Warum der Fifa-Präsident die WM 2026 an Amerika vergeben will

Gestenreich: Fifa-Präsident Gianni Infantino bei einem Termin in Moskau. Er favorisiert die amerikanische Bewerbung.
Gestenreich: Fifa-Präsident Gianni Infantino bei einem Termin in Moskau. Er favorisiert die amerikanische Bewerbung.
Foto: DPA PA

Moskau.. Die Sache klang ziemlich gut, als sich die Funktionäre des Fußball-Weltverbandes Fifa vor fünf Jahren zu einer kleinen Revolution durchrangen. Um die erschreckende Anfälligkeit für Korruption zu bekämpfen, wurde beschlossen, nicht mehr die 22 Angehörigen des Exekutivkomitees abstimmen zu lassen, wenn der Gastgeber für eine Weltmeisterschaft gewählt wird, sondern den Kongress mit seinen 211 Mitgliedern – nur die jeweiligen Bewerber haben keine Stimme. Man hoffte, dass die Turniere nicht mehr in dem Land mit der aufwändigsten Bestechungsstrategie stattfinden, sondern eher dort, wo so eine WM besonders friedlich, fröhlich, bunt und hochklassig werden würde.

Die Qualität der WM-Bewerbung spielt eine Nebenrolle

Heute entscheiden nun die stimmberechtigten Kongress-Mitglieder, ob die WM 2026 an Marokko vergeben wird. Oder an eine Trias aus den USA, Kanada und Mexiko, die unter dem Namen „Bid United“ firmiert. Und wieder spielt die Qualität der Bewerbungen allenfalls eine Nebenrolle. Es geht um Geld, um Politik, um gekränkten Stolz, um wirtschaftliche Interessen verschiedener Regierungen, um Religion – und Donald Trump.

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Spätestens seit er ärmere Länder vor allem aus Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika als „Dreckloch-Staat“ bezeichnet hat, würden viele Vertreter gerne ein Zeichen setzen. „Wenn man einen Kongress anschaut mit seinen 211 Verbänden, dann muss man sagen, dass Marokko sehr gute Chancen hat. Unabhängig von den technischen Möglichkeiten und den Voraussetzungen“, hat der Weltverbandsinsider Guido Tognoni neulich dem WDR-Format „Sport Inside“ erzählt.

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Obwohl Trump versprochen hat, sein Einreiseverbot für Staatsbürger verschiedener islamischer Länder während einer WM aufzuheben, gibt es keine großen Sympathien für die USA im Nahen und Mittleren Osten. In Europa regt sich ebenfalls Widerstand. Zwar erklärte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Mittwoch, zur Stimmung unter den Europäern könne er nichts sagen. Aber Frankreich und Belgien bekennen sich zu Marokko. Und zum wichtigen europäischen TV-Markt passen die Übertragungszeiten eines Turniers in Nordafrika deutlich besser.

Also hat Trump kurzerhand gedroht, dass Nationen, die gegen „United Bid“ votieren, politische und wirtschaftliche Konsequenzen zu fürchten hätten.

Regierungsvertreter aus Südafrika, Namibia, Liberia und Simbabwe, deren Fifa-Vertreter wie die meisten Afrikaner eigentlich zu Marokko neigen, haben bereits angewiesen das US-Projekt zu unterstützen. Wobei es einen Ausweg aus dem Erpressungsszenario gibt: Die Drohung Trumps und ihre Folgen wären ein guter Grund für eine geheime Wahl, um die politische Intervention zu unterbinden.

Eine WM in den USA wäre lukrativer

Solch eine Abstimmung würde die Chancen Marokkos deutlich erhöhen, was wiederum überhaupt nicht zu den Interessen von Fifa-Präsident Gianni Infantino passt, der schon versucht haben soll, die Bewerbung der Marokkaner überhaupt nicht zuzulassen.

Nach offiziellen (aber keinesfalls transparenten) Rechnungen würde ein Weltturnier in den USA dem Verband etwa 14 Milliarden Dollar einbringen, eine WM in Marokko nur rund die Hälfte. Und die Fifa leidet unter akuter Geldnot.

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Das Sponsoringgeschäft rund um die WM in Russland war ein Misserfolg, zuletzt scheiterte Infantino mit dem Versuch, neue Wettbewerbe zu erfinden, in die ein dubioses Investorenkonsortium unter saudi-arabischer Führung angeblich 25 Milliarden Dollar investieren würde. Der Fifa-Chef, der im kommenden Jahr in seinem Amt bestätigt werden möchte, braucht dringend volle Kassen, schließlich ist er vor drei Jahren vor allem aufgrund des Versprechens gewählt worden, allen 211 Verbänden ohne irgendeine Gegenleistung fünf Millionen Dollar pro Vierjahreszyklus zu spendieren. Unter Vorgänger Blatter waren es nur 1,6 Millionen.

Der Dschungel der Pros und Contras ist derart dicht, das kaum fundierte Vorhersagen möglich sind, klar ist nur eins: Die Frage, welcher Bewerber nun am besten geeignet ist, spielt mal wieder eine untergeordnete Rolle. In der technischen Beurteilung liegt „Bid United“ weit vorne, erhielt vier von fünf möglichen Punkten. Marokko wurde nur mit 2,7 bewertet.

 
 

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