Zebras debütieren in der Oberliga

Der MSV Duisburg hat es mal wieder geschafft, seinen Anhängern übel vors Schienbein zu treten. Freilich war vor 22 Jahren alles noch viel schlimmer. Denn 1986 erlebten die Zebras eine Bruchlandung der extrem schmerzhaften Art.

Das Gründungsmitglied der Bundesliga war nicht mehr gut genug für die 2. Liga und rutschte in die Oberliga Nordrhein ab. Die zukünftigen Gegner kamen aus Bocholt, Baesweiler und Goch. Nach dem Abstieg wurde der MSV als Hauptnutzer des Wedaustadions sogar in Frage gestellt.

In erster Linie galt es aber, mit neuer Mannschaft den verlorenen Kredit beim Zuschauer zurückzuholen. Ein langsames und sicherlich mühevolles Unterfangen, wie Trainer Detlef Pirsig, einst eisenharter MSV-Verteidiger, prognostizierte.

Die Saison-Premiere sorgte für Volksfeststimmung bei der Gocher Viktoria. Die Hausherren, unterstützt vom äußerst gnädigen Wettergott, durften sich über einen warmen Geldregen freuen, denn das Hubert-Houben-Stadion war mit 3000 Zuschauern gut gefüllt. Der prominente Gast überraschte angenehm. Viele Besucher konnten es kaum begreifen, wie ein Team, das erst seit wenigen Wochen zusammen ist, derart schnell zusammenwachsen konnte. Denn alle Akteure stellten sich in guter Form vor, wussten taktisch, spielerisch und konditionell voll zu überzeugen und spielten ihre tapferen Widersacher nach allen Regeln der Kunst an die Wand. Mit einem auch der Höhe nach verdienten 4:1-Erfolg katapultierten sich die erfrischend wirbelnden Meidericher an die Tabellenspitze. Und die recht zahlreich mitgereisten Fans feierten ihren MSV bereits wie in alten Zeiten. Doch der 40-jährige Übungsleiter warnte zugleich vor übertriebenem Optimismus. „Wir müssen jetzt den Sieg von Goch unter Beweis stellen, und das dürfte nicht so einfach werden.“

Der ehemalige A-Jugendliche Thomas Strunz war der jüngste Spieler in der damaligen Zebra-Elf. Er agierte im defensiven Mittelfeld und erhielt den Vorzug gegenüber Mike Voßnacke, dessen Abwehrverhalten dem Trainer nicht so recht gefiel. Strunz erzielte das 2:0. Mann des Tages war jedoch Uwe Kober, dem drei Treffer gelangen. Im Tor stand seinerzeit Heribert Macherey, der die Oberliga aus seiner Zeit beim Stadtrivalen Hamborn 07 gut kannte. Kapitän war Vorstopper Uwe Fecht. Ein weiterer bekannter Name: Norbert Dronia, der allerdings beim Start noch nicht ganz fit war und sich nach Ausheilung einer Adduktorenzerrung in der Aufbauphase befand. Hinter den Kulissen wirkten u.a. SPD-Ratsherr Dieter Fischdick als Vize-Präsident und Masseur Heinz Hinkelmann.

Damals wartete der MSV noch mit einer Neuerung auf. Zur Entsäuerung der Muskulatur wurde auf dem herrlich gepflegten Gocher Rasen eine etwa zehnminütige Sonderschicht eingelegt. Man kann es als Auslaufen bezeichnen.

Der MSV hatte mit dem geglückten Start in Goch ein gutes Zeichen für die Zukunft gesetzt, auch wenn der Aufstieg letztlich noch nicht gelingen sollte. Übrigens: Zwei Tage später war der MSV wieder Hauptnutzer des Wedaustadions. Vize Fischdick hatte mit Sportdirektor Hermann Eichkorn einen Mietvertrag abgeschlossen

 
 

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