Wie die Angsthasen

Leverkusen..  Beim verbalen Umgang mit frisch gedemütigten Kollegen und deren Mannschaften wird Roger Schmidt gerne mal rabiat. Als die Nachbarn aus Köln Ende November mit einer 1:5-Packung auf die andere Rheinseite zurückkehrten, spottete Leverkusens Cheftrainer öffentlich über die extrem defensive Taktik von FC-Coach Peter Stöger. Nun aber, als der Hamburger SV bei der Bundesliga-Premiere von Übergangstrainer Peter Knäbel nach bemitleidenswerter Darbietung 0:4 untergegangen war, gab sich Schmidt lammfromm.

„Es steht mir nicht zu, über den Gegner zu urteilen“, erklärte der 48-Jährige. Lieber sprach er über das eigene Team, das von seinen vor Zuversicht triefenden Fans („Zieht den Bayern die Lederhosen aus“) am Ende auf das Pokal-Duell am Mittwoch eingestimmt wurde – und für das der überragende Doppeltorschütze Gonzalo Castro kommentierte: „Wir sind ganz klar in der Birne. Wir wissen genau, was wir wollen.“

Ganz und gar nicht im Bilde über das eigene Tun waren dagegen die Hamburger. „Schlimm ist, dass wir noch nicht einmal kämpfen. Ich weiß auch nicht, ob das am Druck liegt oder ob wir einfach nur Angst haben“, begab sich ihr Kapitän Johan Djourou auf die schwierige Charakterspurensuche. Denn aktuell ist alles mächtig kompliziert bei den Norddeutschen, die nur dank der anhaltenden Paderborner Torflaute noch nicht auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht sind.

Wegen des ziellosen Angsthasenfußballs verabschiedete das Leverkusener Publikum die Gäste nach spanischer Sitte mit weißen Taschentüchern aus dem Stadion. War der Karsamstag für die Hanseaten doch im Grunde schon nach sieben Minuten gelaufen, als Djourou einen dürftigen Querpass auf Heiko Westermann fabrizierte und so die Bayer-Führung durch Castro einleitete.

„Bei Heiko Westermann hatten wir so eine Szene schon mal, bei Johan Djourou war das aber wahrscheinlich eine Premiere. Und es ist schon symbolhaft, dass unser stabilster Innenverteidiger diese Niederlage einleitet“, seufzte Knäbel, der zumindest einen zarten Hoffnungsschimmer am düsteren HSV-Horizont ortete: „Ich habe gesehen, auf wen ich mich verlassen kann – und auf wen nicht.“

„So wird das nichts“

Frische Einflüsse aller Art hält vor den nächsten Spielen gegen Wolfsburg und in Bremen auch Dietmar Beiersdorfer für dringend notwendig. „Wir werden den Existenzkampf nicht überstehen, wenn sich nicht schnell etwas ändert“, betonte der Klubchef, dem bei dem wirren Auftritt des Knäbel-Ensembles in der BayArena immerhin eines bewusst geworden war: „So wird das nichts.“

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