Veröffentlicht inSport

Weltmeister Jan Ullrich

Weltmeister Jan Ullrich

0020387539-0051589072.JPG

Die Lebensgeschichte von Jan Ullrich gehört zu jenen, die nur der Sport schreiben kann. Einem scheinbar nicht enden wollenden Höhenflug folgt der plötzliche, tiefe Absturz. Heute vor 15 Jahren wurde Ullrich Weltmeister der Rad-Amateure. Der Beginn seines Aufstiegs.

Schon im Kindesalter zeigte sich Jan Ullrichs Talent fürs Fahren auf zwei Rädern. Mit neun Jahren gewann er 1983 sein erstes Rennen in der Schülerklasse. Für die SG Dynamo Rostock startete der junge Jan mit geliehenem Rad und Turnschuhen. Weitere Siege, unter anderem bei der Spartakiade, folgten, bis Ullrich schließlich in das Sportfördersystem der DDR aufgenommen wurde. Mit 13 Jahren kam er 1986 auf die Kinder- und Jugendsportschule des SC Dynamo Berlin.

Nur ein Jahr später wurde Ullrich DDR-Schülermeister im Bahn-Vierer. Im Jahr darauf folgte der erste Straßentitel. 1990 wurde Ullrich Jugendmeister im Punktefahren. Die Wende kam, Ullrich siedelte zu seinem Trainer Peter Becker nach Hamburg über, wo er weiter an seiner Karriere feilte. Titel blieben erst einmal aus, doch Ullrich wurde immer besser. 1993 schließlich fuhr er im Alter von 19 Jahren zur Amateur-Straßen-WM nach Oslo – und kehrt als Weltmeister zurück. Das war der Startschuss für seine Karriere.

Ein Amateur besigt die Profis

Im Jahr darauf machte Ullrich abermals auf sich aufmerksam, als er als Amateur Dritter bei der Zeitfahr-WM wurde und dabei zahlreiche Profis hinter sich ließ. Der Rennstall Team Telekom nahm Ullrich unter Vertrag. Auch privat veränderte sich etwas für den Radfahrer. Er zog von Hamburg zu seiner Freundin nach Merdingen im Schwarzwald.

Was nun folgte, ist ein sportliches Märchen. 1996 nahm Jan Ullrich zum ersten Mal an der Tour de France teil und wurde Zweiter hinter seinem Team-Kapitän Bjarne Riis. Schon nach dieser Tour war klar: Die Zukunft gehört Jan Ullrich. Im folgenden Jahr bestätigte Ullrich das auf eindrucksvolle Weise. Als Wasserträger für Riis am Start, zeigte Ullrich bald, dass er in den Bergen stärker war als sein Kapitän. Nach zwei harten Pyrenäen-Etappen fuhr Ullrich im Gelben Trikot. Deutschland, Frankreich, die ganze Radsport-Welt lag dem 23-Jährigen zu Füßen und hob ihn auf den Schild des Patrons der Tour. Telekom reagierte und degradierte Riis zu Ullrichs Helfer. Mit Erfolg. Ullrich gewann die Tour souverän, niemand zweifelte daran, dass die Toursiege der kommenden Jahre nur gegen Ullrich zu erringen sein würden.

Mit Winterspeck ins Trainingslager

Doch es folgten Krankheiten, Verletzungen – und Sahnetorten. Nach dem Winter reiste Ullrich regelmäßig mit Winterspeck und Übergewicht zum Training an. Sein Faible für Süßkram in der kalten Jahreszeit soll Schuld daran gewesen sein. Aus dem Hoffnungsträger Ullrich wurde das schludrige Talent, das einen Toursieg nach dem anderen fahrlässig liegen ließ. Gegen Lance Armstrong wirkte Ullrich einfach zu wenig ernsthaft. Da half auch kein Udo Bölts mit seinem berühmten „Quäl dich, du Sau“, mit dem er Ullrich die Berge hinauf brüllte. Armstrong zeigte schlicht mehr Einsatz, mehr Biss.

Einen Zwischen-Höhepunkt erlebte Ullrich noch einmal im Jahr 2000. Bei der Tour Zweiter hinter Lance Armstrong, gewann der Deutsche Olympisches Gold bei den Spielen in Sydney. 2001 folgte wieder Platz Zwei bei der Tour und der Weltmeister-Titel bei der Zeitfahr-WM. Doch sein Abstieg hatte schon begonnen.

Der Fall des Jan U.

Die folgenden Jahre im Zeitraffer:

2002:

  • Ullrich verursacht in betrunkenem Zustand einen Autounfall.
  • Während seines Aufenthalts in der Reha wird Ullrich positiv auf Amphetmaine getestet. Ullrich sagt, jemand in der Disco habe ihm eine Pille angeboten. Ullrich wird für sechs Monate gesperrt.

2003:

  • Ullrich wechselt zum Team Coast, das später in Bianchi umbenannt wird.
  • Nach einer hervorragenden Vorbereitung fährt Ullrich als Mitfavorit zur Tour.
  • Bei der Tour liefert Ullrich Lance Armstrong einen harten Kampf, wird am Ende aber wieder Zweiter.
  • Wahl zum Sportler des Jahres.

2004:

  • Rückkehr zum Team Telekom
  • Ullrich startet als Favorit bei der Tour, verliert aber schon im Prolog wertvolle Sekunden. Am Ende wir er Vierter.

2005:

  • Dritter Platz bei der Tour de France

2006:

  • Etappensieg beim Giro d’Italia
  • Sieg bei der Tour de Suisse
  • Wenige Tage vor dem Start der Tour wird Ullrich suspendiert, weil er in die Doping-Affäre um den spanischen Art Fuentes hineingezogen wird.

2007:

  • Ullrich gibt sein Karriereende als aktiver Radfahrer bekannt.
  • Der Dopingverdacht bleibt
  • In der Affäre um Fuentes kann Ullrich nicht bewiesen werden, dass er gedopt hat. Widerlegen kann er es auch nicht.