„40 Jahre gerödelt“ - Jetzt wird gewandert

Ehemaliger Bürgermeister der Stadt Arnsberg und Studienrat
Ehemaliger Bürgermeister der Stadt Arnsberg und Studienrat
Foto: WR

Arnsberg.. „Ich hab’ 40 Jahre gerödelt, irgendwann muss auch mal Schluss sein“. Wie Alex Paust, 15 Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Arnsberg, das sagt, wirkt es glaubwürdig. Nicht so, als sei er doch insgeheim darauf erpicht, immer wieder mal gebeten zu werden, doch noch das eine oder andere öffentliche Amt zu bekleiden. „Ich bin nicht der Typ, der mindestens dreimal die Woche zum Neheimer Markt fährt, um viele Leute zu treffen“, sagt er. Er habe genug Freunde, mit denen er sich austauscht, mit denen er etwas unternimmt. Und aus dem letzten Ehrenamt, dem Vorsitz des DRK Neheim-Hüsten, will sich der ehemalige Vollblutpolitiker im Nebenjob und Lehrer im Hauptberuf im März verabschieden. Dann kann er sich ganz auf die freie Zeit als Pensionär konzentrieren.

Und wer jetzt vermutet, dass dann die große Langeweile einsetzt, hat sich getäuscht. Pläne über Pläne, die aus dem Ex-Bürgermeister nur so sprudeln. So viele. dass man sie in kürzester Zeit gar nicht mitschreiben kann. Und deshalb hier nur einige Punkte: Mallorca mit Wanderstiefeln entdecken, Allgäu-Durchquerung, aber auch im Spätherbst Vietnam, Kambodscha und Thailand.

Eine kleine Korrektur ist angebracht: Nein, Alex Paust verabschiedet sich nicht von allen Ämtern. Das des „Kulturwarts“ beim SGV-Voßwinkel will er auch weiterhin pflegen. So geht’s mit den Wanderern des Ortsvereins zum Kloster Dalheim nach Marsberg und auf den Skulpturenweg Rothaarsteig (von Berleburg nach Schmallenberg).

Wandern, das spürt man im Gespräch, ist heute die ganz, ganz große Leidenschaft des 65-Jährigen. Und wenn er vom letztjährigen 60 Kilometer Non-Stopp-Marathon von Voßwinkel nach Schmallenberg über 15 Stunden spricht, gerät er ins Schwärmen: „Das war schon ein Hammer“.

Beim Themawechsel zur Politik wird Alex Paust etwas ruhiger. Die Frage, ob er mit Zorn ausgeschieden sei, damals im Jahre 2000, wenige Monate nach der Kommunalwahlniederlage (1999) gegen den jetzigen hauptamtlichen Bürgermeister Hans-Josef Vogel, verneint er vehement. Die Niederlage habe ihn enttäuscht. „Aber ausgeschieden bin ich wirklich ohne Frust. Ich wollte als Ratsmitglied die 25 Jahre voll bekommen und das habe ich dann auch geschafft“, sagt Paust, dessen politische Karriere bei den Jungsozialisten begann. „1978 führten wir den Kampf der jungen Aufmüpfigen. Dann ging alles seinen sozialistischen Gang,: vier Jahre Fraktionschef, 15 Jahre Bürgermeister. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass der gebürtige Voßwinkler nach 8-jähriger Volksschulzeit bei der Deutschen Post eine Lehre als Postjungbote absolviert hat mit dem Berufsziel Postschaffner zur Anstellung. Doch irgendwann kam die Erkenntnis: Jetzt reicht’s. Über Berufsaufbauschule, Westfalenkolleg und Studium der Germanistik und Sozialwissenschaften wurde er hauptberuflich Lehrer.

Heute erinnert sich Alex Paust noch gern an die schönen Seiten des Bürgermeisteramtes: An die drei Begegnungen mit Bundespräsidenten, an den Deutschen Wandertag 1990 in Arnsberg, als es zum ersten Treffen mit Wanderern aus Ostdeutschland kam. Tiefe Eindrücke haben die Begegnungen mit jüdischen Mitbürgern, die 1988 zum Stadtjubiläum aus aller Welt zurück in die Heimatstadt gekommen sind, hinterlassen. „Das war wirklich bewegend“, sagt er heute. Aber auch die Schicksale von russischen Zwangsarbeitern zu hören, die 1994 zum Gedenken „50 Jahre Bombardierung der Möhne-Staumauer zurück nach Deutschland kamen sind tief verwurzelt.

Alex Paust erinnert sich gern an die Sanierung Neheims, an den Bau des Altstadttunnels und an seine Bemühungen, die drei Arnsberger Krankenhäuser zusammenzuführen. „Das waren bei uns die ersten Schritte, heute wird’s realisiert“, sagt er.

Aber wo Licht ist, gibt’s auch Schatten. Und dazu gehörte der Rücktritt von Ernst Rösner als Fraktionschef und die Krise nach dem Überlauf von Paul Lehmenkühler aus der SPD-Fraktion zum politischen Gegner, was den Sozialdemokraten die Mehrheit kostete.

Als ehrenamtlicher Bürgermeister war Alex Paust es gewohnt, mit einem CDU-Mann als Stadtdirektor zusammenzuarbeiten. Mit Dr. Günter Cronau habe das immer ganz gut geklappt. Als Hans-Josef Vogel, aus Werl kommend, dieses Amt übernahm, wurd’s für Paust nicht leichter. „Die fünf Jahre waren schwierig. Mit Cronau ging’s kollegialer und offener zu“, sagt er heute. Vogel habe in dieser Zeit die Gemeindeordnung voll ausgereizt, was zu Spannungen geführt habe. Allerdings sagt Paust auch, dass das sicherlich sein gutes Recht gewesen sei. Auch die Frage, ob er nach dem Abschied als Bürgermeister nicht in ein Loch gefallen sei, verneint er. Er hatte ja stets die Schule als Hauptjob. Da gab’s nicht viel Zeit zum Grübeln. Schüler und Kollegium jedenfalls waren froh, dass er sich im Jahr 2000 wieder ganz den schulischen Belangen widmen konnte. Und übrigens: Während seiner 15-jährigen Amtszeit als Bürgermeister hatte er wöchentlich sechs Stunden Entlastung. Nicht viel.

Und zum Abschluss unseres Gesprächs musste Alex Paust noch eins loswerden: „Mich freut’s riesig“, sagt er, „dass ich mit den Schulden der Stadt nichts mehr zu tun habe. Wir haben’s damals sogar geschafft acht Millionen innerhalb eines Jahres abzubauen“.

 
 

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