Warum Darts bei deutschen Zuschauern immer beliebter wird

Einige Spieler beim Darts sind wahre Hingucker: Peter Wright alias "Snakebite".
Einige Spieler beim Darts sind wahre Hingucker: Peter Wright alias "Snakebite".
Foto: imago
Es sind nicht gerade Amors Pfeile, aber sie treffen immer mehr Herzen deutscher Sportfans. Für Sport1 bedeutet das: steigende Quoten. Ein Kommentar.

Essen.. Als Anfang der 1960er-Jahre TV-Sportübertragungen im Vergleich zu heute noch eine Rarität waren und der Sportkalender in den Tagen um den Jahreswechsel überwiegend weiße Seiten aufwies, lockte der Spengler Cup, das Eishockey-Traditionsturnier des HC Davos, viele Sportfans vor die Mattscheibe. 1961 erstmals via Eurovision in sechs Ländern übertragen, war die Veranstaltung über Jahre fester Bestandteil des nachweihnachtlichen Fernsehprogramms.

Der Spengler-Cup von heute ist die Darts-WM. Sicher, an die Einschaltquoten der im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigten Vierschanzen-Tournee können die Liveübertragungen von Sport1 nicht heranreichen – aber über den Status eines Geheimtipps ist das Treffen der weltbesten Pfeilewerfer längst hinaus gekommen. Seit der ersten Übertragung vor elf Jahren steigen die Einschaltquoten kontinuierlich – in der Spitze sind es mittlerweile schon bis zu einer Million Zuschauer.

Bewusst kultivierte bierselige Atmosphäre

Ein enormer Erfolg für den Spartensender. Geschuldet ist er nicht zuletzt der Marketing-Strategie der Darts-Macher, von denen sich manche Sportverbände eine Scheibe abschneiden können. Ihr erster Coup: die Terminierung der WM mit der Präsentation des ersten Champions im neuen Sportjahr. Die gezielte Förderung extrovertierter Stars und die fernsehgerechte Inszenierung der WM als eine Art Mega-Party taten ein Übriges. Sport1 rundet das Ganze mit einem vorzüglichen Kommentatoren-Duo ab, das die Emotionen der eingeschworenen Fangemeinde perfekt bedient.

Elmar Paulke und der frühere deutsche Meister Tomas „Shorty“ Seyler ist nachzusehen, wenn sie sich im Überschwang der Gefühle schon mal zu der Behauptung versteigen, Männer wie Darts-Legende Phil „The Power“ Taylor hätten ihren Sport aus den Hinterzimmern der Kneipen geholt, wo das Werfen auf eine Scheibe erfunden wurde. Die Bilder aus dem stets proppevollen Londoner Alexandra Palace, von den Fans liebevoll „Ally Pally“ genannt, belegen: Erst die bewusst kultivierte bierselige Atmosphäre macht den Unterschied zu anderen Sportevents aus.

Deutsche Talente stehen auf dem Sprung ins Rampenlicht

Ein Umfeld, das – nebenbei – die Präzisionswerfer offenbar eher beflügelt denn irritiert. Im Gegensatz etwa zum Tennis, wo sich die Spieler in der Regel schon durch ein Räuspern auf den Rängen gestört fühlen. Noch kommen die besten Dartsprofis aus Großbritannien und den Niederlanden. Aber auch in Deutschland stehen Talente wie Max Hopp oder Sascha Stein auf dem Sprung. Sollte einer von ihnen irgendwann den „Ally Pally“ zum Wackeln bringen, könnte Darts auch hierzulande aus der Nische herauskommen, die ihm derzeit allein zum Jahreswechsel mediale Aufmerksamkeit garantiert.

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