Mesut Özil redet Klartext: Darum singe ich die Nationalhymne nicht mit

Mesut Özil will bei der WM 2018 mit dem DFB-Team den Titel verteidigen.
Mesut Özil will bei der WM 2018 mit dem DFB-Team den Titel verteidigen.
Foto: imago/ULMER Pressebildagentur

Mesut Özil steht bei der WM 2018 in Russland bei der deutschen Nationalmannschaft ganz besonders im Fokus.

Nach dem Eklat um das Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte es mächtig Kritik gehagelt. Viele Experten warfen Mesut Özil vor, er hätte es im Gegensatz zu Ilkay Gündogan verpasst, nach dem Erdogan-Besuch Stellung zu beziehen.

Mesut Özil redet über die Nationalhymne

Bei besonders nationalistischen Fans der deutschen Auswahl steht Mesut Özil seit längerer Zeit zudem wegen einer ganz anderen Sache in der Kritik. Manch ein Patriot macht Mesut Özil Vorwürfe, weil der Spielmacher die deutsche Nationalhymne vor den Partien nicht mitsingt.

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Diese leidigen Vorwürfe flammten im Rahmen der Diskussionen um das Foto mit Erdogan erneut auf. Nun erklärte Özil selbst, warum er beim Ertönen der Nationalhymne schweigt.

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Mesut Özil: Das habe ich schon als kleiner Junge so gemacht

„Während die Hymne gespielt wird, bete ich. Und ich bin sicher, dass diese Einkehr mir und damit auch meiner Mannschaft Kraft und Zuversicht gibt, um den Sieg nach Hause zu fahren“, sagte Özil dem Magazin „Mission Titelverteidigung“.

Diese Routine habe sich bei ihm schon in der Kindheit etabliert. „Schon als kleiner Junge habe ich vor Spielen auf dem Fußballplatz gebetet. Und so halte ich es bis heute bei.“

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Für die Kritik mancher Fans hat er wenig Verständnis: „Ich finde es schade, wenn ich oder ein Mitspieler dafür verurteilt werde – denn ich bin sicher, dass die Leute gar nicht wissen, warum nicht jeder lauthals mitsingt.“

Deutsche Nationalhymne: So wurde das „Lied der Deutschen“ zur Hymne

Das „Lied der Deutschen“ ist seit 1952 die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland. Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte sich damals dafür eingesetzt, es wieder als Nationalhymne zu etablieren.

Ihm soll übel aufgestoßen sein, dass er bei einem Auslandsbesuch in Chicago mit dem Kölner Karnevalslied „Heidewitzka, Herr Kapitän“ begrüßt wurde. Erstmals wurde das „Lied der Deutschen“ 1922 in der Weimarer Republik zur Nationalhyme. 1990 wurde es zur Hymne des wiedervereinigten Deutschlands.

Franz Beckenbauer führte die Hymnen-Pflicht ein

Die ersten Jahrzehnte der Nachkriegsgeschichte spielte die Nationalhymne für die Nationalspieler übrigens kaum eine Rolle. Auch bei den Weltmeistern von 1974 herrschte beim Abspielen der Nationalhymne Stille. Selbst Kapitän Franz Beckenbauer schwieg häufig während das Deutschlandlied lief.

Doch ausgerechnet Beckenbauer war es, der die Nationalhymne 1984 in die Schlagzeilen brachte. Damals ordnete der damalige Teamchef eine Hymnen-Singpflicht für die Nationalelf an. Bei der Premiere musste der DFB zuvor sogar Spickzettel für die Nationalspieler ausgeben - mit dem Text der Nationalhymne.

Später galt das Singen der Hymne als übliches Ritual - wenn auch nicht als Pflicht. Spieler wie Sami Khedira oder Mesut Özil verzichten seit jeher auf das Mitsingen der Hymne. Gerade Özil brachte das immer wieder Kritik ein.

Lothar Matthäus gießt Öl ins Feuer

Zuletzt war es Lothar Matthäus, der in der Diskussion um Mesut Özil mächtig Öl ins Feuer goss. „Özil fühlt sich im DFB-Trikot nicht wohl“, schrieb er in seiner Bild-Kolumne (hier die genauen Ausführungen von Matthäus).

Und auch Mario Basler wurde seinem Ruf als Freund der klaren Ansagen mal wieder gerecht. In der Talkshow „Hart aber fair“ rechnete Basler mit Özil ab (hier die harten Basler-Worte).

Hamann verteidigt Özil

Und als hätten sich nicht schon genug ehemalige Bayern-Profis zu dem Thema geäußert, musste auch Stefan Effenberg seinen Senf abgeben. Laut des „Tiger“ hätte der DFB sowohl Özil als auch Gündogan rauswerfen müssen (aus diesen Gründen).

Doch Özil bekam auch Unterstützung. So sagte Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann: „Wenn wir bei der WM eine Rolle spielen wollen, ist er einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Spieler in der Mannschaft.“ Er sprach von einer „Hetzjagd“ auf Özil.

Mesut Özil auch sportlich in der Kritik

Die Kritik an Özil beschränkt sich nicht nur auf sein Verhalten abseits des Platzes. Auch seine sportlichen Leistungen werden von den Fans äußerst kritisch beäugt.

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Viele Fans wünschen sich, dass im zweiten WM-Vorrundenspiel Marco Reus für Özil in der Startelf steht. Oliver Bierhoff hatte bereits angedeutet, dass es zu Veränderungen in der deutschen Startformation kommen kann. Der DFB-Teammanager meinte: „Wir müssen jetzt schauen, was personell passiert. Irgendeinen Impuls wird es schon geben.“

Mesut Özil, Ilkay Gündogan und der Erdogan-Eklat

Ilkay Gündogan und Mesut Özil hatten sich im Mai bei einem London-Besuch von Erdogan mit dem türkischen Staatspräsidenten ablichten lassen.

Cristiano Ronaldo trifft zum vierten Male

Den beiden deutschen Nationalspielern wurde vorgeworfen, sie hätten sich von Erdogan für dessen Wahlkampf missbrauchen lassen. Die Wut ging bei einigen Chaoten so weit, dass sie das Auto von Ilkay Gündogan angriffen (hier die Einzelheiten zu der Attacke).

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Gündogan bezog anschließend Stellung. Er stellte sich den Fragen der Journalisten und gab offen zu, dass er sich vor dem Termin mit Erdogan nicht bewusst war, welche Ausmaße das Ganze haben könnte.

Özil hielt sich hingegen bedeckt. Bei einem offiziellen Media Day der DFB-Elf vor der WM war er der einzige der 23 Nationalspieler, der dem Termin mit der Presse fernblieb.

Viele Fans wünschen sich Ende der Kritik

Einige Fans der deutschen Nationalmannschaft wünschen sich nun endlich ein Ende der ganzen Kritik an Özil. Sie wünschen sich, dass der Spielmacher sich endlich wieder auf den Fußball konzentriert, damit er Deutschland bei der Mission Titelverteidigung helfen kann.

Auch Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer hält es für wichtig, dass das Thema nach einem klärenden Gespräch abgehakt wird (hier die klare Ansage von Neuer).

Bierhoff: Özil schweigt bei WM

Und Oliver Bierhoff kündigte an, dass Özil auch bei der WM sein Schweigen nicht brechen werde. „Das ist seine Aussage. Ich gehe davon aus, dass er das durchzieht“, so der DFB-Teammanager.

Bierhoff weiter: „Ob es in diesem Fall richtig und gut für ihn ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Konsequenzen haben wir ihm aufgezeigt und kennt er aus Erfahrung.“

Özil auch bei Arsenal mit Problemen

Auch beim FC Arsenal hat Mesut Özil eine schwierige Saison hinter sich. Mit den „Gunners“ belegte er in der zurückliegenden Spielzeit nur den 6. Platz.

Arsenal war während der gesamten Saison meilenweit von den Champions-League-Plätzen entfernt - vom Titelkampf ohnehin. Und Somit müssen die Londoner sich zum zweiten Mal in Folge mit der Europa League begnügen.

Für die Fans hat auch ein schwächelnder Mesut Özil großen Anteil an der jüngsten Erfolgslosigkeit des FC Arsenal.

 
 

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