und Tanja angeregt mit einer Seniorin über neue Kommunikationsmittel und hören gespannt zu, als sie berichtet, wie die Menschen früher ohne die ständige Verbindung mit einem Handy im Leben klargekommen sind.

Tabuthemen werden diskutiert

Auch über die gesellschaftlichen Tabuthemen Krankheit und Tod unterhalten sie sich. „Ich finde es sehr gut, dass die Jugendlichen sich mit diesen Themen beschäftigen“, freut sich die Seniorin über die Anteilnahme der jungen Gesellschaft, „wir können so viel voneinander lernen und gegenseitige Vorurteile abbauen“.

Die Jugendlichen sind ebenfalls froh, die Lebensbedingungen der Senioren besser kennen lernen und verstehen zu können. So waren die Realschüler/innen anfangs sehr erstaunt zu erfahren, dass ein hohes Alter nicht immer unbedingt mit Langeweile, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit verbunden ist. „Ich habe gedacht, dass alte Menschen nur spießig sind und nicht auch mal lässig“, erzählt Lush Cetaji, „hier sind alle total nett und glücklich, wenn wir sie besuchen“.

Mehr als nur Langeweile im Alter

Seine Mitstreiterin Jessica Duflot hat durch das Projekt ähnliche Erfahrungen gemacht. „Früher habe ich mich nie getraut, alte Menschen auf der Straße zu grüßen, weil ich nicht wusste, wie sie reagieren würden. Heute sage ich immer Hallo und die meisten lächeln auch zurück“, erzählt die 14-Jährige.

Ob sie nach ihrem Schulabschluss im sozialen Bereich beruflich mit alten Menschen arbeiten wollen, wissen die Realschüler noch nicht. Eins steht aber für alle fünf fest. Sie wollen den Neheimer Senioren auch noch nach Ende des Schulprojektes weiterhin ein bisschen ihrer Zeit schenken, um die neu gewonnenen Kontakte aufrecht zu erhalten.

 
 

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