Thomas Kempe - vom Bundesliga-Profi zum Talent-Scout in Panama

Auf dem Weg in den Profi-Fußball: Von 1979 bis 1993 absolvierte er 391 Bundesligaspiele und erzielte dabei 42 Tore.
Auf dem Weg in den Profi-Fußball: Von 1979 bis 1993 absolvierte er 391 Bundesligaspiele und erzielte dabei 42 Tore.
Thomas Kempe startete vom TV Voerde durch in die Fußball-Bundesliga. Heute ist er als Talent-Scout unter anderem in Panama unterwegs. Einigen mittelamerikanischen Spielern prophezeit er schon bald eine große Karriere in Europa - "alle werden hinter den Jungs her sein", sagt Kempe.

Voerde.. Der Wagen von Thomas Kempe ist in der Werkstatt, er muss gleich seinen jüngsten Sohn von der Schule abholen und dann noch rasch seine nächste Reise nach Panama organisieren. Für einen Kaffee hat der Voerder aber immer Zeit. Nur die Erinnerungen an die alten Zeiten, als er Anfang der 80er Jahre vom TV Voerde zum Fußball-Bundesligisten MSV Duisburg kam und mit seinen spektakulären Toren auf Anhieb zum Star aufstieg, liegen ihm nicht so sehr am Herzen. „Ach“, sagt er. „Davon weiß ich doch kaum noch etwas.“ Die neuen Zeiten findet der 51-Jährige viel spannender, er will Talente aus Panama nach Europa vermitteln.

Demnach sind Sie mittlerweile Spielervermittler?

Thomas Kempe: Ich arbeite für die österreichische Firma „Grass is green“ als Scout.

Und wie kommen Sie da ausgerechnet auf Panama?

Kempe: Ich habe in Panama ja mal den Erstligisten FC Tauro trainiert. Der Verein hat schon acht Landesmeisterschaften gewonnen und ist eine Art Bayern München von Panama. Aus dieser Zeit habe ich noch gute Kontakte, und dort spielen sehr talentierte Jungs.

Gibt es tatsächlich Spieler aus Panama in der Bundesliga?

Kempe: Nein, noch nicht. Die meisten Klubs werden doch nur aufmerksam, wenn sie Brasilien oder Argentinien hören. Aber Panama hat eine gute Chance, bei der WM 2014 in Brasilien dabei zu sein. Das Land steht auf Platz 47 der Fifa-Weltrangliste, noch vor Nationen wie Österreich oder Polen. Wenn Panama es zur WM schafft, werden alle hinter den Jungs her sein. Nur wir sind eben eher am Ball.

Wie viele Spieler haben Sie im Auge für Europa?

Kempe: Im Moment zwei Nationalspieler, 24 und 25 Jahre alt. Die beiden Jungs spielen noch in der ersten Liga von Panama. Viele andere sind längst in Mexiko, Kolumbien oder den USA unter Vertrag. Außerdem haben wir da noch einen 15-Jährigen, der schon in der ersten Liga spielt, der wird ein ganz Großer.

Den wollen Sie auch nach Europa holen?

Kempe: Irgendwann schon, aber im Moment natürlich noch nicht. Er soll noch zwei oder drei Jahre in Panama spielen, aber dann werden sich die ausländischen Klubs um ihn reißen. Wir haben daher zur Sicherheit einen Fünfjahres-Vertrag mit ihm abgeschlossen.

Wenn Sie nun durch Panama reisen werden und sich dort mehrere Spiele ansehen, sind Sie dann der einzige Scout aus Europa auf der Tribüne?

Kempe: Ich weiß natürlich nicht genau, wie es aussehen wird, aber ich denke schon, dass ich da ziemlich alleine sitzen werde.

Gibt es Bundesligisten, die sich für Ihre Idee mit Panama interessieren?

Kempe: Im Moment nicht, ich habe keine Ahnung, warum keiner darauf anspringt. Ich habe mehrfach mit dem VfL Bochum gesprochen, denn dort habe ich ja viele Jahre gespielt. Aber es hat sich niemand mehr gemeldet.

Also fliegen Sie mehr oder weniger ins Blaue nach Panama?

Kempe: Gar nicht, denn wir haben polnische Vereine, die sehr interessiert sind. Vielleicht ist es für die Jungs auch sogar besser, in Europa erstmal in einer kleineren Liga als der Bundesliga die ersten Schritte zu machen. Wobei ich überhaupt nichts gegen die polnische Liga sagen möchte. Im Gegenteil: Tolle Stadien, freundliche Menschen, guter Fußball.

Wie war es denn früher, als Sie vom TV Voerde in die Bundesliga kamen? Hatten Sie einen Berater?

Kempe: Ach was, solche Sachen gab es damals doch kaum. Mein damaliger Jugendtrainer vom TV Voerde, der Hans-Peter Lindau, kannte den Friedhelm Voß vom MSV. Die beiden haben dann ausgemacht, dass ich mal zum Probetraining beim MSV durfte. Das lief wohl ganz gut und ich bekam einen Vertrag. So lief das früher.

Klingt nach Fußball-Romantik.

Kempe: Aber nur kurz, denn als ich meine ersten Tore in der Bundesliga geschossen hatte, stand sofort der erste Berater bei uns vor der Haustür. Er hat sowas gesagt wie: „Im nächsten Jahr spielst du bei den Bayern.“ Er wollte das vermitteln und dafür 30 Prozent vom Gehalt. Mein Vater hat ihn sofort rausgeworfen und mir gesagt: „Das Geld kannst du dir besser sparen.“

Ihre Söhne spielen mittlerweile auch als Profis. Dennis in der Dritten Liga beim Karlsruher SC, Tobias beim Zweitligisten Dynamo Dresden. Helfen Sie denen?

Kempe: Natürlich. Ich sitze zwar nicht so oft auf der Tribüne, weil ich das Ganze als Vater vielleicht zu streng beurteile. Aber natürlich verfolge ich die Karrieren der Jungs und berate sie, wenn es nötig und angebracht ist. Kürzlich war ich deswegen noch in Paderborn.

In Paderborn?

Kempe: Ja, Tobias hatte doch einen Vertrag beim SC Paderborn. Er wollte in der Winterpause weg und hat sich für Dresden entschieden. Trainer Peter Pacult hat immer schon von Tobias geschwärmt. Ich kenne den Peter Pacult noch aus der Bundesliga, wir sind ein Jahrgang. So kam der Kontakt zustande. Und in Paderborn habe ich Tobias jetzt geholfen, seine Wohnung aufzulösen. Auch sowas gehört für einen Vater und einen Berater dazu.

 
 

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