Ziel: Halbfinale

Der letzte Pass der russischen Handballer - er landete übertrieben gesagt irgendwo knapp unter dem Dach der imposanten Halle in Doha. In dieser Szene hatte die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson auf den ersten Blick jede Menge Glück, dass ihr Gegner diese sehr gute Chance zum späten Ausgleich so leichtfertig vergab.

Doch dieses Glück schlug sich nicht zufällig auf die Seite der Deutschen. Sie hatten es zuvor erzwungen. Sie hatten es sich durch eine beeindruckende Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit wahrlich verdient.

Das ist eine Qualität, welche Sigurdsson der Mannschaft in seiner erst kurzen Amtszeit beigebracht hat und die sie von der Vorgänger-Truppe unter Martin Heuberger unterscheidet. Sowohl das gewonnene Auftaktspiel gegen Polen als auch das zweite WM-Duell mit Russland wären damals wohl verloren gegangen, weil das Selbstvertrauen fehlte, Rückschläge innerhalb einer Partie zu kompensieren, sich unbeeindruckt von ihnen zu zeigen.

Die neue deutsche Mannschaft besitzt dieses im Handball so wichtige Erfolgs-Gen - und außerdem lag der Bundestrainer mit fast jeder seiner Entscheidungen richtig. Am offensichtlichsten wirkte sich in beiden Spielen der Torwartwechsel von Silvio Heinevetter zu Carsten Lichtlein aus.

Was das nun für den weiteren Turnierverlauf bedeutet? Die im Vorfeld oft belächelte Mannschaft aus Deutschland, die lediglich durch eine umstrittene Wildcard in den Genuss der Turnierteilnahme kam, mausert sich zum ernsthaften Kandidaten auf einen der vier Halbfinal-Plätze.

Spieler wie Uwe Gensheimer, Patrick Wiencek, Patrick Groetzki oder Steffen Weinhold haben sich seit Rang fünf bei der WM vor zwei Jahren trotz der Misere des deutschen Handballs insgesamt weiter entwickelt. Aber ohnehin besticht diese Mannschaft nicht durch einige wenige herausgehobene Stars wie es sie früher gab.

Deutschland tritt von der ersten bis zur letzten Position als Mannschaft auf - und das ist bislang der Schlüssel zum Erfolg.

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