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Werder Bremen: Zufällige Existenz

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Heute kaum noch denkbar. Aber es gab eine Zeit, da war Fußball ungefähr so angesehen wie die Boxbude auf dem Kirmesplatz. Und so hat Werder Bremen – mit über 30.000 Mitglieder heute einer der großen Sportvereine Deutschlands – seine Gründung einem Zufall zu verdanken.

Was man sich aus heutiger Sicht kaum vorstellen kann, aber vorstellen muss: Der Anfang des deutschen Fußballs war schwierig. Ende des 19. Jahrhunderts war vielen Bürgern schon die Spielkleidung der Kicker zu anstößig. Außerdem stammte der Sport aus England – und war damit schon tabu.

Dass es den Verein Werder Bremen trotzdem gibt, haben die Fans der Norddeutschen einigen Schülern zu verdanken: Am 4. Februar 1899, heute vor 109 Jahren, gründeten sie den Fußballverein Werder von 1899, weil sie kurz zuvor bei einem Wettbewerb einen Fußball gewonnen hatten und ausprobieren wollten, was man mit dem neuen Sportgerät so alles anstellen kann. Da sie erstmalig auf dem Stadtwerder, der Flussinsel in Bremen, gespielt hatten, war der Name für den neuen Club – im Jahre 1905 übrigens der erste Bremer Fußballverein, der Eintrittsgelder verlangte und sein Spielfeld einzäunte – gesetzt.

Der Fußballverein Werder von 1899 gilt als Vorläufer des heutigen Werder Bremen. Zunächst wurde nur aufgenommen, wer eine höhere Schulbildung und ein y-Chromosom hatte: Frauen waren – der Zeit entsprechend – nicht zugelassen. Das änderte sich 1919 – ebenfalls der Zeit entsprechend. Von nun an durften auch weibliche Sportlerinnen ein Vereinsleben bei Werder führen. Kurz darauf wurde aus dem reinen Fußballclub ein richtiger Sportverein mit unter anderem einer Tennis-, Leichtathletik- Schach- und damals auch einer Baseball- und (man höre und staune) einer Kricketabteilung.

Was danach folgt, ist Geschichte: Erster und Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit in der Oberliga Nord, Auf und Ab in der Bundesliga. Dann 1971 bis 1980 der Niedergang, der mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga Nord endete. Es gelang der direkte Wiederaufstieg. Unter der Regie Otto Rehhagels mauserte sich Werder zu einem Spitzenteam und staubte zwischen 1987 und 1995 zahlreiche Titel ab. Nachdem Werder Bremen 1995 noch einmal Vizemeister geworden war und Rehhagel nach 14-jähriger Amtszeit den Verein verlassen hatte, waren die Zeiten der Titelgewinne und Erfolge in der Bundesliga zunächst vorbei. Doch heute gehört Werder längst wieder zu den besten Mannschaften der Bundesliga.

Noch ein paar Fakten: Mit 2275 Punkten stehen die Grün-Weißen auf dem zweiten Platz der ewigen Bundesligatabelle. Seit 2004 können Werder-Fans die Geschichte des Vereins in einem eigenen Museum, dem Wuseum, erleben. 130 Mal war Bremen Spitzenreiter der 1. Bundesliga und damit nach dem FC Bayern München mit Borussia Mönchengladbach zusammen am häufigsten.

Das alles konnten die Schüler aus bürgerlichem Hause, die am 4. Februar 1899 den Fußballverein Werder von 1899 gründeten, nicht wissen. Seine Existenz verdankt Werder Bremen – einem Zufall.

(Mit Material von Wikipedia.de)