Vom ungeliebten Deutschen zur Legende

Valencia.  . Als Bert Trautmann 1949 zu Manchester City wechselte, gingen Zehntausende auf die Straße, um gegen den ungeliebten Deutschen zu demonstrieren. Als er Manchester 15 Jahre später verließ, war er auf der Insel eine verehrte Legende. „Mein Herz schlägt für beide Länder“, hatte der gebürtige Bremer Bernhard Trautmann einmal gesagt. Am Freitag hörte sein Herz auf zu schlagen. Trautmann starb im Alter von 89 Jahren in seiner spanischen Wahlheimat La Llosa in der Nähe von Valencia.

Mit Genickbruch zum Cup-Triumph

„Bert Trautmann war ein großartiger Sportler und wahrer Gentleman“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Manchester City nannte den Deutschen gestern „einen der größten Keeper von Manchester City aller Zeiten und eine wahre Klub-Legende“. Der Weg dahin aber war schmerzhaft. Wenige Wochen vor Kriegsende war Trautmann in britische Gefangenschaft geraten. „Das war am 27. März 1945 am Niederrhein“, erinnerte sich Trautmann. „So einen Tag vergisst man nicht.“

Nach Kriegsende entschied sich der Norddeutsche, in England zu bleiben. Zunächst spielte er beim Provinzclub St. Helens Town, ehe er von Manchester City entdeckt wurde. Ausgerechnet der damalige Rabbiner von Manchester ergriff Partei für als „Traut, the Kraut“ beschimpften Deutschen.

Zur Legende wurde Trautmann 1956 im englischen Cup-Finale. In der Schlussphase traf ihn im Wembley-Stadion ein Spieler vom Gegner Birmingham City mit voller Wucht im Nacken. Trautmann war kurzzeitig bewusstlos, rappelte sich aber auf und spielte entgegen des Rates der Sanitäter weiter. Schließlich gab es damals noch keine Auswechslungen. Bei der Siegerehrung nahm der Deutsche sogar noch die Glückwünsche der britischen Königin entgegen. Später kam die Diagnose: Genickbruch. „Dass ich überlebt habe, ist ein Wunder“, sagte Trautmann.

Obwohl der Ausnahme-Keeper als einer der Besten seiner Zeit galt, spielte er nie für sein Geburtsland Deutschland. Sepp Herrberger weigerte sich beharrlich, Legionäre einzusetzen. International wurde Trautmann aber bewundert.

Nach seiner aktiven Zeit versuchte sich Trautmann als Trainer, unter anderem für kurze Zeit bei Preußen Münster. Doch die Lust auf das Fremde in ihm ließ ihn schnell weiterziehen, Trautmann arbeitete viele Jahre in Birma, Tansania und Pakistan. Aber seine Heimat blieb Deutschland und England, in beiden Ländern wurde er mit höchsten Ehren dekoriert – er war Träger des Bundesverdienstkreuzes und „Officer of the British Empire“.

Einen besseren Botschafter hätten sich beide Länder nicht wünschen können.

 
 

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