Warum Bayerns Transferpolitik den eigenen Fans spanisch vorkommt

Schrieb die ersten Autogramm in München: Xabi Alonso.
Schrieb die ersten Autogramm in München: Xabi Alonso.
Foto: Bongarts/Getty Images
Weltmeister Toni Kroos wegen offenbar zu hohen Gehaltsforderungen gehen lassen und im Gegenzug einen nicht minder teuren Altstar aus Madrid nach München zu holen - diese Transferpolitik überfordert selbst Bayern-Fans. Ein Kommentar.

Essen.. Was ist das jetzt? Aktionismus? Panik? Oder doch Teil einer Strategie, die unsereins nur noch nicht durchschaut hat?

Bayerns bevorstehende Verpflichtung des Welt- und Europameisters Xabi Alonso von Real Madrid kommt jedenfalls selbst erfahrenen Beobachtern, die im irrwitzigen Fußballgeschäft gewöhnlich nichts mehr umwerfen kann, spanisch vor. Nicht zuletzt, weil der bald 33 Jahre alt werdende Spanier so gar nicht ins gewohnte „Beuteschema“ der Münchner passt, die zuletzt bei ihren Neuzugängen immer auch perspektivisch dachten.

Nebenbei überfordern die Bayern mit diesem spektakulären Transfer diesmal auch die eigenen Fans. Toni Kroos mehr oder weniger widerstandslos nach Madrid ziehen zu lassen, war angesichts des Überangebots im Mittelfeld noch halbwegs nachvollziehbar. Aber nun – quasi im Tausch mit dem Weltmeister – einen teuren Altstar zu holen, den Real nicht ohne Grund trotz laufenden Vertrages gehen lässt, will nicht zusammenpassen – bis zum Beweis des Gegenteils.

Schon fünf Spanier im Bayern-Kader

Dafür passt Alonso zur nun schon fünf Spieler und den Trainerstab umfassenden spanischen Fraktion an der Isar. Was auf den wachsenden Einfluss von Pep Guardiola auch auf die Personalpolitik des deutschen Rekordmeisters schließen lässt – mit dem Ergebnis, dass die Bayern größere Wagnisse, finanzielle wie sportliche, eingehen. Inklusive des Risikos, für den Fall, dass die derzeit verletzten Stars wieder am Ball sind, ein Hauen und Stechen um die Stammplätze heraufzubeschwören.

Am Rande: Matthias Sammers Anteil an der neuen Bayern-Strategie ist unklar. Immerhin füllt der Sportdirektor eine Rolle nach wie vor perfekt aus: die des Mannes, der die verbliebenen Bayern-Hasser noch mobilisieren kann. Dem neuen 30-Millionen-Abwehrspieler Mehdi Benatia hat er jetzt bei dessen Vorstellung großzügig bescheinigt, er habe „die Berechtigung für den FC Bayern zu spielen“. Mannomann!

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