Wo laufen sie denn? Die Leichtathletik-WM im Abseits

Wattenscheids Top-Sprinter Julian Reus und die Leichtathletik fristen im Vergleich zum Fußball ein mediales Nischen-Dasein.
Wattenscheids Top-Sprinter Julian Reus und die Leichtathletik fristen im Vergleich zum Fußball ein mediales Nischen-Dasein.
Foto: Wolfgang Birkenstock
Im internationalen Sportkalender können allein die Olympischen Spiele dem Fußball noch Paroli bieten. Selbst Leichtathletik-Weltmeisterschaften fristen heute nur noch ein Nischen-Dasein. Ein Kommentar.

Essen.. In fünf Wochen beginnen die Leichtathletik-Weltmeisterschaften, früher einer der Höhepunkte im Sportkalender. Und heute? Die einst blühende Sportlandschaft ist, zumal in klassischen Fußball-Ländern, zu einer Fast-Monokultur verkümmert, die selbst für die olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen in den Jahren zwischen den Spielen nur noch in Nischen Platz lässt.

Dazu passt dieses Szenario: Hätte Peking kein Interesse gezeigt, wären die 15. Welttitelkämpfe der Leichtathleten womöglich ausgefallen. War doch China der einzige Bewerber. Es mag übertrieben sein, aber die Tendenz ist nicht zu leugnen: Immer mehr Sportarten sterben, gemessen am öffentlichen Interesse, den leisen Tod auf Raten.

Die Leichtathletik im Teufelskreis

Damit ein Sport im Medienzeitalter attraktiv bleibt, bedarf es einer entsprechenden Fernseh-Präsenz. Die wiederum hängt davon ab, ob Stars und Spektakel garantiert sind. Ist dies nicht der Fall (in der Leichtathletik hat allein Usain Bolt noch eine weltweite Ausstrahlung), winken die TV-Sender ab. Ohne Bildschirm-Werbung jedoch verliert der Sport seine Anziehungskraft auf junge Menschen. Ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Allein Olympia bietet dem Sport in seiner ganzen Bandbreite noch die große Bühne. Nur: Wie lange noch? Es würde niemanden mehr überraschen, wenn wir eines Tages von einer neuen olympischen Kernsportart reden: Fußball.

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