Paukenschlag bei der WM 2018: Argentinien Trainer Sampaoli entmachtet - Messi stellt Team auf

Getrennte Wege im Training: Lionel Messi und Trainer Jorge Sampaoli (r.).
Getrennte Wege im Training: Lionel Messi und Trainer Jorge Sampaoli (r.).
Foto: rtr
  • Offiziell gibt es bei Argentinien einen Burgfrieden
  • Aber Trainer Sampaoli ist nicht mehr der Chef
  • Messi und seine Freunde bestimmen

Sankt Petersburg. Die brasilianischen Fans haben ein neues Lieblingslied. In den Straßen von Sankt Petersburg, wo sie dieser Tage den argentinischen Anhängern begegnen, verabschieden sie zur Melodie des italienischen Partisanen-Klassikers „Bella ciao“ die langjährigen Stars des Erzrivalen: „O Di María, o Mascherano, o Messi ciao, Messi ciao, Messi, ciao, ciao ciao.“

Ob das Trio wirklich schon die WM verlässt, wird man am Dienstagabend (20 Uhr/ARD) gegen den dreimaligen Afrika-Meister Nigeria sehen. Argentinien braucht in jedem Fall einen Sieg. Sollte Island im Parallelspiel gegen die bereits für das Achtelfinale qualifizierten Kroaten gewinnen, müsste dieser argentinische Sieg mindestens ein Tor höher ausfallen als jener der Nordländer. Was jedoch immerhin schon mal festzustehen scheint: Messi, Mascherano und Di María dürfen es ein vielleicht letztes Mal zusammen versuchen.

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Jorge Sampaoli und der inoffizielle Deal

Das war die Quintessenz eines turbulenten Wochenendes am argentinischen Teamquartier in Bronnizy. Während die Bewohner des verschlafenen Moskauer Vorortes am Sonntag zu Messis 31. Geburtstag eine zwei Meter hohe und 70 Kilogramm schwere Weltfußballer-Schokoladentorte degustierten und Trainer Jorge Sampaoli ihm öffentlichkeitswirksam ein Bussi auf die Wange hauchte, einigte man sich im Hintergrund auf eine Art Burgfrieden.

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Die Führungsspieler akzeptieren weiter Sampaolis Leitung. Aber dafür verkompliziert der nicht mehr die Dinge mit seinen taktischen Ideen und lässt wieder die Veteranen ran.

Wie zur Verkündung dieses Deals, den es offiziell natürlich nicht gibt, erschienen vor der Presse der Verbandspräsident Claudio „Chiqui“ Tapia und Javier Mascherano. Der „Jefe“, Tapia, und der „Jefecito“, das Chefchen, wie der analysestarke, führungsbewusste und mitteilungsfreudige Mascherano seit jeher leicht spöttisch genannt wird.

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Den Anfang machte Tapia mit einem Monolog ohne Möglichkeit zur Gegenfrage. Die Reporter kannten das Prinzip schon vom Vorbereitungs-Trainingslager der Argentinier in Barcelona, als der füllige Ex-Gewerkschafter nach gleichfalls chaotischen Stunden die Absage eines Länderspiels in Jerusalem wegen Sicherheitsbedenken der Spieler als „meinen Beitrag zum Weltfrieden“ deklarierte.

Medienschelte des Präsidenten

Nun machte er sich über die Medien und ihre zu guten Informationen her. Wie diese beispielsweise jedes Mal schon Tage vorher die Aufstellung erführen und dann gleich veröffentlichten, das sei doch Hilfe für den Gegner, ein Dolchstoß gegen die eigene Mannschaft.

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Ungefähr zur selben Zeit publizierten die Redaktionen schon wieder die Grafiken mit der Startelf für das Nigeria-Spiel, bei dem die einzig offene Frage – und einzige Entscheidungshoheit Sampaolis – noch zu sein scheint, wer statt des unglückseligen Willy Caballero das Tor hüten darf. Als Favorit gilt Franco Armani von River Plate. Anstelle der Dreierabwehr des Kroatien-Spiels geht es zum traditionellen System mit Viererkette und Doppelsechs zurück. Éver Banega soll das Spiel machen, Messi, Di María und wohl Gonzalo Higuaín statt Sergio Agüero irgendetwas Richtung Tor. „Wir brauchen jetzt Sicherheiten und keine Unsicherheiten“, erklärt Mascherano.

„Der Trainer muss sich nicht mit uns abstimmen, aber er will eben wissen, was die Spieler auf dem Platz fühlen“, lautete einer seiner Euphemismen für diese forcierte Übereinkunft auf einer Krisensitzung am Freitagabend, nach der Sampaoli auf einen Verwalterjob delegiert zu sein scheint. „Los amigos de Messi“ beherrschen die Auswahl, klagen Kritiker seit Jahr und Tag, und wie viel Wahrheit darin auch stecken mag, der Mythos lässt sich bestens beschwören.

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Messi hat dazu immer geschwiegen, aber heute gegen Nigeria müsste er aus seinem russischen Sommerschlaf erwachen. Für sich, für seine Amigos und für die Fans, die sich in den Straßen von Sankt Petersburg seit Tagen dieses Lied anhören müssen.

 
 

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