Verdienter Lohn für furioses Finale

Quakenbrück..  Die Liste wird immer länger: Auf dem Weg in die Play-offs straucheln die Kandidaten in der Basketball-Bundesliga daheim gegen Phoenix Hagen in Serie. Die Endrunden-Anwärter Frankfurt, Ulm, Ludwigsburg und Bonn mussten dies schon schmerzlich erfahren, am vorletzten Tag des Jahres folgten die Artland Dragons. Mit einem furiosen Comeback nach Fünfpunkte-Rückstand in den letzten 26 Sekunden kam das Team von Trainer Ingo Freyer in Quakenbrück mit 85:81 (38:44) zum fünften Auswärts-Coup. „Zweimal habe ich gedacht, das war’s“, räumte Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann später ein: „Aber die Jungs haben sich nie aufgegeben - und sind dafür belohnt worden.“

Zehn Würfe, drei Treffer - die Dreier-Bilanz von David Bell war überschaubar erfolgreich, sein Selbstbewusstsein verliert der Phoenix-Kapitän auch bei Fehlwürfen in Serie nicht. Die letzten 17 Sekunden in Quakenbrück waren angebrochen, die Hagener hatten sich beim Favoriten auf zwei Punkte herangekämpft. Auch weil Zamal Nixon und Todd Brown kurz zuvor nach scheinbar entscheidendem 73:78-Rückstand die lange währende Wurfflaute aus der Distanz mit zwei Treffern beendet hatten. Nun beim 79:81 fehlte den Gästen noch ein Korb zu Verlängerung oder Sieg - und Bell entschied sich für das schnelle Ende. Bis auf wenige Sekunden ließ er die Uhr herunterticken, zwei schnelle Schritte zur Seite, dann der Wurf weit hinter der Dreierlinie gegen drei Gegenspieler. Und Bell traf drei Sekunden vor der Sirene nicht nur eiskalt, sondern fing auch noch den nächsten Dragons-Einwurf ab, der Rest war Kür von der Freiwurflinie. Phoenix-Coach Freyer schmunzelte später über die Chuzpe seines Kapitäns: „Da hat David ganz schön Eier bewiesen.“

Hellwach vom Sprungball weg waren die Hagener in Quakenbrück, auch wenn sie angesichts überschaubarer Distanz auf eine Anreise am Tag zuvor verzichtet hatten. Bell eröffnete die Partie per Dreier, Dino Gregory erhöhte auf 5:0, diese Führung gaben die Gäste lange nicht ab. Weil sie mit aggressiver Pressdeckung den Aufbau der Dragons nachhaltig störten, Ballgewinne zu schnellem Spiel nutzten. Beim 20:12 durch Keith Ramsey sah sich Artland-Coach Tyron McCoy zur ersten Auszeit gezwungen (8. Minute), aber auch danach dominierte zunächst weiter Phoenix. Erst nach dem 29:19 (13.) fand der Favorit allmählich seinen Rhythmus, traf nun auch aus der Distanz. Und hatte auf Zonenverteidigung umgestellt, damit kamen die Hagener - allen voran Nixon - nicht so gut zurecht. Das 38:34 (17.) war sein erster Feldkorb, eine pausenübergreifende 0:14-Serie brachte dann aber die Gastgeber nach vorn (38:48, 22.).

Doch Phoenix bewies Charakter, konnte sich zudem auf die jungen Fabian Bleck und Niklas Geske verlassen. Beim 47:57 (27.) lagen die Dragons noch klar vorn, nun gelang aber den Hagenern ein 8:0-Lauf, sie waren wieder dran. Und mehr als das, im Schlussviertel übernahmen die Gäste durch den couragierten Bleck beim 61:60 (32.) die Führung wieder. Nur Wurfpech verhinderte, dass Phoenix sich hier schon absetzen konnte. Stattdessen trafen nun die Artland-Routiniers Holston und Anthony King, der zweite Dreier von Lawrence Hill (78:72) eine gute Minute vor dem Ende schien die Niederlagenserie zu beenden. Doch nun bat Freyer zweimal zur Auszeit - und seine Maßnahmen wirkten: Schnelle Fouls zwangen die Gastgeber an die Linie, hier zeigte Hill Nerven. Dagegen trafen Nixon, Brown und - final für das Jahr 2014 - David Bell. „Die Chance war da, wir haben sie genutzt“, freute sich Freyer, während Bell seinen Siegtreffer nicht überbewerten wollte: „Es war eine Anstrengung des gesamten Teams“, sagte er. Und fügte mit Blick auf das Hinrunden-Finale Sonntag gegen Tübingen hinzu: „Auf die gleiche Weise müssen wir jetzt auch Zuhause spielen, auch wenn es eng wird.“

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