Zu Besuch bei der eigenen Filiale

Paderborn..  Das Bier tropfte an diesem frühen Abend im Mai noch aus Lukas Kruses Haaren, seine Kluft war pladdernass und der Torwart des SC Paderborn beseelt von seinem sowie dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Wenige Augenblicke zuvor waren Kruse und Co. in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Sie, die mit bescheidensten finanziellen Mitteln ausgestatteten Ostwestfalen, würden sich bald auf der größten Bühne des nationalen Fußballs beweisen dürfen. Und natürlich wurde Kruse gefragt, auf welchen Gegner er sich besonders freute. Seine Antwort kam unverzüglich: „Borussia Dortmund.“

Nicht der FC Bayern, das Liga-Urgestein Hamburger SV oder der FC Schalke 04 schwirrte in diesem Moment durch den Kopf des Paderborners, sondern der schwarz-gelbe BVB. Und das lag weniger an der geringen Entfernung der beiden Städte, vielmehr erinnerte sich Kruse an die eigene Vergangenheit. Wie es Mario Vrancic, Uwe Hünemeier, Mahir Saglik, Martin Amedick und Marvin Bakalorz später ebenfalls taten. Sie alle kickten einst für die Borussia, die an diesem Samstag (15.30 Uhr) zu Gast ist in Paderborn.

Der Tag des Traumspiels ist da.

SCP-Manager Michael Born findet die Bezeichnung „BVB-Filiale“ zwar unzutreffend, doch auch abseits dieses Spieler-Sextetts sind beide Vereine vor allem auf der höheren Vereinsebene miteinander verbunden. Born kommt aus dem Örtchen Scherfede, das unweit von Erlinghausen liegt, der sauerländischen Heimat von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Der studierte in Paderborn, seine Kinder kamen dort zur Welt und Born kennt er schon seit annähernd 20 Jahren. „Wir haben früher noch bei den Alten Herren gegeneinander gespielt“, erinnert sich der Dortmunder Geschäftsführer. Rechtsaußen habe Born gespielt, „schnell, pfeilschnell, guter Kicker damals“, raunt Watzke anerkennend über seinen heutigen Kollegen.

Dass es nun zum Duell zwischen SCP und BVB kommt, war lange Zeit nicht absehbar. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich im Paderborner Stadion noch mal ein Bundesligaspiel von Borussia Dortmund sehen würde. Wie sich die Mannschaft schlägt, ist sensationell“, sagt Watzke: „Aber ich habe bei dem Gedanken, nach Paderborn zu fahren, keine anderen Gefühle als den, unbedingt einen Sieg holen zu wollen.“

 
 

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