Warum selbst Sina Schielke ein WM-Gesicht ist

Essen. Die Werbung für die Leichtathletik-WM kocht auf Sparflamme. Ist die Kampagne „17 Gesichter der WM“ eine Kopfgeburt? Zumindest verdeutlicht sie nur zu gut die Probleme, mit denen die Sportart kämpft.

Selbst eine Leichtathletik-Weltmeisterschaft muss vermarktet werden. Sonst hat sie keine Chance wahrgenommen zu werden. Zu groß sind die immer härter werdenden Konkurrenzangebote anderer Sportarten. Das WM-Organisationskomitee BOC kam auf die Idee, „17 Gesichter der WM“ zu präsentieren. Diese Athleten sollten als Symbole für das internationale Ereignis 2009 in Deutschland stehen. Eine gute Idee, bei deren Umsetzung es hakt.

Zu den Gesichtern der WM zählt auch die Wattenscheider Sprinterin Sina Schielke. Oder der Stabhochspringer Raphael Holzdeppe. Oder der Zehnkämpfer Andre Niklaus. Oder die Kugelstoßerin Petra Lammert. Was sie alle gemeinsam haben: Sie sind entweder verletzt oder nicht für die WM nominiert. Und da zeigt sich das Dilemma, in dem die Leichtathletik gefangen ist. Sie muss neben international konkurrenzfähigen Leistungen auch ausdrucksstarke Persönlichkeiten und Bilder produzieren oder Herz-Schmerz-Geschichten vermarkten, um wahrgenommen zu werden. Sie muss multimedial präsent sein und das muss von langer Hand geplant sein. Und genau das lässt sich in der Individualsportart Leichtathletik nicht umsetzen.

Nicht-Starter werden zum WM-Gesicht

Die 17 stellte das BOC im März bei einem Empfang im Roten Rathaus vor. Damals war auch die junge Mutter und Vize-Europameisterin über 4x100-Meter von 2002, Sina Schielke, dabei. Sie befand sich im Aufbautraining, steckte voller Tatendrang und Energie und freute sich über die Gesichter-Show: „Es war ein deutliches Zeichen, dass man mir die WM zutraute.“

Doch fest stand im März noch lange nicht, wer sich denn nun wirklich qualifizieren würde. Die endgültige Nominierung hat der DLV auf den 2. August terminiert. Bislang sind elf der 17 vorläufig nominiert. Und so muss das Organisationskomitee jetzt in Kauf nehmen, dass es eine gutaussehende Sprinterin, einen hoffnungsvollen Nachwuchsspringer, einen erfahrenen Zehnkämpfer und eine schon international erfolgreiche aber nun verletzte Kugelstoßerin zu seinen Gesichtern gemacht hat, die in Berlin nicht starten werden.

Und da war es nur noch einer ...

Das BOC wählte drei der 17 Gesichter aus dem Stabhochsprunglager. Es spricht für die Akzeptanz und die Beliebtheit dieser technisch anspruchvollen Disziplin. Mit Danny Ecker und Raphael Holzdeppe wählte es gleich zwei, die in der ersten Nominierungsrunde nicht nominiert wurden. Leszek Klima, Trainer des Leverkuseners Danny Ecker, zieht eine diplomatische Antwort auf die Frage, was er von der Kampagne halte, vor. Er habe sich gar nicht genauer damit beschäftigt: „Das ist an mir vorübergegangen.“

Andere waren da weniger zurückhaltend und prägten das negative Image der Gesichter-Kampagne. Erst sagte Weitspringer Sebastian Bayer der Sport-Bild, dass er sich als Karteileiche fühle, was er hinterher bei den Deutschen Meisterschaften nach seinem sehr guten Sprung auf 8,49 Meter wieder relativierte. Dabei will das Organisationskomitee BOC die auserkorenen 17 verstärkt als Interviewpartner vermitteln und ihnen fernsehwirksame Auftritte zukommen lassen.

Leblose Kampagne

Dann kritisierte Christina Obergföll, deutsche Medaillenhoffnung im Speerwurf, im Gespräch mit dem „Mannheimer Morgen“, dass die Idee nicht mit Leben gefüllt werde. Auch Sina Schielke hatte seit der Präsentation im März nichts mehr von dieser Kampagne gehört: „Das ist aber absolut in Ordnung.“ Man habe sich wahrscheinlich auf die konzentriert, die wirklich starten, glaubt sie.

Und Sina Schielke empfindet es auch nur als konsequent, mit einer Imagekampagne so zeitig zu starten: Diese Kampagne aber "Gesichter der WM" zu nennen, sei dann wohl etwas unpassend gewesen.

 
 

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