Topalow will Anand vom Schach-Thron stoßen

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Essen.. Im Duell um die Schach-Krone zwischen Weltmeister Viswanathan Anand und Herausforderer Wesselin Topalow spielt die Psyche eine große Rolle. Nach acht Partien steht es 4:4.

Das wird Herrn Putin nicht gefallen. Erstmals seit 1921, damals verlor der Deutsche Emanuel Lasker gegen den Kubaner Jose Raoul Cpapblanca, sitzt beim Kampf um die Schach-Krone kein Russe am Tisch. Nach acht Partien im aktuellen WM-Duell steht es zwischen dem indischen Titelverteidiger Viswanathan Anand und Wesselin Topalow aus Bulgarien 4:4.

Im Krieg der Köpfe, in den Kämpfen um die Weltmeisterschaft, gab es in den vergangenen Jahrzehnten so manchen Nebenschauplatz. Es geht nicht nur darum, das Spiel auf den 64 Feldern großmeisterhaft zu beherrschen, sondern sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Und genau das wurde immer wieder versucht. 1978 spielten Joghurtbecher eine große Rolle. Angeblich hat der Russe Anatoli Karpow im Match gegen den Exil-Russen Viktor Kortschnoi mit Hilfe verschiedenfarbiger Becher Zug-Vorschläge aus dem Zuschauerbereich erhalten.

Anand und Topalow müssen die Toilette teilen

Gegenseitige Verdächtigungen gibt es auch heute noch. Topalow machte vor drei Jahren im WM-Kampf gegen Wladimir Kramnik unrühmlich auf sich aufmerksam, als er seinen kranken russischen Gegner bezichtigte, dass dieser sich auf der für ihn reservierten Toilette mit Zugvorschlägen versehen ließe. Auch deshalb müssen sich der 40-jährige Anand und der 35-jährige Topalow in Sofia das stille Örtchen teilen.

In der vernetzten Welt sind die Betrugsmöglichkeiten durch Handy und Internet um ein Vielfaches gestiegen, so dass die Spieler und Zuschauer vor Eintritt in den Spielsaal einen Metalldetektor passieren müssen. So ist es auch im Militärklub im Zentrum Sofias, in dem sich Anand und Topalow in dem auf zwölf Partien festgesetzten Match gegenüber sitzen. Dass die WM in Sofia ausgetragen wird, ist eine Frage des Geldes gewesen. Der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow machte die Bewerbung zur Chefsache. Bulgarien sollte mit der Austragung der Schach-WM weltweite Aufmerksamkeit erringen. Das gelang, aber nicht so, wie es sich der frühere Leibwächter von Ex-Staatschef Todor Schiwkow vorgestellt hatte. In der fünften Partie gab es im eigens renovierten Militärklub einen Stromausfall. 13 Minuten lang saßen Anand und Topalow im Dunkeln.

Kein Problem für die Rechenkünstler, sie haben eh immer ein virtuelles Brett vor Augen. „Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn die Lichter eine Stunde oder länger ausgeblieben wären“, sagte Anand.

Immerhin stimmen die Finanzen. Da der Sieger stolze 1,2 Millionen und der Verlierer 800 000 Euro erhält, erklärte sich Anand bereit, seinen Titel in Sofia zu verteidigen. Auf Topalow lastet ein immenser Druck. Die ganze Nation erwartet einen Sieg des Herausforderers, der seit 1998 im spanischen Salamanca wohnt. Nur zwei Autostunden entfernt lebt Anand.

Kontakt haben sie trotzdem nicht. Und so ist das Verhältnis der Kontrahenten auch in Sofia unterkühlt. Selbst die Remis-Gebote unterbreiten sie sich nicht persönlich, sondnern geben sie an ihre Sekundanten weiter. Aber Topalow wird in den letzten vier Partien nicht auf Remis spielen, weil er Anand vom Thron stoßen will.

 
 

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