„Wir sind einen Schritt weiter“

Dirk Retzlaff

Duisburg. Der Pressesprecher des MSV Duisburg schiebt Milan Sasic im Trainingszentrum des Fußball-Zweitligisten drei eng beschriebene Blätter zu. Der 52-Jährige soll einen Text über sich für ein kroatisches Magazin freigeben. Wer die kroatische Sprache nicht beherrscht, sieht dennoch schon in der ersten Zeile, dass der Autor es wohl gut mit dem Zebra-Coach meint. Er nennt Sasic hier in einem Zug mit den Trainer-Legenden Tschik Cajkovski, Branco Zebec und Otto Baric. Namen von internationalem Rang, doch für Milan Sasic beginnt am Sonntag der Zweitliga-Alltag. Der MSV startet in Karlsruhe in die Saison.

Herr Sasic, die Sommerpause war so kurz wie nie. Ihr Heimaturlaub in Kroatien fiel aus.

Sasic: Aber ich will darüber nicht jammern. Mir geht es schließlich gut.

Aber Ihre Spieler könnten jammern. Die Winterpause war schon sehr kurz. Die alte Saison endete für den MSV am 21. Mai.

Da bedanke ich mich bei den Verantwortlichen, die sich diese Terminierung ausgedacht haben. Da hat sich niemand Gedanken über Dinge wie Biorhythmen und Erholungsphasen der Spieler gemacht. Ich kann das nicht nachvollziehen

Sie haben 14 Neuzugänge. Ist ein vernünftiger Aufbau einer Mannschaft in so kurzer Zeit überhaupt möglich?

Bei uns haben alle sehr gut gearbeitet. Die meisten Jungs haben das Weiß-Blaue schon verinnerlicht. Natürlich haben es Vereine wie Düsseldorf, Fürth oder Aue, die eine eingespielte Mannschaft und weniger Neuzugänge haben, ein wenig leichter.

Den Neuaufbau hatten Sie und der damalige Manager Bruno Hübner schon vor einem Jahr angekündigt. Trotzdem mussten jetzt 14 neue Spieler her. Was ist da schiefgelaufen?

Diese Entwicklung war absehbar. Wir hatten in der letzten Saison viele Leihspieler und zudem nur wenige langfristige Verträge. Jetzt sind wir einen Schritt weiter als vor einem Jahr.

Also ein Neuaufbau im zweiten Anlauf?

Ich habe die Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr wirklich an dem Punkt sind, dass wir nur drei oder vier Leute holen müssen. Diesmal sind nur drei Leihspieler dabei, zudem laufen die meisten Verträge jetzt über zwei bis drei Jahre. Wenn wir mal den verletzten Ivo Grlic herausrechnen, haben wir eine sehr junge Mannschaft, die sich entwickeln kann.

Die Sehnsucht der Fans nach der ersten Bundesliga ist groß.

Ich weiß das. Aber unser Ziel ist ein Platz unter den ersten sechs Teams. Damit hätte der MSV eine gute Basis erreicht, um sich wirtschaftlich weiter zu entwickeln. Es gibt viele gute Teams, die in der 2. Liga oben mitmischen können. Die Düsseldorfer zum Beispiel, die nun schon zum zweiten Mal in Folge vor uns standen. Natürlich Bochum und Eintracht Frankfurt. Fürth und St. Pauli. Und ich wundere mich, dass kein Mensch über Aue spricht. Die waren in der letzten Saison Herbstmeister.

Die Fans, die in der letzten Saison vor allem Stefan Maierhofer und Julian Koch feierten, müssen sich neue Identifikationsfiguren suchen.

Die werden sie auch finden. Da bin ich mir sicher. Ich habe auch zwei, drei Leute im Auge. Es würde aber keinen Sinn machen, die Namen jetzt zu nennen.

Die Euphorie aus der letzten Saison konnte der MSV mitnehmen. 6000 Fans kamen zum ersten Training, bei einem Testspiel feierten 8000 Zuschauer den MSV.

Wir hatten vor einem Jahr ein kleines Feuer entzündet. Unsere Fans haben es brennen lassen. Und als das Licht im Pokalfinale beim Stand von 0:5 ausging, haben sie es mit ihren Gesängen wieder angeknipst. Einmalig. Wir wollen diesen Weg weitergehen.

Die Buchmacher sehen Ihr Team auf dem dritten Platz.

Muss dann wohl stimmen. Vor einem Jahr lagen diese Leute ja richtig. Wir wurden Achter.