Hooligan-Angst bei WM 2018 in Russland: FIFA-Boss beruhigt Fans – doch hier schmieden Russen-Hools erste Krawall-Pläne

Solche Szenen wie bei der EM 2016 in Frankreich will bei der WM in Russland niemand sehen.
Solche Szenen wie bei der EM 2016 in Frankreich will bei der WM in Russland niemand sehen.
Foto: imago/Sportimage

Moskau/Buenos Aires. Die schrecklichen Bilder von den Ausschreitungen bei der EM 2016 in Frankreich haben Fußballfans auf der ganzen Welt schockiert. Weil dort speziell russische Hooligans für Angst und Schrecken sorgten, befürchten viele Fans bei der anstehenden WM in Russland ähnliche Horror-Szenen.

150 gut organisierte und teils professionell im Kampfsport ausgebildete russische Hooligans hatten bei der EM vor zwei Jahren in der Altstadt von Marseille vor, während und nach dem Spiel gegen England immer wieder englische Fans attackiert. Die traurige Bilanz: 30 verletzte Menschen, darunter vier Schwerverletzte. Ein englischer Fan schwebte noch mehrere Tage später in Lebensgefahr.

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Russische Hooligans als ambitionierte MMA-Fighter

Videos der schlimmen Szenen gingen damals um die Welt und führten der Öffentlichkeit vor Augen, wie professionell die russische Hooliganszene aufgestellt ist. Während britische Hooligans der 1980er und 90er Jahre meist untrainierte Kneipenschläger waren, handelt es sich bei den heutigen Hools aus Russland um ambitionierte MMA-Fighter. Statt Alkohol gibt es für die meisten russischen Hooligans einen strikten Ernährungs- und Trainingsplan.

Ein hochrangiger russischer Hooligan kündigte im Gespräch mit „Bild“ bereits großspurig an: „Wenn du mit einer Männergruppe in Russland unterwegs sein wirst, solltest du damit rechnen, dass dir der Arsch aufgerissen wird.

Russen-Hools im Geheimtreffen mit argentinischen Schlägern

FIFA-Präsident Gianni Infantino spielt das Thema im Vorfeld des größten Fußballturniers der Welt herunter. „Ich mache mir über Ausschreitungen und Gewalt bei der WM keine Sorgen“, sagte der Boss des Weltverbands: „Ich habe vollstes Vertrauen in die russischen Verantwortlichen. Dort wird das Problem sehr, sehr ernst genommen.“

Bilder aus Argentinien sprachen zuletzt eine andere Sprache. Im Internet kursieren Fotos, auf denen führende Hooligans aus Russland zu sehen sind, die sich in Argentinien mit den wichtigsten Vertreter der argentinischen Szene trafen. Wie die spanische Sportzeitung „as“ berichtet, flogen sieben Hools von Zenit Sankt Petersburg und drei weitere von Dynamo Moskau nach Buenos Aires. Dort sollen sie unter anderem mit Rafael Di Zeo, dem Führer der gefürchteten „La 12“, einen Schlachtplan für die WM besprochen haben. „La 12“ ist mit 2000 Mitgliedern die größte Fangruppierung der Boca Juniors.

Angst vor Ausschreitungen in Russland

Besonders brisant sollen demnach die Tage zwischen dem 21. und 24. Juni in Novgorod werden. Am 21. Juni spielt dort Argentinien gegen Kroatien, drei Tage später trifft England in der gleichen Stadt auf Panama. Gemeinsam mit den Argentiniern wollen die Russen dann wohl einen Angriff auf die Engländer planen.

Dass zur gleichen Zeit kroatische Fans vor Ort sind, macht die Sache nur komplizierter. Denn speziell die kroatischen Top-Clubs Dinamo Zagreb und Hajduk Split haben mit den „Bad Blue Boys“ und den „Torcida Split“ zwei große Ultra-Gruppen mit enormem Gewaltpotenzial.

Nazi-Probleme im russischen Fußball

Der russische Fußball hat in den vergangenen Jahren allerdings nicht nur ein Problem mit ansteigender Gewalt. Auch die Anzahl der Neonazis unter den „Fans“ nimmt stetig zu. Laut Pavel Klymenko hätte die Annexion der Krim 2014 einen wesentlichen Beitrag dahingehend geleistet. Klymenko arbeitet für das Netzwerk FARE, Football Against Racism in Europe.

„Nach den Sanktionen gegen Russland zogen sich viele internationale Förderer aus Russland zurück“, erklärt Klymenko dem „Deutschlandfunk“ und führt fort: „Zudem müssen sich politisch tätige Nichtregierungsorganisationen als 'ausländische Agenten' bezeichnen, so fern sie Geld aus dem Ausland erhalten. Viele Gruppen haben Russland verlassen oder ihre Arbeit ganz eingestellt. Der Staat sieht in der Zivilgesellschaft keine Bereicherung für das Gemeinwesen, sondern eine Gefahr. Die Strukturen sind zerstört, das Gesamtbild ist ziemlich trostlos.“

Robert Ustian kann wegen der schlimmen Entwicklungen nur mit dem Kopf schütteln. Seit Jahren setzt der Fan von ZSKA Moskau sich gegen Rechtsextremismus ein. „Wir sind die Enkel einer Generation, die 28 Millionen Menschen im Krieg gegen den Faschismus verloren hat. 28 Millionen. Und diese Leute zeigen im Stadion Symbole der Waffen-SS und machen den Hitlergruß. Unfassbar! Wir sind ihre Geiseln. Warum können wir nicht versuchen, das zu ändern?"

 
 

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