Welche Chancen München für 2018 hat

Die frühere "Eisprinzessin" Katharina Witt ist das Gesicht der Münchner Bewerbung. Foto: dapd
Die frühere "Eisprinzessin" Katharina Witt ist das Gesicht der Münchner Bewerbung. Foto: dapd

München. Durch München fahren Autos mit unterschiedlichen Aufklebern. Auf den einen steht „Olympia“, auf den anderen „Nolympia“. Eine Fraktion wird am Mittwoch um 17.11 Uhr ihre Aufkleber vom Wagen kratzen dürfen: Dann öffnet Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, im südafrikanischen Durban den Umschlag mit dem Wahlergebnis und wird verlesen, welche Stadt die Olympischen Winterspiele 2018 ausrichtet: das französische Annecy, Pyeongchang in Südkorea oder München.


Wer wählt?

Stimmberechtigt sind die 110 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees, das sich in Durban trifft. Der belgische IOC-Präsident Jacques Rogge wird sich traditionell enthalten. Ebenso der Schweizer Denis Oswald, der als Erster das Ergebnis des elektronischen Votums erhält. Nicht abstimmen werden auch der Brasilianer Joao Havelange (der Ex-Fifa-Präsident ist schon 95 Jahre alt), der Ägypter Mounir Sabet (der General steht unter Hausarrest), die schwer erkrankten James Easton aus den USA und Alpha Ibrahim Diallo aus Guinea sowie der saudi-arabische Prinz Nawal Faisal Fahd Aboulaziz und der Inder Raja Randhir Singh. In der ersten Runde der Wahl sind die Mitglieder aus den Bewerber-Ländern nicht stimmberechtigt. Für Deutschland sind das Claudia Bokel und Thomas Bach. Auch Frankreich und Südkorea haben je zwei IOC-Mitglieder.


Wie wird gewählt?

Nach der Präsentation der drei Städte folgt der erste Wahlgang. Erhält eine Stadt in diesem Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen, ist sie gewählt. Sollte es diese Mehrheit nicht geben, gibt es einen zweiten Wahlgang als Stichwahl: Wer dabei die meisten Stimmen erhält, richtet die Spiele aus. IOC-Präsident Jacques Rogge wird das Ergebnis um 17.11 Uhr öffentlich verkünden.


Was ist das Besondere am jeweiligen Konzept?

In Annecy würde es die Spiele der weiten Wege geben. Allein in vier Orten sollen Olympische Dörfer entstehen.

Pyeongchang baut auf kompakte Spiele, es sind nur zwei Austragungsorte vorgesehen. Der Trumpf der Südkoreaner: Es wären die ersten Winterspiele in ihrem Land, damit könnten Sponsoren und Wintersportverbände neue Märkte für sich öffnen.

Die deutsche Bewerbung setzt auf drei Standorte: München hat die Eis-Wettbewerbe, Garmisch-Partenkirchen die Ski-Disziplinen, und am Königssee gibt es die Bob- und Rodelbahn. Das Flair der Olympiastadt von 1972 begegnet der Tradition des Wintersportorts Garmisch.

Wie sehen die Sportstätten aus?

München hat die Kuh vom Eis, der Streit mit den Grundstücksbesitzern in Garmisch-Partenkirchen ist beigelegt. Selbst die umstrittene Wiese im Zielschuss der Kandahar-Abfahrt ist freigegeben für Olympia. In München würden zwei Eishockey-Hallen und eine Halle für Eisschnelllauf neu gebaut.

Annecy müsste noch sechs neue Sportanlagen errichten und liegt auch in diesem Punkt weit zurück.

In Südkorea sind die meisten Arenen fertig. Problem: Die Anfahrtswege für die Zuschauer erscheinen den Bewertern des Konzepts als sehr eng.


Welche Rolle spielt die Umweltverträglichkeit?

Auf dem Papier eine große Rolle, in Wahrheit eine untergeordnete Rolle. Winterspiele mit Hunderttausenden Zuschauern in den Bergen können nicht umweltfreundlich sein.

Mit seinem Verkehrskonzept will München bei diesem Thema zumindest ein paar Punkte machen. Die Bahnstrecke nach Garmisch würde entsprechend ausgebaut. In Frankreich verspricht der Transport der Massen über die engen Alpenstraßen Chaos, fast schon ein Ausschlusskriterium für Annecy. Pyeongchang hat das Problem, dass die Schnellzugtrasse nach Seoul noch nicht gebaut ist. Ohne diese Trasse bricht jedoch das Verkehrskonzept zusammen.


Was spricht für München?

München verspricht die beste Olympiastimmung. Die Stadt hat erwiesenermaßen Olympia-Flair, die Eröffnungsfeier soll im Stadion von 1972 stattfinden. Dazu kommt die Ski-Begeisterung im Wintersportort Garmisch-Partenkirchen und die hohe Akzeptanz der Deutschen für den Wintersport, die man an den Fernsehquoten zum Beispiel beim Biathlon ablesen kann.


Was spricht für Annecy?

Nichts. Hinter den Kulissen wird spekuliert, dass die Bewerbung nur Taktik ist. Demnach wollen die Franzosen sogar scheitern, um dann mit einer Bewerbung von Paris für die Sommerspiele einen Bonus zu haben.


Was spricht für Pyeongchang?

Die Qualität der Arenen ist gut, doch Wintersportbegeisterung ist kaum zu spüren. Die Biathlon-WM auf den grünen Wiesen und im Regen ohne Zuschauer war dafür Beleg genug. Aber Sponsoren und Sportverbände reizt der neue Markt in Asien, der Umsatz dort ist ausbaubar.

 
 

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