Versteht Magath die Schalker Seele wirklich?

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Essen.. Ein Machtwort von Clemens Tönnies zwingt Felix Magath jetzt an einen Tisch mit den empörten Fan-Vertretern. Motto: Versöhnung statt Spaltung. Aber die Skepis bleibt, ob Magath die Schalker Seele wirklich versteht.

Felix Magath auf der Ehrenrunde vor jubelnden Schalke-Fans, die ihn minutenlang feiern. Bilder, die ihn später von den emotionalsten Momenten seiner Karriere schwelgen lassen. Das soll erst drei Monate her sein? Drei Monate, in denen die Liga Pause machte und die Anhänger folglich durch keine Misserfolge umgestimmt werden konnten.

Was ist passiert, um noch vor dem Bundesliga-Start Schlagzeilen vom Fan-Aufstand auf Schalke zu provozieren? Die von Magath veranlasste Absetzung des Fan-Beauftragten Rolf Rojek greift als Ursache des gewaltigen Wirbels zu kurz, sie war nur der Auslöser. Die Skepsis gegen das „System Magath”, das Kontrolle über alles – bis hin zu einer möglichst kritiklosen Lokalpresse – vorsieht, hatte sich schleichend zu einem explosiven Gemisch entwickelt. Und der stillose Umgang mit Rojek war der Funke, der es hoch gehen ließ.

Magath schaltet gleichwohl weiter auf stur. „Wer mich holt, weiß, wen er holt“, sagt er zu seinem Führungsstil und äußert sein Unverständnis für das heftige Echo aus Fan-Kreisen. Was vor allem eins zeigt: Der 57-Jährige hat bis heute nicht begriffen, wohin er gegangen ist: zu einem Club, der sich seine Identität nicht im Ruckzuck-Verfahren nehmen lässt. Jemandem, der auch auf Schalke aus dem Stand viel bewegt hat, bei der Reform kritikwürdiger Strukturen zu folgen, ist eine Sache. Aber zu akzeptieren, dass da einer kommt und einfach alles auf Schalke schlecht redet, eine andere.

Nicht von ungefähr empfinden – laut „Spiegel“ – altgediente Vereinsmitarbeiter Magaths umfangreichen Stab als eine Art „Besatzungsmacht“. Mit Clemens Tönnies hat der einzige Schalker, der in der Hierarchie noch über Magath steht, jetzt ein Machtwort gesprochen. Der Fleisch-Unternehmer, der seinem Wunschkandidaten erst zu dessen Machtfülle verhalf, musste vor dem größten Machtfaktor eines Vereins wie Schalke kapitulieren: Gegen das Volk lässt sich – die Politik lässt grüßen – auf Dauer nicht regieren.

Nur wenn auch Magath dies begreift, kann es für beide Seiten noch ein Happy End geben. Im schlimmsten Fall wird den Fans helfen, dass sie im Umgang mit Rückschlägen erprobt sind. Anders als der Trainer. Vielleicht liegt darin das größte Missverständnis in der Verbindung Schalke-Magath.

 
 

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