Wie die Gladbacher talentierte Fußballer anlocken

Andreas Morbach

Mönchengladbach.  Es war eine muntere Gesellschaft, die da bei Borussia Mönchengladbachs Jahreshauptversammlung zusammensaß. Trainer Lucien Favre, Chefkonstrukteur der wiederbelebten Fohlenelf, badete im Applaus der 1124 anwesenden Mitglieder, Geschäftsführer Stephan Schippers („Wir sind nicht reich, aber kerngesund“) lieferte das finanzpolitische Beiprogramm – und weil die Stimmung gar so gelöst war, rief Max Eberl dem Borussen-Volk zu: „Wir alle wollen am liebsten heute statt morgen deutscher Meister werden.“ Ein knalliger Satz des fidelen Sportdirektors, dem der 40-Jährige im nächsten Atemzug jedoch das eigentliche Credo der Gladbacher folgen ließ.

„Der Erfolg von Borussia“, teilte Eberl mit, „muss nachhaltig sein.“ In die Partie gegen Stuttgart gehen die Borussen jedenfalls als Vierter – angekommen auf dem Rang, den sie nach Abschluss der vorletzten Saison schon einmal innehatten. „Wir werden alles in die Waagschale werfen, damit wir am Ende etwas ganz Großes erreichen“, verspricht Eberl. Selbst auf die Gefahr hin, dass im Borussia-Park im Saisonfinale wieder Übermut ausbricht – so wie beim Durchhänger des Favre-Teams von neun sieglosen Spielen.

In der Krise die Ruhe bewahrt

So reagierten Borussias Fans bei der Heimniederlage gegen Augsburg Anfang März mit ironischem Raunen, als Torhüter Marc-André ter Stegen, der eine Woche zuvor in Braunschweig einen Kullerball ins eigene Tor hatte trudeln lassen und bei dem aktuell der Wechsel zum FC Barcelona wegen des gegen die Katalanen verhängten Transferverbots final zu klären ist, einen harmlosen Rückpass aufnahm. Aktionen, für die Favre dem seiner Ansicht nach etwas verwöhnten Teil der Gladbacher Gefolgschaft ausrichten ließ: „Die Fans hatten zu viel Kaviar, sie wollen wohl etwas zu viel.“

Der Rautenklub selbst durchlebte die kritische Phase in bemerkenswerter Ruhe, verlängerte den Kontrakt mit Favre am Tiefpunkt der sportlichen Talfahrt und trat damit endgültig den Beweis an, dass er es mit seiner Politik einer kontinuierlichen Weiterentwicklung wirklich ernst meint.

Den Stuttgarter Traore an der Angel

„Der Verein setzt auf Stabilität. Lucien Favre hat gezeigt, was er kann“, kommentiert Kapitän Filip Daems, immerhin seit dem Jahr 2005 in Gladbach, und fügt hinzu: „Ich habe hier auch schon Zeiten erlebt, da wäre ein Trainer nach neun Spielen in Folge ohne Sieg wohl entlassen worden.“

So aber lockt Gladbachs Modell talentierte Fußballer an. Augsburgs André Hahn, Hoffenheims Fabian Johnson und ter-Stegen-Nachfolger Yann Sommer vom FC Basel haben für die nächste Saison bereits unterschrieben, die Verpflichtung von VfB-Spieler Ibrahima Traoré wird womöglich nach der Partie gegen die Schwaben bekannt gegeben. Darüber hinaus denkt Eberl im Fall des Bayern-Edelreservisten Xherdan Shaqiri (22) ganz kühn an ein Leihgeschäft mit den Münchnern.

Fehlendes Selbstbewusstsein plagt Borussias Sportdirektor nach dem Aufschwung der letzten drei Jahre jedenfalls nicht. „Für Jungs wie André Hahn sind wir ein sehr guter Schritt“, wirbt Eberl ungeniert und erklärt: „Das liegt an der Perspektive, die wir ihnen bieten können.“