Werder Bremen und Europa – inzwischen etwas für Nostalgiker

Jahrelang galt Werder Bremen als Verein, der aus wenig viel machen kann. Inzwischen versinkt der Verein dauerhaft im Mittelmaß, was mehr und mehr Fans dem Trainer anlasten. Ein Kommentar von Klaus Wille.

Bremen. Der SV Werder Bremen hatte lange Jahre einen Spieler in seinen Reihen, für den der Spitzname „Mr. Europacup“ geprägt wurde. Der Mann hieß Frank Neubarth und hat an der Weser für viele aufregende Abende gesorgt. Es ist schwer einzuschätzen, ob sich die jüngeren Werder-Fans noch an große Spiele gegen Neapel oder Moskau erinnern können. Bremen und Europa – das ist inzwischen etwas für Nostalgiker.

Bremen und Europa – inzwischen etwas für Nostalgiker

Mit großer Sicherheit wird Werder auch in dieser Saison die Teilnahme an der Europa League verpassen, es wird dann das dritte Mal in Folge sein. Bremen, lange Jahre ein Synonym für die Qualität, aus wenig viel zu machen, droht zum Symbol für Niedergang und Mittelmaß zu werden. Attraktiver Fußball trotz geringerer Mittel: Das ist inzwischen etwas für Freiburg oder Mainz.

Natürlich zielt so eine Feststellung auch auf den Trainer. Denn Bremen als Standort hat in der Bundesliga ja auch zuletzt nichts falsch gemacht. Werder konnte nie mehr als eine Nische bedienen: Wie man das gemacht hat, hatte allerdings Stil. Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf standen für Ruhe, für Kontinuität, für Seriosität. Der wahre Schlüssel war jedoch die Fähigkeit, dank des richtigen Näschens immer wieder hoch veranlagte Spieler an die Weser zu holen.

Werders Umbruch stagniert seit Jahren

Dieser Riecher hat beide schon länger verlassen, Werders Umbruch stagniert seit drei Jahren, die Liste der Fehlgriffe ist lang geworden, und ein Vorwurf, der gegenüber Thomas Schaaf immer wieder aufkommt, lautet: Bremen ist ein Team ohne Abwehr.

Zwei Probleme wird Werder lösen müssen: Der Verein kann sich nicht neu erfinden, es wird aber von Jahr zu Jahr ohne Geld aus dem europäischen Wettbewerb schwieriger, den Teufelskreis zu durchbrechen. Was Thomas Schaaf anbelangt: Sein Freund Klaus Allofs ist kürzlich auch zum VfL Wolfsburg gewechselt, weil er wusste, dass er sich in Bremen abzunutzen drohte. Thomas Schaaf ist seit Mai 1999 Werders Trainer. Er wird sich ähnliche Gedanken machen. Und andere für ihn.

 
 

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